"Costa Concordia"-Unglück: Kapitän Schettino will seinen Job zurück

Von , Rom

Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" will zurück ans Steuer. Francesco Schettino hat die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt und eine Wiedereinstellung gefordert. Bei dem Unglück waren 32 Menschen ums Leben gekommen.

"Costa Concordia": Traumreise wurde zum Alptraumtrip Fotos
Helmut Etzkorn

Die Passagiere saßen beim Dinner, die Tische auf der "Costa Concordia" waren festlich gedeckt, die Gäste waren fröhlich. Auch der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes, Francesco Schettino, war bester Laune. Einen "vollen Dekanter mit Wein" habe er getrunken, erzählt eine Reisende später. Schettino bestreitet das. "Plötzlich knallte es", erzählen Passagiere des Kreuzfahrtschiffes, "Gläser, Flaschen, Geschirr flogen vom Tisch".

Das Licht ging aus. Menschen schrien. Es war der 13. Januar 2012, 21.45 Uhr. Die "Costa Concordia" fuhr mit 3200 Passagieren und etwa tausend Besatzungsmitgliedern an Bord nahe der kleinen, malerischen Insel Giglio auf einen Felsen. Durch einen 70 Meter langen Riss drang sofort Wasser ein. Aber erst um 22.30 Uhr wurde das Signal zur Evakuierung des Schiffes gegeben. Falls es Notfallpläne für solche Ereignisse gab, kannte sie offenbar niemand. Menschen sprangen über Bord, um die nahe Küste schwimmend zu erreichen.

32 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Die Rettungsaktion dauerte Stunden, Francesco Schettino hatte zu diesem Zeitpunkt das sinkende Schiff längst verlassen - und sich in Sicherheit gebracht.

Schettino verlangt Auszahlung entgangener Gehälter

Nach Abschluss eines Disziplinarverfahrens entließ die Reederei Costa Crociere, die zum US-Konzern Carnival gehört, Ende Juli den Unglückskapitän. Das aber will der nicht hinnehmen. Er klagt vor dem Arbeitsgericht auf Wiedereinstellung, wie sein Rechtsanwalt Bruno Leporatti der römischen Tageszeitung "La Repubblica" bestätigte, und verlangt die Auszahlung der ihm seither entgangenen Gehälter. Er habe sich korrekt verhalten, behauptet Schettino. "Das Unternehmen hat die Sanktion der Entlassung in Übereinstimmung mit den Gesetzen und vertraglichen Bestimmungen verhängt", heißt es dagegen in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung der Costa Crociere.

Nach dem Unglück leitete die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Schettino und acht weitere Personen ein. Der Prozess soll in Bälde beginnen. Dem 52-Jährigen drohen dabei - sollte er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden - 15 Jahre Haft pro Todesfall. Unter den Verdächtigen sind auch fünf Besatzungsmitglieder und der Costa-Krisenkoordinator Roberto Ferrarini, der in der Unglücksnacht regelmäßig in Kontakt mit dem Kapitän stand.

Kapitän soll das Unglück verursacht haben - weil er zu nah an die Küste fuhr

In einer Stellungnahme, aus der die italienische Nachrichtenagentur Ansa kürzlich zitiert hatte, verteidigte Schettino das Verlassen des Schiffes. Er sei kein Feigling, schrieb er. Nur seine schnelle und geistesgegenwärtige Reaktion habe eine weitaus größere Zahl von Opfern verhindert. Die Reederei sieht das anders.

Schettino soll die Katastrophe verursacht haben, weil er zu nah an die Küste von Giglio heranfuhr. Außerdem soll er die Evakuierung verzögert haben. In einem Fernsehinterview im Juli versicherte der Unglückskapitän, sich korrekt verhalten zu haben.

