Debatte über Kindesmissbrauch Bettina Röhl wirft ihrem Vater pädophile Übergriffe vor

Die Publizistin Bettina Röhl beschuldigt ihren Vater Klaus Rainer Röhl, sie als Kind sexuell belästigt zu haben. Der Verleger habe sie zudem häufig als "Pissgör" oder "alte Nutte" bezeichnet, berichtet die Tochter von Ulrike Meinhof im SPIEGEL. Er selbst streitet die Vorwürfe ab.


Hamburg - In einem Beitrag für den SPIEGEL berichtet die Publizistin Bettina Röhl, 47, von sexuellen "Übergriffen" ihres Vaters, des damaligen Verlegers Klaus Rainer Röhl, in ihrer Kindheit. Zwischen 1970 und 1973 habe ihr Vater manche Abende "mit einem Zungenkuss als Gute-Nacht-Abschied" beendet. Als sie elf Jahre alt gewesen sei, habe Klaus Rainer Röhl seine Hände "nicht mehr zuverlässig in seiner Sphäre" behalten.

Sie sei vom Vater häufig als "Pissgör", "alte Nutte" oder "Liebling" angesprochen worden. Ihre Beziehung habe Klaus Rainer Röhl damals und noch später "eine wunderbare Liebesgeschichte" genannt. Er habe sich seiner Tochter gegenüber als "pädophil" bezeichnet und über Inzest gesprochen.

Bettina Röhl wuchs gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester bei ihrem Vater in Hamburg-Blankenese auf. Ihre Mutter, die frühere Journalistin Ulrike Meinhof, gehörte 1970 zu den Gründungsmitgliedern der Terroristengruppe RAF. Ihr Vater verlegte damals das linke Magazin "Konkret". 1970 hatten Mitglieder der RAF die beiden Röhl-Töchter nach Sizilien verschleppt, wo sie nach vier Monaten vom späteren SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust befreit wurden.

Klaus Rainer Röhl, 81, streitet die Vorwürfe von Bettina Röhl ab: "Die mir vorgehaltenen Erzählungen meiner Tochter Bettina über praktizierte Pädophilie vor 40 Jahren sind unwahr oder absichtlich missverständlich formuliert. Wahr an diesem Bericht ist nur, dass ich diese Tochter sehr geliebt habe."

Vor kurzem hatte Anja Röhl, die Halbschwester Bettina Röhls, ihren Vater Klaus Rainer Röhl im "Stern" des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Auch dies hatte Klaus Rainer Röhl bestritten.



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