Deutscher Schmied in Liberia Blumentöpfe aus Bazookas

Manfred Zbrzezny will Symbole des Schreckens in Zeichen der Hoffnung verwandeln: Der Schmied betreibt im westafrikanischen Liberia eine Werkstatt. Dort fertigt er mit seinen Mitarbeitern aus alten Schusswaffen Kerzenständer, Blumentöpfe und Lampen.

AFP

Monrovia - In der dunklen Werkstatt stapeln sich Teile von Kalaschnikows, Bazookas und anderen todbringenden Gerätschaften. Auf den ersten Blick sieht es aus wie in einer Waffenschmiede. Doch hier, am Rand der liberianischen Hauptstadt Monrovia, werden keine neuen Gewehre und Panzerfäuste gebaut. Im Gegenteil: Der Deutsche Manfred Zbrzezny und seine afrikanischen Mitarbeiter verwandeln Waffenschrott in Kunst.

Die Waffenteile sind Überreste von Liberias dunkler Vergangenheit. In zwei aufeinanderfolgenden Bürgerkriegen von 1989 bis 2003 wurden in dem westafrikanischen Land 250.000 Menschen getötet. Zahlreiche Rebellengruppen bekämpften sich erbittert, verstümmelten, vergewaltigten und ermordeten ihre Gegner, setzten Kinder unter Drogen und benutzten sie zum Töten. Die körperlichen und seelischen Wunden aus diesen 14 Jahren sind noch lange nicht verheilt.

"Ich will Zerstörerisches in etwas Konstruktives verwandeln, Negatives in Positives", beschreibt der mit einer Liberianerin verheiratete Deutsche seine Arbeit. So werden in seiner Werkstatt aus Waffen Kerzenständer, Blumentöpfe, Lampen oder Skulpturen.

"Das war ein bisschen beklemmend"

Der Weg hierher war für Zbrzezny nicht einfach. Als er 2005 nach Liberia kam, war der Bürgerkrieg gerade erst zwei Jahre vorbei, als Schmied verdiente er kaum etwas. Doch dann baten ihn die Besitzer eines Restaurants, aus alten Waffen ein Geländer für sie zu schmieden. Eine Geschäftsidee war geboren.

Zbrzezny besorgte sich verschrottete Waffen aus dem liberianischen Abrüstungsprogramm und begann sie in Buchstützen, Stühle und Flaschenöffner umzuschmieden. "Wenn ich ein Teil in meiner Hand hielt, dachte ich darüber nach, was wohl aus den Tätern, die die Waffe benutzt hatten, geworden ist und was aus den Opfern. Das war ein bisschen beklemmend."

Eines seiner größten Werke ist der "Baum des Friedens", der seit 2011 in jenem Teil der Küstenstadt steht, in dem im 19. Jahrhundert befreite Sklaven aus den USA landeten, um einen neuen Staat zu gründen. Der stählerne Baum sei zu einem Symbol der Versöhnung geworden, sagt Momodu Paasawee, der das Kunstwerk bewacht. "Er erinnert die Liberianer daran, dass der Krieg vorbei ist und wir nie wieder Krieg haben sollten", sagt er.

Eines der Opfer des liberianischen Bürgerkriegs ist Emmanuel Freeman, einer von Zbrzeznys fünf einheimischen Angestellten. Der 28-Jährige musste als Kind mit ansehen, wie seine Mutter und sein Vater ermordet wurden. "Sie wurden mit Gewehren getötet, mit den gleichen Gewehren, die ich heute in andere Dinge verwandele", sagt er. "Ich bin froh und glücklich, das zu tun. Aber manchmal, wenn ich die alten Teile in der Hand habe, erinnern sie mich an das, was ich während des Krieges gesehen habe."

wit/AFP

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