Designer Michalsky Party für Freund und Feind

Nicht alle mögen Michael Michalsky - über eine Einladung zu seiner "Style Nite" freuen sich trotzdem die meisten. Sein Label hat 27 Mitarbeiter, schmeißt aber zur Fashion Week Partys wie ein Weltkonzern. Die Fete ist seine beste Werbestrategie.

Birgit Lachmann

Von Wlada Kolosowa


Trainingsjacken-Couturier, so nennen böse Zungen Michael Michalsky. Der selbsternannte Modekönig aus Bad Oldesloe. Ein Allesfresser, der Abendroben für Miss Piggy entwirft und Waschpulverpackungen.

Sie lästern über ihn - und kommen trotzdem zur seiner Party. Michael Michalsky weiß es - und lädt sie dennoch ein. Seit 2006 veranstaltet der Designer zur Fashion Week die "Michalsky Style Nite". Er ist ein großzügiger Gastgeber: Michalsky lässt den roten Teppich ausrollen und die Geschenketaschen für über tausend Gäste bis obenhin bepacken, schmückt den Laufsteg mit Weltrangmodels und die erste Reihe mit Promis. Die Liste der Stars und Sternchen wird zusammen mit der Einladung an den Rest der Gäste verschickt - es ist die beste Presseerklärung.

Die Modeszene vergisst die angestaute Müdigkeit der vier Fashion-Week-Tage und legt für die Party noch eine weitere Schicht Concealer auf die Augenringe. Wie schon bei der letzten Fashion Week. Und bei der vorletzten auch. Und auch dieses Mal stimmt etwas nicht. Schon wieder ist die Kollektion zu protzig, wird gemunkelt, und die Lippen der Sängerin von "Marina and the Diamonds" seien zu drall. Die Tanzeinlagen der Truppe aus dem Friedrichstadtpalast, die Musik - alles zu schrill, zu viel. "Vor lauter Show sieht man die Modenschau kaum", sagt ein Mann im T-Shirt und Rundschal, während er am Gratis-Prosecco nippt. "Das war auch beim letzten Mal so, und beim Mal davor auch." Warum er trotzdem immer wieder kommt? Schulterzucken. Der Mann nimmt noch einen Schluck Prosecco. Auch eine Antwort.

Niemand will seine Partys verpassen

Bevor Michalsky 2006 sein eigenes Label in Berlin gründete, arbeitete er als Global Art Director bei Adidas. Michalsky sieht sich als ein Gebrauch-Designer, der lieber für die Masse entwirft, als fürs Museum. "Ich liebe Oberflächlichkeit", sagte er einst der "taz". Für die Modeszene ist Michalsky wie früher der ungeliebte Klassenkamerad, der oft sturmfrei hatte, und Eltern, die ihren Schnapsschrank nicht so genau überprüften. Wer Michalskys Namen hört, rümpft die Nase. Doch niemand will seine Partys verpassen.

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Es ist ja auch was los: Das Model Andrej Pejic präsentiert Kleider aus Michalskys Frauenkollektion, bevor er am nächsten Tag als Mann für Gautier werben wird. Verona Pooth busselt Jenny Elvers-Elbertzhagen, der Sohn von Boris Becker spricht über seine T-Shirt-Kollektion, die Supermodels Eva Padberg und Karolina Kurkova sind auch da.

Vielleicht locken die großen Namen der Modewelt zu "Michalskys Style Nite". Vielleicht ist es die Faszination für einen Menschen, den die Boulevardpresse einst zu Deutschlands Lieblingsdesigner krönte - und nun Arte in einer 90-minütigen Doku verewigt. Vielleicht reizt sie die Neugier auf einen Designer, der gleichermaßen Abendroben entwirft und Unterhosen für Tchibo, "alles außer Särge", wie er einst der "Stuttgarter Zeitung" sagte. Und auch die Neugier auf ein Unternehmen mit 27 Mitarbeitern, das Partys schmeißt wie ein Weltkonzern.

"Weil ich streetsmart bin"

Nach der Show stürzen sich die Fotografen auf Michalsky .

"Make-up! Make-up! Kann mich jemand abtupfen?", ruft er. Ohne Make-up keine Kameras. Alle warten brav auf die Stylistin.

Nach dem Pudern posiert er routiniert, hat für jeden Zeit. "Sie sind vom Kölner Stadtanzeiger? Ich liiiebe den Kölner Stadtanzeiger", sagt Michalsky zu einer Journalistin.

"SPIEGEL ONLINE? Ich liiiebe SPIEGEL ONLINE!"

