Colonia Dignidad Zweites Waffenlager der deutschen Sekte gefunden

Wenige Wochen nach dem sensationellen Waffenfund auf dem Gelände der deutschen Siedlung Colonia Dignidad im Süden Chiles hat die Polizei ein zweites Lager gefunden. Das unterirdische Versteck enthält Raketenwerfer und Granaten.


Santiago de Chile - Das Waffenlager wurde in der Nähe eines von der Colonia Dignidad geführten Restaurants in Bulnes entdeckt. Vier Meter tief sind Raketenwerfer, Munition und Granaten vergraben, berichteten chilenische Medien. Das Innenministerium in Santiago hatte den Fund mitgeteilt, ohne nähere Einzelheiten zu nennen.

Das zweite Lager ist 120 Kilometer entfernt von dem weitläufigen Gelände der Deutschen-Enklave bei Parral im Süden Chiles. Im vergangenen Monat hatte die Polizei in der Siedlung das erste Waffenlager ausgehoben, das als das größte private Waffenlager gilt, das jemals in Chile gefunden wurde. Es enthielt altertümliche Waffen, die seit mehreren Jahrzehnten dort gelagert haben müssen. Der Fund bestätigte lang gehegte Vermutungen, dass die Colonia Dignidad eine militärische Vergangenheit habe.

Beide Funde erfolgten im Zuge von Ermittlungen in die Vergangenheit der Colonia Dignidad. Die Siedlung wurde unter der Pinochet-Diktatur (1973 bis 1990) zur Folter politischer Häftlinge benutzt. Einige verschwundene Dissidenten sollen auf dem lange hermetisch abgeriegelten Gelände begraben sein.

Der stellvertretende Innenminister Jorge Correa sagte, die Waffen könnten darauf hindeuten, dass die unter dem Laienprediger Paul Schäfer sektenähnlich organisierte Gemeinschaft paramilitärische Aktivitäten verfolgt haben könnte.

Schäfer hatte die Siedlung im Süden Chiles in den sechziger Jahren gegründet und ein persönliches Terror-Regime aufgebaut. Der 83-Jährige wurde im März nach jahrelanger Flucht in Argentinien verhaftet und an Chile ausgeliefert, wo ihm der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gemacht werden soll. In Abwesenheit war zuvor ein Prozess in Chile wegen des Verschwindens von vier Dissidenten gegen ihn geführt worden.

Seit Schäfers Festnahme hat sich die Siedlung geöffnet. Die Bewohner der Colonia Dignidad haben ihre Gemeinschaft, die vor allem von der Landwirtschaft lebt, vor mehreren Jahren in Villa Baviera umbenannt.



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