Dauerregen: Land unter in NRW

Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller, weggespülte Hänge: In Nordrhein-Westfalen schüttete es am Samstag wie aus Kübeln. Teilweise fiel so viel Regen wie sonst in einem Monat. Meteorologen rechnen bis Montag nicht mit einer Entspannung.

Dauerregen und Sturm: "Carmen" überschwemmt NRW Fotos
dpa

Essen/Düsseldorf/Iserlohn - Behördensprecher vergleichen die Lage mit der Situation nach dem Sturmtief "Kyrill" vor fast vier Jahren: Dauerregen hat am Samstag Feuerwehr und Polizei in Nordrhein-Westfalen in Atem gehalten. In 24 Stunden fielen örtlich bis zu 60 Liter Wasser je Quadratmeter vom Himmel - so viel wie sonst in einem Monat.

Besonders betroffen waren Sauer- und Siegerland. Tausende Einsatzkräfte pumpten dort Keller aus, stapelten Sandsäcke und sperrten überflutete Straßen. Verletzt wurde niemand. Bei Iserlohn drohte ein Wochenendhaus einzustürzen, weil der darunter befindliche Hang weggespült wurde. Mehrere Autobahnabschnitte mussten zeitweise gesperrt werden, etwa auf der A40 zwischen Dortmund und Duisburg. "Wir haben einiges zu tun, aber es ist noch kein Drama", sagte ein Sprecher der Landesleitstelle in Düsseldorf. Auf der A33 bei Paderborn stand ebenfalls Wasser auf der Autobahn.

Auch im Ruhrgebiet waren die Einsatzkräfte im Dauereinsatz. In Bochum trat in einem Regenrückhaltebecken ein Riss auf, die freigesetzten Wassermassen überfluteten zwei Wohnungen. Allein in Essen verzeichnete die Polizei bis zum frühen Nachmittag 300 Einsätze. "Es gibt unzählige Einsätze, aber nichts Schlimmes, kein Unfall. Schwierig ist es vor allem dort, wo Senken sind", sagte ein Polizeisprecher in Essen. "Der Regen alleine wäre nicht so schlimm. Das Problem ist vielmehr das Herbstlaub. Das verstopft die Gullys, so dass das Wasser nicht abfließen kann", erläuterte ein Düsseldorfer Polizeisprecher. Allein im Kreis Soest waren am Samstag rund tausend Feuerwehrleute und THW-Helfer im Einsatz. "15 Straßen sind wegen Überflutung gesperrt", sagte Christian Dicke vom Presseteam der Feuerwehr.

Meteorologen sagen weiteren Dauerregen voraus

Sturmtief "Carmen" wird nach Meinung der Experten noch bis Anfang kommender Woche für stürmisches Wetter und reichlich Regen sorgen. "Es geht vorerst weiter mit intensivem Regen", sagte Meteorologe Oliver Klein vom Wetterdienst Meteomedia. Der Regen werde erst am Sonntagmorgen aus Nordrhein-Westfalen weiter Richtung Osten abziehen: "Zwischen Nordrhein-Westfalen und dem Harz werden binnen 24 Stunden 50 Liter pro Quadratmeter erwartet, und zwar zusätzlich zu den Mengen, die bereits gefallen sind", sagte Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst (DWD).

In den kommenden Tagen bleibt es laut Wetterdienst weiterhin unbeständig. "Es wird aber nicht mehr so stürmisch wie in den vergangenen Tagen", sagte Paetzold. Die Ausläufer von Tief "Carmen" sorgen zudem bundesweit für milde Temperaturen. Bis Anfang der Woche ist mit Werten von 10 bis 18 Grad Celsius zu rechnen. Für den Süden werden örtlich sogar Höchstwerte bis zu 20 Grad vorhergesagt.

Bereits in der Nacht zum Freitag hat "Carmen" in mehreren Bundesländern Schäden angerichtet. Dramatisch gestaltete sich die Havarie eines deutschen Kutters vor der Ostseeinsel Fehmarn. Der Kapitän des bei dem schweren Sturm in Seenot geratenen Fischkutters konnte gerettet werden und erlitt einen Schock.

fdi/dpa/dapd

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