Heimkehr der Finalverlierer Argentiniens Präsidentin irritiert mit WM-Ansprache

Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner hat das WM-Finale nicht im Stadion verfolgt - und nicht einmal im Fernsehen angeschaut. Das dürfte die Politikerin nicht beliebter machen, ebenso wie ihre Worte nach Rückkehr der Finalverlierer.

Präsidentin Kirchner mit argentinischem WM-Team: Nicht ganz die passenden Worte
AFP/PRESIDENCIA

Präsidentin Kirchner mit argentinischem WM-Team: Nicht ganz die passenden Worte


Buenos Aires - Geschlagen kehrten Argentiniens WM-Teilnehmer aus Rio nach Buenos Aires zurück. Das Team um Lionel Messi wurde von Staatspräsidentin Cristina Fernández de Kirchner empfangen. Die Politikerin wollte den Finalverlierern Trost spenden, umarmte die Spieler - sorgte aber mit ihren Worten für einige Irritationen.

"Wie Sie wissen, bin ich kein Fußballfan", sagte sie in einer im Fernsehen übertragenen Rede. Da stand Messi neben ihr. "Ich habe kein einziges Spiel gesehen, nicht einmal das gestrige", fuhr Kirchner fort. Sie habe Trainer Alejandro Sabella allerdings nach dem Finale angerufen, weil es sich so angefühlt habe, als habe Argentinien gewonnen. "So habe ich es empfunden und 40 Millionen Argentinier auch."

Diese Äußerungen mögen gut gemeint gewesen sein. Sie dürften aber nicht dabei helfen, sich in dem fußballverrückten - und durch die Finalniederlage geknickten - Land beliebt zu machen. Kirchner habe die Stimmung im Land nicht einmal ansatzweise getroffen. "Es unterstreicht, dass sie immer mehr in ihrer eigenen Welt lebt", sagte der Politikanalyst Felipe Noguera. Die WM sei eine sehr positive Zeit für das Land und die allgemeine Stimmung gewesen. Kirchner sei einfach kein Teil davon.

Argentinien steht kurz vor der Staatspleite, hat Probleme mit steigenden Preisen und politischen Skandalen. Die WM bot eine willkommene Ablenkung vom Alltag, insbesondere, weil die Nationalmannschaft bis ins Finale kam. Kirchner hatte eine Einladung von Brasilien Präsidentin Dilma Rousseff zum Endspiel ausgeschlagen, weil sie gesundheitlich angeschlagen war.

Eigentlich sollten die Spieler nach ihrer Rückkehr in Buenos Aires mit den Fans feiern. Die Party fand ein trauriges Ende, als Dutzende Personen Steine und Flaschen warfen; die Polizei antwortete mit Tränengas und Wasserwerfern. 120 Menschen wurden in Gewahrsam genommen, mehr als ein Dutzend Polizisten wurde verletzt.

ulz/Reuters



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