Polizeieinsatz bei Denver: Roboter bringt Beweismittel aus Wohnung des Kino-Mörders

Die Polizei hat alles vorbereitet, um gefahrlos die Wohnung des mutmaßlichen Kino-Mörders durchsuchen zu können. Die von einem Roboter ausgelöste kontrollierte Detonation einer Bombe zerstörte gefährliche Stolperfallen. Inzwischen sind alle zwölf Todesopfer des Anschlags identifiziert worden.

Hamburg - Sein Apartment war voll von tückischen Sprengfallen, um "jeden umzubringen, der versucht hätte, in die Wohnung zu gehen" - das sagte Polizeisprecherin Cassidee Carlson am frühen Samstagnachmittag (Ortszeit) in Aurora über die bisherigen Erkenntnisse des Einsatzes an der Wohnung des mutmaßlichen Kino-Mörders. James Holmes, 24, Student der Neurowissenschaft, soll bei einer Kinopremiere des neuen "Batman"-Films nahe Denver zwölf Menschen erschossen und 59 weitere verletzt haben, und wollte mit den Fallen in seiner Wohnung offenbar noch weitere Menschen töten.

Die Polizei hatte am Samstagmorgen eine erste Falle entschärft: einen Draht, der mit einer entzündlichen Vorrichtung verbunden war. Er war über den Boden gespannt. Hätte jemand die Wohnung betreten - er wäre vermutlich darüber gefallen und hätte ein Feuer oder eine Bombe ausgelöst.

Eine zweite Bombe hatten die Einsatzkräfte kontrolliert detonieren lassen. Durch die Detonation sind die Stolperfallen zerstört worden. "Es bleiben allerdings noch verschiedene Arten von Gefahren in der Wohnung", sagte Carlson. "Wir werden hier stundenlang bleiben, um die Gefahrenstellen zu entschärfen und Beweismaterial zu sammeln." Ziel sei es, keine Beweise zu verlieren.

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Fotostrecke: Einsatz beim Apartment des mutmaßlichen Mörders
Von der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Täters erhoffen sich die Ermittler Aufschlüsse über seine Motive. Holmes soll am Montagmorgen (Ortszeit) vor einem Gericht erscheinen, wie die Polizei mitteilte.

Der Sprengstoffexperte Jim Yacone von der Bundespolizei FBI sagte auf einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag, ein Roboter habe das elektrische Kabel an der Wohnungstür durchschnitten und dadurch die kontrollierte Explosion ausgelöst. Danach habe der Roboter mehrere Gegenstände aus der Wohnung geholt, die den Verdächtigen belasten könnten. Bei einer unkontrollierten Explosion wären diese Gegenstände zerstört worden.

Yacone erläuterte, Sprengstoffexperten seien in der Wohnung auf Behälter mit Treibstoff und zunächst nicht identifizierten Flüssigkeiten sowie Sicherungen und Elektrokabel gestoßen. Auch 30 "improvisierte Granaten" seien entdeckt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Nach Angaben der Polizei hatte der mutmaßliche Täter in den vergangenen Monaten eine hohe Anzahl an Postsendungen erhalten.

Inzwischen sind alle zwölf Todesopfer des Anschlags identifiziert worden. Elf der 59 Verletzten sollen sich noch in ernstem Zustand befinden.

Bürgermeister Steve Hogan bedankte sich in der Pressekonferenz für die Unterstützungsbekundungen aus der Welt. "Wir können jetzt mit dem Prozess der Trauer und der Heilung beginnen." Der Gouverneur von Colorado, John Hickenlooper, lobte die Arbeit der Rettungsdienste. Die Krankenwagen seien innerhalb von zweieinhalb Minuten vor Ort gewesen. Hickenlooper betonte, dass Aurora noch immer eine der sichersten Städte in einem der sichersten Länder dieser Erde sei.

