Brasilien Mehrere Tote und Hunderte Vermisste nach Schlammlawine

In einer meterhohen Lawine aus Schlamm und Wasser sind in Brasilien mindestens 34 Menschen ums Leben gekommen. Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten noch deutlich steigt.


Nach dem Bruch eines Staudamms und einer folgenden Schlammlawine im Süden Brasiliens sind am Freitag mindestens 34 Menschen gestorben. Zahlreiche Menschen werden noch vermisst. Die genaue Zahl ist unklar, ein Sprecher der örtlichen Feuerwehr ging lokalen Medien zufolge von 300 Vermissten aus.

Rettungskräfte bargen bis zum frühen Samstagmorgen neun Leichen. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer noch erheblich steigen könnte. Es gebe nur noch eine "winzige Chance", Überlebende zu finden, sagte der Gouverneur Romeu Zema.

Die braunen Schlammmassen hatten sich über Teile einer Eisenerzmine und eines Wohngebiets gewälzt. Bei den meisten Opfern handele es sich um Minenarbeiter, sagte der Chef des Bergbauunternehmens Vale, Fabio Schvartsman. Die Opferzahl sei noch unbekannt, "aber wir wissen, dass sie hoch sein wird". Die Schlammlawine habe in der Mittagszeit unter anderem die Kantine des Bergwerks unter sich begraben. Wie es genau zu dem Unfall kam, könne noch nicht erklärt werden, sagte Schvartsman.

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Dammbruch: Verheerende Schlammlawine in Brasilien

Krisenstab einberufen

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Einsatzkräfte aus einem Helikopter versuchten, eine Frau und einen Mann zu retten. Die Hilfesuchenden waren beide komplett mit Schlamm bedeckt. Der Mann stand bis zum Oberkörper im braunen Wasser und trug die Frau in Richtung der Retter. Andere Aufnahmen zeigten Bagger in der Eisenerzmine Córrego de Feijao, bedeckt mit Schlamm, Steinbrocken und Ästen. Die Lawine schob Gütercontainer für das Eisenerz von Eisenbahngleisen.

Auf Luftaufnahmen wurde das Ausmaß des Unglücks sichtbar, die Schlammlawine bahnte sich kilometerweit ihren Weg. Sie erreichte auch die Wohngegend Vila Forteco und begrub teilweise ganze Häuser unter sich.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro sagte, die Nationale Wasseragentur koordiniere Maßnahmen, um die Versorgung der Städte sicherzustellen, die Wasser aus dem nahe gelegenen Paraopeba-Fluss gewinnen, der ebenfalls von der Schlammlawine getroffen worden sei. Er werde über die Region fliegen, um den Schaden zu sehen. Es werde alles Mögliche getan, um eine Verschmutzung der Umwelt einzudämmen und den Angehörigen möglicher Opfer zu helfen. Der Umweltminister sei auf dem Weg in das Gebiet, schrieb der Präsident auf Twitter. Auch die drei Minister für Zivilschutz, Entwicklung und Bergbau seien unterwegs. Das Umweltministerium erklärte, dass ein Krisenstab einberufen worden sei.

Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine eine ähnliche Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Lawine aus Schlamm und giftigen Stoffen erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste eine der größten Umweltkatastrophen in der brasilianischen Geschichte aus. Nach der Nachricht von dem neuerlichen Unglück stürzten die Kurse der Vale-Aktien an der New Yorker Börse um acht Prozent ab.

cpa/dpa/afp



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