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Cockpit-Dialog vor Spanair-Absturz: "Heb ab! Los, heb ab! Scheiße."

154 Menschen wurden in den Tod gerissen, als am 20. August 2008 in Madrid eine Spanair-Maschine verunglückte. Gut 20 Monate nach dem Absturz hat ein Radiosender nun den letzten Wortwechsel aus dem Cockpit veröffentlicht. Das Tonbandmaterial zeigt die Hilflosigkeit der Piloten.

Spanair-Unglück von Madrid: Die letzten Worte aus dem Cockpit Fotos
dpa

Madrid - Die MD-82 mit 173 Menschen an Bord war am 20. August 2008 um 14.45 Uhr unmittelbar nach dem Start über die Rollbahn des Flughafens Madrid hinausgeschossen. Der Unglücksjet flog etwa 50 Meter weit in einer Höhe von etwa 60 Metern, ging in Flammen auf und zerschellte. Bei dem Absturz wurden 154 Menschen getötet, 18 überlebten das Flugzeugunglück schwer verletzt. Die Maschine hätte von Madrid nach Gran Canaria fliegen sollen.

Die Minuten vor der Katastrophe waren dramatisch, wie die Tonbandaufzeichnungen aus dem Cockpit der Maschine belegen. Der spanische Radiosender Cadena SER und andere Medien haben sie nun veröffentlicht.

Co-Pilot: "Triebwerkschaden?"

Ein Alarmsignal ertönt viermal.

Pilot: "Wie kann man dieses verdammte Ding abstellen?"

Pilot: "Heb ab!"

Man hört einen ersten Aufprall des Flugzeugs auf die Erde.

Pilot: "Los, heb ab! Verdammte Scheiße. Heb ab!"

Zweiter Aufprall.

Pilot: "Scheiße."

Man hört einen Schrei des Co-Piloten.

Dann bricht die Aufzeichnung ab.

Den Alarmton, der viermal erklang, hatte die Crew ignoriert. Die Piloten sollen es nach einem vorläufigen Expertenbericht versäumt haben, die Vorflügel und Landeklappen auszufahren, die dem Flugzeug beim Start Auftrieb geben sollen. Die Ermittlungen über die Ursachen des Unglücks sind aber immer noch nicht abgeschlossen.

Der Flugschreiber stellt die Ermittler vor ein weiteres Rätsel. Laut den Aufzeichnungen muss ein unbekannter dritter Mann im Cockpit gewesen sein. Dieser habe starke Zweifel an der Arbeit der Techniker geäußert, die vor dem verunglückten Start einen überhitzten Sensor mit Eiswürfeln gekühlt hatten. "Das ist Flickschusterei!", empörte sich der Unbekannte. Der Co-Pilot antwortete: "Das kann man wohl so machen." Kurz darauf rollte das Flugzeug zur Startposition des Madrider Flughafens.

Die Justiz ermittelt noch immer gegen zwei Techniker, die vor dem Start die Sicherung für einen defekten Außentemperaturfühler entfernt und das Gerät damit außer Betrieb gesetzt hatten.

Die Cockpit-Besatzung glaubte lange, alles unter Kontrolle zu haben. Der Co-Pilot sagte kurz vor dem Absturz noch: "Alles bestens." Er hatte unmittelbar vor dem Start seine Freundin angerufen, die ihn auf dem Zielflughafen in Las Palmas de Gran Canaria abholen wollte: "Es tut mir leid, Kleine. Es gab hier ein Problem, aber jetzt ist alles geregelt, und wir können losfliegen."

ada/dpa

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