"Deutschland sucht den Superstar": Rausgeflogener Kandidat plaudert RTL-Tricks aus

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Bei der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" sei vieles nur ein Fake, behauptet einer der Kandidaten. In einem Interview plaudert er über fiese Details, die sich hinter den Kulissen der RTL-Show abspielen - und das obwohl er eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben hat.

Hamburg - Damit hat bei RTL niemand gerechnet: Dass einer von 28.597 Teilnehmern von "Deutschland sucht den Superstar" geheime Details ausplaudert, obwohl er einen Vertrag unterzeichnet hat, der ihn zum Stillschwiegen verdonnert. Doch Allan Garnelis ist rausgeflogen - und rächt sich nun. Im Internetmagazin "Fudder" packt der 29-Jährige aus dem baden-württembergischen Elzach aus. Zum Beispiel, dass den Zuschauern vorgegaukelt würde, die Show sei frisch aufgezeichnet - dabei stünden die 20 Finalisten längst fest.

"Das stimmt", sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer zu SPIEGEL ONLINE und wirkt zerknirscht. "Wir haben im August mit den Aufzeichnungen des Castings begonnen. Der Recall fand Anfang Dezember in Berlin statt. Seitdem stehen die Finalisten fest. Mitte Februar beginnen die Live-Shows, bei denen die Zuschauer mit abstimmen dürfen."

Und das Erstaunliche für die nun enttäuschten Fans: Es ist das gleiche Prozedere wie bei den vergangenen drei Staffeln. "So sind nun mal die Produktionsbedingungen. Deshalb müssen die Teilnehmer einen Vertrag unterschreiben, in dem sie RTL gegenüber Stillschweigen zusichern. Es ist gegenüber den Zuschauern sonst unfair, wenn das Ergebnis der Castings vorher bekannt wird."

Allan Garnelis pfeift auf die Zuschauer und auf die Verschwiegenheitsklausel erst recht. Der Versicherungskaufmann packt aus. Zum Ärger von RTL. "Wir sind natürlich enttäuscht und werden überlegen, was wir unternehmen", so Sender-Sprecherin Anke Eickmeyer. Welche Konsequenzen das haben wird, kann sie noch nicht sagen, obwohl sie die Rachegelüste rausgeflogener Kandidaten bereits kennt. "Es kommt immer mal vor, dass sich enttäuschte Kandidaten negativ äußern. Sie sind traurig, dass sie nicht weitergekommen sind - aber natürlich liegt das nicht an ihrer Stimme, nur an RTL."

"Ich musste vor Toningenieuren singen"

Allan Garnelis hat zwar Potential, gereicht hat es nicht: Der 29-Jährige schaffte es als einer von den 28.597 Kandidaten zu den letzten 40 und wird demnach am Samstag im Fernsehen zu sehen sein. Was die Zuschauer nicht wissen: Er wird rausfliegen, weil er im Dezember längst rausgeflogen ist. Seiner Wut macht er in "Fudder" Luft. Demnach habe er am ersten Tag "nur vor Toningenieuren" singen müssen.

"Da hat er wohl was falsch verstanden", stellt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer richtig. "Aus logistischen Gründen trifft eine Jury aus Producern der Show und Musikredakteuren eine Vorauswahl. Die Jury aus Dieter Bohlen, Heinz Henn und Anja Lukaseder kann ja nicht alle 30.000 Kandidaten alleine casten. Und in jedem Raum ist bei dieser Art Vor-Jury auch ein Toningenieur im Raum - das Ganze wird ja aufgezeichnet."

Allan Garnelis wirft RTL außerdem vor, alles inszeniert zu haben - selbst den kleinsten Freudenschrei. "Heinz Henn hat uns abends, nachdem die Mädchen auch aufgetreten waren, grüppchenweise auf die Bühne geholt und erstmal die Angstmachernummer gebracht: Wir waren von vielen sehr enttäuscht. Blablabla. Aber ihr gehört nicht dazu. Ihr seid weiter. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Das war aber zu actionlos für die Fernsehleute, deshalb mussten wir uns auf Kommando noch mal freuen. Und noch mal. Haben wir dreimal machen müssen. Total daneben. Da kommst du dir total blöd vor." RTL wiegelt ab: "Das lag an einer Tonstörung oder einem anderen technischen Fehler."

"Dass wir Kandidaten beim Weinen filmen, ist bekannt"

Auch jede andere Gefühlsregung gehörte vor die Kamera, ärgert sich Allan Garnelis und erinnert sich an seinen letzten Auftritt, der am kommenden Samstag gezeigt wird. "Danach war ich richtig geknickt. Die Jury hat mitten im Song abgebrochen und erstmal gar nichts gesagt. Wenn du auf der Bühne stehst, siehst du vom restlichen Raum nicht viel. Als ich die Bühne verließ, fiel ich in ein Stimmungsloch. Ich habe geweint, weil ich enttäuscht war von mir. Zum Heulen habe ich mich in eine Garderobe gesetzt, mit einem Riesenvorhang davor. Dann näherte sich ein Licht, die Kameramänner." Doch dann gibt er zu: "Der Umgang von denen war schon menschlich. Die müssen das nun mal machen. Im ersten Moment dachte ich: 'Verpisst euch.'" RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer kommentiert das nüchtern: "Dass wir die Kandidaten auch beim Weinen filmen, ist bekannt. Die Emotionen gehören zur Show!"

Der rausgeflogene Allan Garnelis moniert ebenfalls, dass die Kandidaten regelrecht eingesperrt würden. "Aus dem Theater am Schiffbauerdamm konnte ich nicht raus, das war hermetisch abgeriegelt. Eine Securityfirma hat darauf geachtet, dass kein Kontakt zur Außenwelt zustande kommt." Die Kandidaten, die am Recall teilnehmen, müssen während der Aufzeichnung im Theater bleiben, sagt die RTL-Sprecherin. "Das sind zum Teil Kinder, die da teilnehmen. Und die alle zusammenzuhalten, ist wie einen Sack Flöhe zu hüten!"

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