Der erste Jahrestag Minute der Stille im Herzen New Yorks

Die aufgehende Sonne tauchte die Silhouette von New York in goldenes Licht - ein perfekter Spätsommermorgen. Doch der Schein trügt: Über der Metropole am Hudson River patrouillieren Kampfjets, es herrscht Alarmstufe orange. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den ersten Jahrestag der Terroranschläge in Bildern.


Schweigeminute an Ground Zero Ground Zero in den frühen Morgenstunden Reporter aus der ganzen Welt machen sich für die Übertragung der Trauerzeremonie bereit
Tausende Menschen kamen, um in Manhattan Abschied von ihren Verstorbenen zu nehmen Aus den fünf Bezirken New Yorks marschierten Dudelsackspieler und Trommler durch die Straßen Trauerfeier am Pentagon: Angehörige der Fluggesellschaft American Airlines beweinen ihre toten Kollegen
Trompetensolo am Morgen des 11. September: Polizist Paul Berman spielt "America The Beautiful" Trost an Ground Zero: Zwei Trauernde umarmen sich Sicherheitsvorkehrungen in der Wallstreet: Die Börsenöffnung wurde um 90 Minuten verschoben

Klicken Sie einfach auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen!



Abschied an Ground Zero
AP

Abschied an Ground Zero

Seit Stunden sind Trauerlieder in den Straßenschluchten New Yorks zu hören. Dudelsackspieler der Feuerwehr und Polizei marschieren im Sternmarsch auf Ground Zero zu. Per Fähre setzen einige Musiker von der Freiheitsstatue, die auf einer kleinen vorgelagerten Insel steht, nach Manhattan über.

Jener Septembermorgen vor einem Jahr war ähnlich perfekt. Stahlblauer Himmel, kilometerweite Sicht - bis um 8.45 Uhr Mohammed Atta ein entführtes Flugzeug der American Airlines in das silberglänzende Wahrzeichen der Stadt rammte. 18 Minuten später war auch der zweite Turm des World Trade Centers getroffen. Die von Marwan al-Shehhi gesteuerte United-Airlines-Maschine auf dem Weg von Boston nach Los Angeles explodierte um 9.03 Uhr im Südturm.

11.September 2001, 9.03 Uhr: Das zweite Flugzeug rast in den Südturm des World Trade Center
AP

11.September 2001, 9.03 Uhr: Das zweite Flugzeug rast in den Südturm des World Trade Center

Fernsehsender brachten die Bilder der bislang schlimmsten Terrorattacken auf die Vereinigten Staaten live in die Wohnzimmer der ganzen Welt: wie die verzweifelten Menschen aus den Fenstern sprangen, wie die Feuerwehrmänner in die brennenden Gebäude gingen, wie die Türme schließlich zusammenstürzten.

Erst acht Monate nach den Anschlägen waren die 1,8 Millionen Tonnen Schutt, die sich bis zu einer Höhe von etwa zehn Stockwerken aufgetürmt hatten, abtransportiert. Der letzte Stahlträger der zerstörten Türme wurde Ende Mai in einer feierlichen Zeremonie von Ground Zero entfernt.

Dudelsackspieler marschieren seit dem Morgengrauen durch New Yorks Straßen
AFP

Dudelsackspieler marschieren seit dem Morgengrauen durch New Yorks Straßen

Am ersten Jahrestag versammelten sich Tausende Menschen im Herzen Manhattans um den insgesamt 3025 Büroangestellten, Polizisten und Feuerwehrmännern, Flugzeugpassagieren und Besatzungsmitgliedern zu gedenken, die in Washington, New York und in dem in Pennsylvania abgestürzten United-Airlines-Jet ihr Leben ließen. Genau 102 Minuten soll die Zeremonie an Ground Zero dauern - so lange hatte der Nordturm dem Terrorangriff stand gehalten.

Die Zeremonie wurde mit einer Trauerminute eröffnet, Präsident George W. Bush war allerdings nicht anwesend - er zeigte sich an der Seite seiner Frau Laura vor dem Weißen Haus in Washington. Erst am Nachmittag wird der Präsident an Ground Zero erwartet, er legt zuvor am Pentagon und an der Absturzstelle in Pennsylvania Kränze nieder.

Feuerwehrmänner vor einer Gedenktafel in der Bronx: Niemals vergessen
AP

Feuerwehrmänner vor einer Gedenktafel in der Bronx: Niemals vergessen

Nach kurzer Ansprache von Bürgermeister Michael Bloomberg begann der ehemalige Bürgermeister der Stadt, Rudolph Guiliani, zu den Klängen eines Streichquartetts die Namen der Verstorbenen zu verlesen. Um 9.03 Uhr wurde zweimal eine Glocke geläutet - genau vor einem Jahr hatte das zweite Flugzeug den Südturm getroffen.

Mit bewegenden Worten verabschiedete sich ein Mädchen von ihrem Stiefvater, der in den Trümmern gestorben war. "Du warst der beste Vater, den ich je hätte haben können," sagte das Mädchen. Nichts wünsche sie sich mehr als ihrem Vater noch einmal sagen zu können, wie sehr sie ihn liebe.

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.