Deutschlandlied bei Kanu-WM Ungarn entschuldigen sich für Hymnen-Panne

Woher kam diese Aufnahme? Bei der Siegerehrung zweier erfolgreicher deutscher Kanutinnen wurde am Freitag die erste Strophe des Deutschlandliedes gespielt. Der ungarische Verband hat sich inzwischen entschuldigt, der deutsche Verband erteilte Absolution.

Kanutinnen Anne Knorr (vorne) und Debora Niche: Peinlichkeit bei der Siegerehrung
dapd

Kanutinnen Anne Knorr (vorne) und Debora Niche: Peinlichkeit bei der Siegerehrung


Szeged - Sportlich lief es für die deutschen Kanuten bei der Kanu-Weltmeisterschaft in Ungarn nicht übermäßig gut - und dann auch noch diese Peinlichkeit: Während der Siegerehrung für Anne Knorr und Debora Niche ertönte am Freitag im ungarischen Szeged die erste statt der dritten Strophe des Deutschlandliedes. "Deutschland, Deutschland über alles" anstelle von "Einigkeit und Recht und Freiheit" schallte es aus den Lautsprechern, das Kajak-Zweierteam blickte betreten drein. Knorr und Niche hatten die einzige deutsche Goldmedaille bei der WM geholt.

"Ich bin entsetzt", sagte Bundestrainer Rainer Kießler am Freitag im RBB-Fernsehen, "wir können das so nicht akzeptieren". Seit 1952 wird nur noch die dritte Strophe des Deutschlandliedes bei offiziellen Anlässen gesungen, die erste Strophe wird mit den Untaten der Nationalsozialisten und ungehemmtem deutschem Expansionsdrang assoziiert. Woher die Veranstalter die Tonaufnahme mit der geächteten Strophe hatten, blieb unklar.

Die ungarischen Organisatoren wiesen am Freitagabend nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur MTI eine Schuld an der Panne zurück, baten das deutsche Team aber dennoch um Entschuldigung. Ein Vertreter der deutschen Mannschaft habe vor dem Wettkampf die für die Siegerehrung vorgesehene Tonaufnahme des Deutschlandlieds abgehört und nicht beanstandet, erklärte das WM-Organisationskomitee. Kießler sagte dagegen, er habe die Hymne zweimal überprüfen wollen, doch nach Auskunft der Organisatoren habe das Gerät nicht funktioniert.

Alle Beteiligten sind nun bemüht, die Sache möglichst schnell zu den Akten zu legen. Die Verbandspräsidenten hätten sich entschuldigt, vonseiten der ICF sei das Vorkommnis als "unverzeihlicher Fehler" bezeichnet worden, sagte DKV-Präsident Thomas Konietzko am Samstag in Szeged. "Ich habe die Entschuldigung akzeptiert. Wir unterstellen keinen Vorsatz. Ich denke, damit sollte die Diskussion dann auch beendet sein."

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels war von der Kanu-EM in Ungarn die Rede. Tatsächlich handelt es sich bei dem Turnier um die Kanu-Weltmeisterschaft. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

cis/dpa

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