Mehr Klarheit darüber, was in der Unglücksnacht der "Costa Concordia" genau passierte und wer daran welchen Anteil hatte, soll die Analyse des "Voyage Data Recorders" bringen. Die bislang weitgehend unter Verschluss gehaltenen Ergebnisse sollen ab kommendem Montag in einem weiteren Beweissicherungsverfahren im südtoskanischen Städtchen Grosseto offiziell präsentiert werden. An zwei vorhergehenden Terminen hatte Schettino nicht teilgenommen. Bei der jetzt anstehenden Anhörung will er sich den Fragen der Staatsanwaltschaft, des Untersuchungsrichters und der Verteidigung stellen.

Nach dem Unglück war Schettino zunächst in Untersuchungshaft genommen worden, durfte aber nach ein paar Tagen in den Hausarrest wechseln. Auch der wurde inzwischen aufgehoben. Schettino kann seither zumindest wieder auf kleineren Schiffen fahren: Ein Foto zeigte ihn zuletzt auf fröhlicher Bootstour mit einem Freund - und sorgte für wütende Reaktionen in der Öffentlichkeit.

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1.
trevorcolby 10.10.2012
Zitat von sysopDer Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" will zurück ans Steuer. Francesco Schettino hat die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt und eine Wiedereinstellung gefordert. Bei dem Unglück waren 32 Menschen ums Leben gekommen. "Costa Concordia"-Havarie: Kapitän klagt gegen seine Entlassung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-havarie-kapitaen-klagt-gegen-seine-entlassung-a-860523.html)
Klasse, find ich gut, macht die Kreuzfahrten noch billiger.
2. So geht das
zxmar06 10.10.2012
Der Mann ist zu höherem Berufen! Wie wäre es mit einem Posten in der EU-Kommission?
3. Uneinsichtig
mr_supersonic 10.10.2012
Zitat von sysopDer Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" will zurück ans Steuer. Francesco Schettino hat die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt und eine Wiedereinstellung gefordert. Bei dem Unglück waren 32 Menschen ums Leben gekommen. "Costa Concordia"-Havarie: Kapitän klagt gegen seine Entlassung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-havarie-kapitaen-klagt-gegen-seine-entlassung-a-860523.html)
Das ist so wie mit Autofahrern, die ständig Unfälle verursachen und sich dennoch beschweren warum ihnen der Führerschein abgenommen wird. Ich errinnere mich noch an einen Unfall, wo dann einer schon ohne Führerschein des Nachts durch ein Wohngebiet fuhr und beim Abbiegen eine Frau mit dem Auto erfasste. Die Frau starb. Ich hoffe dass Schettino einen fairen Prozess bekommt, der ihm klar macht was das Problem war an diesem Unglück, und dass er dann im Gefängnis reflektiert.
4. Kapitän Schettino sollte sich freihalten für die Hauptrolle im Film zum Drama
Privatier 10.10.2012
Zitat von sysopDer Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" will zurück ans Steuer. Francesco Schettino hat die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt und eine Wiedereinstellung gefordert. Bei dem Unglück waren 32 Menschen ums Leben gekommen. "Costa Concordia"-Havarie: Kapitän klagt gegen seine Entlassung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-havarie-kapitaen-klagt-gegen-seine-entlassung-a-860523.html)
Die Szene, wo er nach eigener Aussage ebenso unbeabsichtigt wie unglücklich ins Rettungsboot stolperte, und sich dort auch nicht mehr befreien konnte, um seine Kapitänspflichten auf der Costa Concordia fortzusetzen, wird kein Schauspieler dieser Welt glaubhaft spielen können.
5.
stevie76 10.10.2012
Zitat von sysopDer Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" will zurück ans Steuer. Francesco Schettino hat die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt und eine Wiedereinstellung gefordert. Bei dem Unglück waren 32 Menschen ums Leben gekommen. "Costa Concordia"-Havarie: Kapitän klagt gegen seine Entlassung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-havarie-kapitaen-klagt-gegen-seine-entlassung-a-860523.html)
genau so läuft heute der hase, kackendreist sein bis zum umfallen, man bekommts ja allerorten vorgemacht.
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