Anhörung zum "Costa Concordia"-Unglück: Kapitän Schettino verteidigt sich

Francesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung.

Schettino kurz vor der Anhörung: Hand des Kapitäns oder Hand Gottes? Zur Großansicht
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Schettino kurz vor der Anhörung: Hand des Kapitäns oder Hand Gottes?

Grosseto - Der Kapitän des vor neun Monaten verunglückten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", Francesco Schettino, hat bei der Voranhörung vor einem italienischen Gericht ausgesagt. Schettino sei "Schritt für Schritt durch die Anweisungen" gegangen, die er vor und nach der Havarie gegeben habe, sagten Teilnehmer der nicht-öffentlichen Vernehmung am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Anders als von der Staatsanwaltschaft dargestellt, beharrte Schettino darauf, das Manöver während des Unglücks selbst durchgeführt zu haben. Es sei eine "Entscheidung" gewesen, das Schiff nach dem Rammen eines Felsens nahe an den Hafen der Insel Giglio zu steuern, sagte Schettino dem italienischen Fernsehen.

Chefstaatsanwalt Francesco Verusio hatte am Mittwoch seine Sichtweise dargelegt: "Es war die Hand Gottes, die das Schiff nahe an die Insel brachte, kein Manöver des Kapitäns", sagte Verusio. "Wenn nicht der Wind das Schiff an die Küste getrieben hätte, wäre es (auf See) gekentert und in einer Minute gesunken". Schettino hatte mehrfach für sich in Anspruch genommen, Schlimmeres verhindert zu haben.

Schettino droht Anklage wegen fahrlässiger Tötung

Mit der Aussage des Kapitäns ist die Voranhörung am Donnerstag abgeschlossen worden. Danach soll entschieden werden, wer wegen des Unglücks angeklagt wird.

Die Anhörung konzentrierte sich auf einen Bericht technischer Experten, die Datenaufzeichnungen, Kapitänsbefehle und Telefonmitschnitte ausgewertet hatten. Laut der Analyse war vor allem Schettino persönlich für den Unfall verantwortlich. Demnach versuchte er "ein extrem riskantes Manöver". Er habe angewiesen, den Kurs des Schiffs zu ändern, um der Insel Giglio einen traditionellen Seemannsgruß zu erweisen. Schließlich sei er auf der Brücke erschienen, als sich die "Costa Concordia" nur noch zwei Seemeilen von der Küste entfernt befunden habe.

Vor der Kollision mit einem Felsen hatten andere Besatzungsmitglieder Schettino dem Bericht zufolge gewarnt, dass sich das Schiff zu nah an der Insel befinde. Zudem habe der Steuermann die falsche Richtung eingeschlagen. Nach dem Unfall habe der Kapitän die Behörden mit "falschen Informationen" versorgt und den Alarm an Bord erst mit "beträchtlicher Verspätung" ausgelöst.

Schettino, der die Reederei wegen seiner Entlassung verklagt hat, droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Auch sechs weitere Crew-Mitglieder und drei Manager der Reederei, die zum US-Unternehmen Carnival gehört, könnten angeklagt werden. Der eigentliche Prozess beginnt wahrscheinlich im kommenden Jahr.

Bei dem Unglück am 13. Januar starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche. Die "Costa Concordia" schrammte mit mehr als 4200 Passagieren an Bord einen Felsen und lief vor der Toskana-Insel Giglio auf Grund. Wegen Schwierigkeiten bei der Bergung liegt das Wrack bis heute vor der Küste.

bim/Reuters/AFP/dpa

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1. Mann ohne Ehre
Vanagas 18.10.2012
Zitat von sysopAPFrancesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung. http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-kapitaen-schettino-verteidigt-sich-bei-voranhoerung-a-862135.html
So ist das heutzutage mit den Eliten : Große Fresse + nichts dahinter ! Früher hätte ein Kapitän gewußt was zur Herstellung der Ehre getan werden muß . Am Ende müßen wir uns nicht wundern wenn Schettino auch noch mit Orden behangen wird . Ich fürchte fast , es wird kommen !
2.
Lightbringer 18.10.2012
Zitat von sysopAPFrancesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung. http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-kapitaen-schettino-verteidigt-sich-bei-voranhoerung-a-862135.html
Das geht ja fast in einem Nebensatz unter. Schettino ist formal zwar verantwortlich, aber da scheinen noch mehr "Experten" an Bord gewesen zu sein.
3. Lightbringer
remmbremmerdeng 18.10.2012
Auch wenn da vtl. noch ein Steuermann am Steuerrad stand, gehen Sie mal davon aus, daß Schettino den Kahn zum Zeitpunkt der Havarie alleine 'gefahren' hat. Ein Schiff wird nicht unter Zuhilfenahme von gruppendynamischen Entscheidungsprozessen gesteuert und wenn doch, dann stimmt da gewaltig was nicht. Das Kommando hat stets der sog. Schiffsführer alleine, das ist entweder der Wachhabende Offizier oder bei Bedarf auch der Kapitän selbst. Ein anderes Verfahren ist wg. der in Echtzeit ablaufenden Ereignisse beim Manövrieren nicht möglich. Auch wenn der Schiffsführer nicht an allen benötigten Instrumenten gleichzeitig hantieren kann, muß er sich doch darauf verlassen können, daß sich alle an sein Kommando halten. Schettino hat das Desaster in technisch-nautischer Hinsicht daher erst einmal komplett selbst zu verantworten. Er hat den Kahn ohne Not gegen den Fels gefahren und damit die Katastrophe ausgelöst; daran sind alle folgenden Schuldbestände auszurichten, insbesondere ob die Reederei hier eine kolportierte Mitschuld trifft.
4. dass der Mann auf wiederEinstellung klagt ist Zeichen
hobbysechs00 18.10.2012
völliger realitätsferne und übrigens auch ein beweis dass Haschisch nicht offiziell freigegeben werden sollte denn er hatte geraucht und die Realitätsverkennung ist wohl dauerhaft.
5. ....
jujo 19.10.2012
Zitat von sysopAPFrancesco Schettino, Kapitän der im Januar havarierten "Costa Concordia", bleibt dabei: Das Manöver hin zum Hafen sei seine Entscheidung gewesen, so habe er Schlimmeres verhindert. Das sagte er bei einer Voranhörung vor Gericht. Staatsanwalt und Experten sind allerdings anderer Meinung. http://www.spiegel.de/panorama/costa-concordia-kapitaen-schettino-verteidigt-sich-bei-voranhoerung-a-862135.html
Der Kapitän trägt, wenn er das Kommando übernimmt, die Gesamtverantwortung! Der auf der Brücke diensttuende Wachoffizier/Steuermann (der Steuermann steuert nicht das Schiff, er lässt steuern durch den Rudergänger) hat den Kapitän bei der Schiffsführung zu unterstützen und ihn auf Gefahrensituationen hinzuweisen, das hat nicht oder nur unzureichend stattgefunden, deshalb werden sie auch, zu Recht, mit angeklagt!
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Chronologie einer Katastrophe

"Hören Sie, Schettino..."