Die Liebe geht aber nicht weit genug, um die Unternehmensumsätze zu verraten. Oder das Geheimnis, wie ein vergleichsweise kleines Berliner Label eine Party für über tausend Leute schmeißen kann. "Weil ich schlau bin", ist Michalskys Antwort. "Weil ich streetsmart bin."

Die Pressesprecherin der "Style Nite" ist etwas hilfreicher: Die Sponsoren machen's möglich. Im Gegenzug bekommen Mitarbeiter von beispielsweise "Ariel" Gruppenführungen bei der Show-Vorbereitung, dürfen ein bisschen Mode-Luft schnuppern, etwas Haarspray Backstage.

Billiger als eine Werbekampagne

Die Mega-Party sei kein verprasstes Geld, sondern ein vergleichsweise billiger Aufmerksamkeits-Magnet. "Ich will meine Firma promoten", sagt Michalsky. "Und eine große Werbekampagne wie Gucci oder Dior können wir uns nicht leisten." Die Party ist teuer, aber Anzeigen sind teurer und müssen außerdem regelmäßig geschaltet werden und nicht nur einmal im Jahr. Mit der halbjährigen Style Nite versuche er, "so viel Aufmerksamkeit zu generieren, wie nur geht."

Auch Aufmerksamkeit von Menschen, die nicht nur gute Worte für ihn übrig haben. "Wenn ich das glauben würde, was andere Leute über mich erzählen, würde ich immer noch in meinem Heimatdorf Bad Oldesloe an der Bushaltestelle sitzen", sagt er. Und dann, mit einem Blick zum Partybereich: "Glauben Sie mir, die Fete lohnt sich."

Doch bevor es losgeht, stellt ein Journalist Fragen über Michalskys Kooperation mit Arte. "Ich liiiebe Arte", sagt der Designer. "Das schlimmste, was es in Deutschland gibt, ist die Unterscheidung zwischen Pop- und Hochkultur. Was gut ist, ist gut." Und es sei ja schon eine Kunst an sich, für viele Leute relevant zu sein. "Mode ist Entertainment. Popkultur. Kennen Sie Andy Warhol? Ich liiiebe Andy Warhol."



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Seite 1
max_copernicus 21.01.2012
1.
Zitat von sysopNicht alle mögen Michael Michalsky - über eine Einladung zu seiner "Style Night" freuen sich trotzdem die meisten.*Das kleine Label des Designers schmeißt zur Fashion Week Partys wie eine Weltkonzern.*Die Fete ist seine beste Werbestrategie. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,810501,00.html
"Weil ich schlau bin." "Weil ich streetsmart bin." Auszug aus dem Handesregister - Bilanz für die Michalsky Holding (2009 Aktiva: D. nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag 2.370.044,53 Passiva: III. Bilanzverlust 2.965.444,53 IV. nicht gedeckter Fehlbetrag 2.370.044,53 ~3 Mio. Verlust - Weil ich streetsmart bin. So machen wa dit in Ballin!
Erich91 21.01.2012
2. Passend zur Bundeshauptstadt
Zitat von max_copernicus"Weil ich schlau bin." "Weil ich streetsmart bin." Auszug aus dem Handesregister - Bilanz für die Michalsky Holding (2009 Aktiva: D. nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag 2.370.044,53 Passiva: III. Bilanzverlust 2.965.444,53 IV. nicht gedeckter Fehlbetrag 2.370.044,53 ~3 Mio. Verlust - Weil ich streetsmart bin. So machen wa dit in Ballin!
Blender, Nichtskönner, Angeber, Großkotze sind die besten Aushängeschilder der Bundeshauptstadt. Und die Medien sind immer unkritisch live dabei.
moonoi 21.01.2012
3. michalski
ist ein idiot - ich liiieeebe michalski
mamasliebling 21.01.2012
4. Wer zahlt?????
Meine Frage ist, wer bezahlt die Sause, doch sicher nicht Michalsky. Da gibt es sicher Sponsoren. Irgendwie mag ich das nimmer...............
caecilia_metella 21.01.2012
5. Lange Röcke
finde ich sehr hübsch. Sie lassen der Phantasie viel Raum (s.a. Burka). Wenn sich nun viele Frauen davon begeistern lassen, dann können sie evtl. noch erstaunliche Nebeneffekte erzielen. Etwa den, dass dieser oder jener Lebensabschnittsgefährte am Ende nicht mehr zulassen kann, dass Lebensabschnittsgefährtin Rad fährt, seinen Rasen mäht oder seine Betonflächen kehrt.
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