Perm - Die russische Staatsanwaltschaft macht Fahrlässigkeit für den verheerenden Brand in einem Nachtclub verantwortlich, bei dem 110 Menschen ums Leben kamen. In dem Saal sei keine automatische Löschanlage eingebaut gewesen, sagte die zuständige Ermittlerin Marina Sabbarowa am Sonntag in Perm. "Es war unmöglich, da jemanden zu retten."
Zuvor hatten Angehörige und Anwohner der Toten gedacht. Vor der Leichenhalle der Stadt versammelten sich bei klirrender Kälte etwa drei Dutzend Menschen. Eine andere Gruppe legte Blumen vor dem in der Nacht zum Samstag ausgebrannten Club nieder.
Zum Zeitpunkt des Feuers befanden sich mehr als 200 Menschen in dem Nachtclub. Als Brandursache gilt ein Feuerwerk in dem Lokal. Sabbarowa zufolge waren die Feuerwerkskörper nicht für den Einsatz in geschlossenen Räumen zugelassen. Vier Personen seien festgenommen worden, darunter die Leiter des Nachtclubs und der Chef der Firma, die die Feuerwerkskörper zur Verfügung gestellt habe.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft kündigte an, die Anklage werde vermutlich auf fahrlässige Tötung lauten, da die Vorschriften zum Brandschutz verletzt worden seien. Anwohner warfen zudem der Feuerwehr von Perm Korruption vor. "Sie hat acht Jahre lang die Räume abgenommen", sagte ein 51-jähriger Mann.
Russlands Präsident Dmitri Medwedew hat eine harte Bestrafung der Club-Besitzer gefordert. Er ordnete zudem eine eintägige Staatstrauer an. Das Feuer war nach offiziellen Angaben der schlimmste seit Jahrzehnten in Russland. Dort kommt es bei Bränden immer wieder zu vielen Toten, wofür schlechte Sicherheitsstandards verantwortlich gemacht werden. Im vergangenen Jahr kamen laut Regierungsangaben 15.000 Menschen in Russland bei Bränden ums Leben.
vme/rtr
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