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Kino-Attentat: Die Tragödie von Aurora
Polizeichef Dan Oates sagte, die Bewohner des Gebäudes, in dem sich das Apartment befindet, könnten spätestens am Sonntag in ihre Wohnungen zurückkehren. Das Wohngebäude und vier weitere Häuser in der Umgebung waren am Freitag vorsorglich evakuiert worden.

Laute Techno-Musik sollte Menschen in die Wohnung locken

Die Mietwohnung des mutmaßlichen Mörders liegt im zweiten Stock, der obersten Etage eines Backsteinhauses mit grauem Flachdach mitten in einer Wohnsiedlung zwischen Wiesen, hohen Bäumen, schmalen Straßen; in der Nähe befindet sich ein Parkplatz. Die umliegenden Häuser sind menschenleer, die Polizei hat fünf Gebäude evakuiert, die Wohnsiedlung ist jetzt eine Sperrzone.

In der Nacht zum Freitag, zeitgleich zum Attentat im Kino, war in Holmes' Wohnung plötzlich laute Techno-Musik zu hören gewesen. Kaitlyn Fonzi, eine Nachbarin aus der zweiten Etage, ging nach oben, um sich zu beschweren. Ihre Hand berührte den Türknauf. "Ich spürte, dass die Tür nicht verschlossen war", sagte sie laut dem örtlichen TV-Sender 9News.

Fonzi öffnete die Tür nicht. Die Ermittler vermuten, dass die laute Musik ein Trick war, um weitere Menschen in den Tod zu reißen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll Holmes eine Zeitschaltuhr zur Steuerung seiner Musikanlage installiert haben, vermutlich um Nachbarn zu einer Beschwerde wegen Lärmbelästigung zu bewegen - und die Polizei in die Falle zu locken. Laut ABC News hat Holmes die Beamten nach seiner Festnahme jedoch vor den Sprengfallen in seiner Wohnung gewarnt.

