Kurioser Fund in New York O'zapft war's im alten Chinatown

Ausgrabungen in New York haben Erstaunliches zutage gefördert: Unter einer Baustelle haben Archäologen einen alten deutschen Biergarten entdeckt. Auf ihm wird bald ein Hotel errichtet - und der Biergarten bekommt ein zweites Leben.

DPA

New York - Unter dem Neuen war noch etwas Altes versteckt, unter ganz viel China ist in New York ein Stück Deutschland gefunden worden: Der südliche Teil der Bowery-Straße liegt heute mitten in Chinatown, direkt an der Auffahrt zur Manhattan Bridge nach Brooklyn. Geschäftiges Treiben und chinesische Schriftzeichen dominieren das Straßenbild, dazu ein Sonnenstudio, ein chinesisches Café und ein Reisebüro, das Flüge nach China anpreist.

Nichts deutet darauf hin, dass an dieser Stelle einst eine der berühmtesten deutschen Sehenswürdigkeiten außerhalb Deutschlands stand. Der "Atlantic Garden" war ein großer Biergarten mit deutschem Essen, deutschem Wein und Bier und deutscher Gemütlichkeit.

"Der Atlantic Garden war ein extrem beliebter Ort", sagt die Archäologin Alyssa Loorya. "Man könnte sagen, er war für das 19. Jahrhundert eine richtige Touristenattraktion." Im Jahr 1911 wurde der Biergarten abgerissen. Rund ein Jahrhundert lang lagen seine Überbleibsel verschüttet und vergessen zwei Meter tief im New Yorker Boden - bis jetzt. Ein schickes neues Hotel mit 22 Stockwerken soll auf dem Grundstück entstehen. Während der Bauarbeiten dürfen erstmals Archäologen in der Erde buddeln.

Die Spur führt nach Würzburg

"Es gibt viel mehr Archäologie in New York als die Menschen denken", sagt Loorya. Stimmt: Im Jahr 2010 wurde zum Beispiel ein mindestens 200 Jahre altes Schiff entdeckt. Es lag tief in der Erde der Ground-Zero-Baustelle.

In nur etwas mehr als einer Woche entdeckten sie Hunderte Überbleibsel. "Es sind erstaunlich gut erhaltene Stücke dabei, einige sind sogar intakt", sagt Loorya. Kleine grüne Likörflaschen haben sie und ihre Kollegen zum Beispiel aus der Erde geholt, Scherben und Stücke von Tellern, Tassen, Mineralwasserflaschen und Krügen sowie einige bräunliche Flaschen, auf deren Siegel gut lesbar die Worte "Bürgerspital Würzburg" stehen. Ein Weingut mit diesem Namen gibt es in der unterfränkischen Stadt auch heute noch.

1858 wurde der Atlantic Garden einst von dem deutschen Einwanderer William Kramer eröffnet, über den nur noch wenig bekannt ist. Zwei Söhne und vier Töchter habe er gehabt, schrieb beispielsweise die "New York Times" im Jahr 1900.

Der Standort seines Biergartens lag damals noch am Rand des entwickelten Teils Manhattans, die Bowery war die einzige Zufahrtsstraße. Viele deutsche Einwanderer und auch viele Schlachter hatten sich in der Gegend angesiedelt.

Am Ende siegte das Geschäft

Rund ein halbes Jahrhundert nach seiner Eröffnung wurde der Biergarten wieder abgerissen. New York wuchs und wuchs und das Grundstück in guter Lage wurde für ein modernes Theater und ein mehrstöckiges Bürogebäude gebraucht.

"Das Ganze hat natürlich eine sentimentale Seite", sagte Kramers Sohn William Kramer Jr. damals der "New York Times". "Aber aus geschäftlicher Sicht konnten wir gar nichts anderes machen." Später war unter anderem eine Drogerie in dem neuen Gebäude.

Im geplanten neuen Hotel an der Stelle soll der Atlantic Garden wieder eine prominente Rolle spielen. "Der Bauherr hat sich freiwillig dafür entschieden, die Grabungen durchführen zu lassen", sagt Loorya. "Der Bauherr möchte die gefundenen Stücke in das Hotel integrieren und vielleicht sogar eine kleine Ausstellung organisieren."

isa/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
karl-der-gaul 12.05.2014
1. Wo sind die vielen deutschen
Einwanderer heute? Sie haben sich total integriert und ihre Nachkommen sind Amis geworden. Amis die viel zu dem Fortschritt Amerikas geholfen haben. Wünsche den heutigen Einwanderer in D genau so zu dem Wohlstand in D beizutragen.
two-d 12.05.2014
2. Klein Deutschland
China town war früher das "Klein Deutschland " also das Viertel, das überwiegend von deutschen Einwanderern bewohnt wurde . Daher finde ich den Fund nicht sooooo erstaunlich ;)
Ratzbär 12.05.2014
3. Zweifel
Ich bezweifle mal, dass der deutsche Auswanderer "William" hieß. Ansonsten ist das eine sehr interessante Geschichte und ich finde das Verhalten des Bauherrn toll.
grayhound 12.05.2014
4. Archäologie?
Soll das jetzt ein Witz sein, dass da nun "Archäologen" gruben? Um diese Funde "zu entschlüsseln" genügt ja wohl auch ein lokaler Hobbyhistoriker. Wäre schöner, man fände Spuren der Ureinwohner Nordamerikas. Das nenne ich dann auch Archäologie.
bochumschalke 12.05.2014
5. Wider den Meckerern:
einfach eine schöne Geschichte! Und ein umsichtiger Investor. Positiv, dass es das selbst im Mekka des Geldes noch gibt. Und Profit mit deutscher Geschichte in NY u.U. machen zu wollen, ist doch in Ordnung. Danke Spon.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.