Rom - Der Jahrestag der "Costa Concordia"-Havarie rückt näher. Das Kreuzfahrtschiff war am 13. Januar 2012 vor der italienischen Insel Giglio gekentert. Zur Gedenkfeier am Sonntag werden Überlebende, Retter und Angehörige der Opfer auf Giglio erwartet. Doch die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere hat Überlebenden des Schiffbruchs von der Reise abgeraten - und damit für Empörung gesorgt.
In einem Brief an die Überlebenden schrieb das Unternehmen, die Gedenkfeier sei "den Familien derer gewidmet, die nicht mehr unter uns sind". Aus logistischen Gründen sei es unmöglich, die mehr als 3200 überlebenden Passagiere des Schiffsunglücks auf der Insel zu empfangen, hieß es in dem Schreiben. Den Überlebenden schlug die Kreuzfahrtgesellschaft deshalb die Teilnahme an dezentralen Gedenkfeiern in ihren jeweiligen Heimatländern vor.
Der französische Verband der Costa-Überlebenden kritisierte das Ansinnen heftig. Die Kreuzfahrtgesellschaft habe "von Anfang an ein unmenschliches und inakzeptables Benehmen" an den Tag gelegt, sagte Sprecherin Anne Decré. Das Angebot, an dezentralen Feiern teilzunehmen, sei ein Versuch, "unser Schweigen zu erkaufen". Die Überlebenden wollten auch deshalb nach Giglio reisen, "um den Insulanern für alles zu danken, was sie in der Unglücksnacht für uns getan haben", so Decré.
Gedenktafel mit den Namen der Opfer
Bei dem Unglück am 13. Januar 2012 starben 32 Menschen, darunter zwölf Deutsche. Die "Costa Concordia" rammte mit mehr als 4200 Menschen an Bord einen Felsen und lief vor der Toskana-Insel Giglio auf Grund. Dem Kapitän droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Auch sechs weitere Crew-Mitglieder und drei Manager der Reederei könnten angeklagt werden.
Die Gedenkfeier zur Erinnerung an das Unglück beginnen am Sonntagmorgen. Zum Auftakt soll um 9 Uhr das Felsstück an seinen ursprünglichen Platz im Meer versenkt werden, das nach einer Kollision im Rumpf des Kreuzfahrtschiffs steckengeblieben war. Auf dem Felsen wurde eine Gedenktafel mit den Namen der 32 Todesopfer angebracht. In der Inselkirche, in der in der Unglücksnacht zahlreiche Überlebende versorgt wurden, findet ein Gottesdienst statt. Helfern aus der Unglücksnacht sollen Medaillen verliehen werden. Um 21.45 Uhr, dem Zeitpunkt der Kollision, sollen im Hafen die Schiffssirenen ertönen.
Der Schiffsrumpf liegt immer noch vor Giglios Küste - sehr zum Kummer der Einwohner, die ihn als Schandfleck und als schädlich für den Tourismus betrachten. Die Insel mit ihren 1500 Einwohnern liegt 16 Kilometer westlich der Küste der Toskana. Geplant ist, das Schiff aufzurichten und fortzuschleppen, um es dann zu zerlegen. Es ist die größte Bergungsaktion, die in der Schifffahrt jemals versucht wurde. Sie wird Hunderte Millionen Euro kosten.
Der Präsident der Region Toskana, Enrico Rossi, hatte in dieser Woche erklärt, das Schiff werde "etwa im September" fertig für den Abtransport sein. Eigentlich hatte man erwartet, dass die Arbeiten vor Beginn der Sommersaison beendet würden. "Wir sind enttäuscht, denn wir dachten, dass sie sehr viel schneller wären, die Concordia fortzuschaffen", sagte der Gemeindevertreter Aldo Bartoletti der italienischen Nachrichtenagentur Ansa.
wit/AFP/dpa
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