ssu/kha/AP/dpa/Reuters

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insgesamt 97 Beiträge
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1. Erstaunen?
wolfgangotto 21.07.2012
Wen erstaunt schon noch ein solches Attentat. Sieht man sich die Doppelmoral an, in der in Jugendfilmen wie z. B. "Matrix Revolutions" oder anderen Machwerken sinnloses Dauerfeuer auf Menschen abgelassen wird, wundert man sich nicht mehr. Kinder und Jugendliche lernen eben auch durch Vorbild. Bei zunehmender Isolation der jungen Männer vermischen sich plötzlich Fiktion und Wirklichkeit. Kein Wunder in einem Land, in dem der persönliche Waffenbesitz das höchste demokratische Gut ist und sich jeder Präsident mit der NRA (National Rifle Association) gutstellen muss.
2. Ich glaube nicht,
gandhiforever 21.07.2012
Zitat von wolfgangottoWen erstaunt schon noch ein solches Attentat. Sieht man sich die Doppelmoral an, in der in Jugendfilmen wie z. B. "Matrix Revolutions" oder anderen Machwerken sinnloses Dauerfeuer auf Menschen abgelassen wird, wundert man sich nicht mehr. Kinder und Jugendliche lernen eben auch durch Vorbild. Bei zunehmender Isolation der jungen Männer vermischen sich plötzlich Fiktion und Wirklichkeit. Kein Wunder in einem Land, in dem der persönliche Waffenbesitz das höchste demokratische Gut ist und sich jeder Präsident mit der NRA (National Rifle Association) gutstellen muss.
dass ein junger Mensch, der Psychologie studiert, sich nicht der Bedenklichkeit solcher Filme bewusst ist. Dies koennte ja gerade ein Grund sein, warum er dieses Kino ausgewaehlt hat. Mich erstaunt schon eher, dass es immer noch Idioten gibt (pardon my French), die der Meinung sind, dass der Tod vieler Menschen haette verhindert werden koennen, wenn die Kinobesucher alle bewaffnet gewesen waeren. Anscheinend langt es bei denen nicht dazu, sich vorzustellen, wie da um sich geschossen worden waere - jeder in der Meinung, der andere sei der Terrorist. Ja, ich bezeichne auch dies als Terrorismus. Ich sehe nicht ein, wieso dies nur auf politisch motivierte Anschlaege Anwendung finden soll.
3. politischer Anschlag
Dio_genes 21.07.2012
Zitat von gandhiforever... Ja, ich bezeichne auch dies als Terrorismus. Ich sehe nicht ein, wieso dies nur auf politisch motivierte Anschlaege Anwendung finden soll.
Ich habe die Vermutung, dass es sich hier sogar konkret um eine politisch motivierte Tat handelte. Gestern früh berichtete N24 in den 8 Uhr Nachrichten, dass der neue Batman-Film anläuft (ist halt Sommerloch) und dass irgendein durchgeknallter radikaler rechtskonservativer, republikanischer Radiomoderator seit Tagen heftig gegen den Film wettert. Es handele sich um eine Verschwörung seitens Hollywood, weil wohl der Bösewicht im Film phonetisch fast so klingt, wie die ehemalige Firma von Mitt Romney. Dies könne kein Zufall sein usw. Vielleicht hat sich der Täter aufhetzen lassen (wäre ja typisch für republikanische Wähler) und er wollte diejenigen bestrafen, die den Film sehen, damit niemand diesen bösen Film sieht, der angeblich Romney diskreditiert.
4.
sons.of.liberty 21.07.2012
Zitat von Dio_genesIch habe die Vermutung, dass es sich hier sogar konkret um eine politisch motivierte Tat handelte. Gestern früh berichtete N24 in den 8 Uhr Nachrichten, dass der neue Batman-Film anläuft (ist halt Sommerloch) und dass irgendein durchgeknallter radikaler rechtskonservativer, republikanischer Radiomoderator seit Tagen heftig gegen den Film wettert. Es handele sich um eine Verschwörung seitens Hollywood, weil wohl der Bösewicht im Film phonetisch fast so klingt, wie die ehemalige Firma von Mitt Romney. Dies könne kein Zufall sein usw. Vielleicht hat sich der Täter aufhetzen lassen (wäre ja typisch für republikanische Wähler) und er wollte diejenigen bestrafen, die den Film sehen, damit niemand diesen bösen Film sieht, der angeblich Romney diskreditiert.
Ausländische Medien berichten zudem davon, dass der Schütze die Polizisten vor den Bomben in seiner Wohnung gewarnt hat. Colorado Movie Theater Shooting: Suspect Bought 4 Guns, 6,000 Rounds of Ammunition in Past 60 Days - ABC News (http://abcnews.go.com/US/mass-shooting-colorado-movie-theater-14-people-dead/story?id=16817842#.UArylaM4f04) Deutsche Medien sehen das etwas anders ... oder sollte ich sagen die vermeindliche Urquelle aller großen deutschen "Zeitungen" ?!
5.
Münchner-Kindl 21.07.2012
Zitat von wolfgangottoWen erstaunt schon noch ein solches Attentat. Sieht man sich die Doppelmoral an, in der in Jugendfilmen wie z. B. "Matrix Revolutions" oder anderen Machwerken sinnloses Dauerfeuer auf Menschen abgelassen wird, wundert man sich nicht mehr. Kinder und Jugendliche lernen eben auch durch Vorbild. Bei zunehmender Isolation der jungen Männer vermischen sich plötzlich Fiktion und Wirklichkeit. Kein Wunder in einem Land, in dem der persönliche Waffenbesitz das höchste demokratische Gut ist und sich jeder Präsident mit der NRA (National Rifle Association) gutstellen muss.
Bitte nicht schin wieder diese Pseudo-Aussagen... Aber um das mal weiterzuspinnen: Jeder kleine Junge spielt Cowboy und nutzt irgendwelche Stöcke als Pistole. Wenn dann müsste schon sowas verboten werden und das will sicher niemand.
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