Kindergeburtstag Mutter schickt fünfjährigem Party-Schwänzer Rechnung

Abgestraft: Weil der Sohn statt zum Kindergeburtstag lieber zu Oma und Opa wollte, hat ein britisches Paar jetzt eine Rechnung über 15,95 Pfund erhalten. Die Begründung der Ausstellerin: bös-und mutwilliges Fernbleiben von einer langgeplanten Festivität.

Derek Nash mit Sohn Alex: "Ich dachte erst, das ist ein Witz"
Bulls/ SWNS

Derek Nash mit Sohn Alex: "Ich dachte erst, das ist ein Witz"


London - Ein kleiner Ort in Cornwall macht derzeit von sich reden. Und zwar mit einer pädagogischen Inkasso-Maßnahme, von der man nur hoffen kann, dass sie als Trend nicht irgendwann über den Kanal schwappen wird.

Beim Aufräumen des Schulranzens seines kleinen Sohnes Alex entdeckte Derek Nash aus Torpoint unlängst eine Rechnung über 15,95 Pfund, knapp 21 Euro. Gerichtet war sie an den "Erziehungsberechtigten / Vormund von Alex Nash", bezahlt werden sollte eine "Kindergeburtstagsnichterscheinungsgebühr" - auf Englisch etwas kürzer "Child Party No Show Fee" genannt.

"Ich dachte erst, das ist ein Witz", sagte Derek Nash laut "Guardian", als er das Schreiben in der Hand hielt. Doch den Verfassern war es offenbar bitterernst. Weil der fünfjährige Alex nicht wie versprochen auf der Geburtstagsfeier eines Gleichaltrigen erschienen war, sollte er eine Art Ausfallgebühr berappen.

Die Mutter des Geburtstagskindes, Julie Lawrence, erklärte, ihr seien zusätzliche Kosten entstanden aufgrund des Fernbleibens. Als die Nashs sich weigerten, die Summe zu bezahlen, drohte sie, die Sache vor Gericht zu bringen.

Die Eltern hatten laut eigener Aussage kurz vor Weihnachten zunächst bestätigt, dass ihr Sohn an der Party in einem Ski- und Snowboard-Zentrum in Plymouth teilnehmen werde. Erst an dem betreffenden Tag hätten sie festgestellt, dass Alex eigentlich für einen Besuch bei seinen Großeltern gebucht war. Als sie das Kind fragten, erklärte es, lieber zu den Großeltern fahren zu wollen. Da sie die Kontaktdaten von Lawrence nicht gehabt hätten, hätten sie sie nicht informieren können.

"Julie Lawrence und ich waren keine Freundinnen, wir haben nicht miteinander gesprochen in der Schule, aber ich habe mich auch nicht gut dabei gefühlt, dass Alex nicht zu der Party gegangen ist", sagte die Mutter Tanya Walsh der "Apex News". "Aber gleich eine Rechnung zu schicken, ist vollkommen übertrieben - so etwas habe ich noch nie gehört. Das ist eine schreckliche Art damit umzugehen, es ist sehr herablassend."

"Ich kann verstehen, dass sie verärgert darüber ist, dass sie Geld verloren hat", sagte Vater Derek. Es gehe aber gar nicht um das Geld, sondern darum, wie sie versucht habe, es von ihm zu bekommen: "Sie hat mich nicht wie einen erwachsenen Menschen behandelt, sie hat mich wie ein Kind behandelt, dem sie sagt, was es zu tun hat."

Die beleidigte Mutter Lawrence erklärte, sämtliche Informationen und Kontaktdaten hätten sich auf der Einladung befunden, es sei kein Problem gewesen, sie rechtzeitig zu erreichen. Die Direktorin der Vorschule entschuldigte sich auf Nachfrage der Eltern dafür, dass eine Lehrerin den braunen Umschlag mit der Rechnung an Alex weitergegeben hat.

Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken waren durchwachsen, einige Kommentare fassungslos, andere verständnisvoll. Und es fand sich sogar jemand, der bereits ähnliche Erfahrungen gemacht hatte: So berichtete eine Kolumnistin des "Guardian", Eva Wiseman, dass sie schon einmal mit einer Rechnung für eine verpasste Hochzeit abgestraft worden sei: "30 Pfund. Ein Schnäppchen, hab ich gedacht."

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ala



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