Bericht im "Zeitmagazin" Frauen werfen Dieter Wedel sexuelle Übergriffe vor - Regisseur dementiert

Die #MeToo-Debatte hat ihren ersten prominenten Fall in Deutschland: Mehrere Frauen werfen im "Zeitmagazin" Dieter Wedel sexuelle Übergriffe vor. Der Regisseur bestreitet die Vorwürfe.

Dieter Wedel (Archivfoto von 2013)
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Dieter Wedel (Archivfoto von 2013)


Mehrere Frauen erheben schwere Anschuldigungen gegen Dieter Wedel: Der Regisseur soll sie sexuell belästigt haben. Das berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrem Magazin. Wedel bestreitet die Vorwürfe kategorisch.

Er ist der erste prominente Mann in Deutschland, gegen den im Zuge der #MeToo-Debatte Frauen unter Klarnamen Vorwürfe erheben. In der von der "Zeit" vorab herausgegebenen Meldung zum Thema sind die Namen zwar nicht genannt. Im kompletten Artikel des "Zeitmagazins" treten allerdings die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann namentlich auf. Eine weitere Frau, die im Artikel anonym bleibt, bestätigte laut "Zeitmagazin" Vorwürfe, die zwei ehemalige Mitarbeiter von Wedel-Produktionen gegen ihn erheben.

Laut "Zeitmagazin" haben sowohl Tempel und Thielemann als auch Wedel ihre Versionen an Eides statt bekräftigt.

  • Tempel sagte dem "Zeitmagazin", Wedel habe sie 1996 in einem Münchner Hotelzimmer im Bademantel zu einem Vorstellungstermin empfangen. "Er hat mich mit Wucht gepackt und gegen die Wand gepresst", wird die ehemalige Schauspielerin zitiert. Sie habe "bitte nicht" gerufen. Wedel habe sie aufs Bett geworfen und zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Wedel bestreitet nach Angaben des "Zeitmagazins" die gesamte Schilderung. Er habe eine kurze Affäre mit Tempel gehabt. Diese Behauptung wiederum bezeichnet die frühere Schauspielerin als "nicht wahr" und "perfide".
  • Thielemann zufolge soll Wedel 1991 in einem Hotelzimmer in Bremen zudringlich geworden sein. Er habe - so heißt es in dem Artikel - ohne Vorwarnung ihre Bluse aufgerissen und versucht, sie rückwärts auf die Couch zu werfen. Sie habe sich gewehrt und ihn angeschrien. Wedel habe ihr den Hals zugedrückt. "Ich bekam große Angst und wehrte mich mit aller Kraft", wird die Frau zitiert. Sie habe es geschafft, Wedel zu entkommen. Wedel bestreitet auch diese Vorwürfe.
  • Anfang der Nullerjahre soll Wedel dem Bericht zufolge bei Dreharbeiten zur "Affäre Semmeling" eine Schauspielerin vor der gesamten Crew angebrüllt und über Monate bei den Dreharbeiten unter Druck gesetzt haben. Ein an der Produktion beteiligter Kameramann und ein weiteres Teammitglied führen dies im "Zeitmagazin" darauf zurück, dass die Schauspielerin zuvor sexuelle Annäherungsversuche Wedels abgewehrt habe - so habe die Frau es ihnen geschildert. Im Artikel wird der Kameramann mit den Worten zitiert: "Die Schauspielerin, die nicht mit ihm schlafen wollte, hat er fertiggemacht." Die Frau selbst hat den Vorfall laut "Zeitmagazin" bestätigt. Wedel bestreitet nicht, am Set laut geworden zu sein. Das habe aber nichts mit sexuellen Forderungen oder Avancen Frauen gegenüber zu tun gehabt. Vielmehr habe er so sein Unverständnis über schlecht vorbereitete oder nicht ausreichend begabte Schauspieler ausgedrückt.

Wedel ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Filme- und Serienmacher Deutschlands. Sein erster großer Film für den NDR war "Gedenktag" (1970) über den Aufstand am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin. Breiteren Zuschauerkreisen wurde er mit den erfolgreichen "Semmeling"-Geschichten "Einmal im Leben" und "Alle Jahre wieder" (1976) bekannt, die satirisch den Hausbau und eine Urlaubsreise der Familie Semmeling schildern.

In der Serie "Der große Bellheim" mit Mario Adorf in einer Hauptrolle ging es um einen Kaufhauschef. Mit dem Mehrteiler "Der König von Sankt Pauli" über das Hamburger Rotlichtmilieu sorgte Wedel 1997 für Aufsehen. Von 2003 bis 2014 war Wedel Intendant bei den Nibelungen-Festspielen, zuletzt leitete er die Bad Hersfelder Festspiele. Der Vertrag wurde 2016 bis 2022 verlängert.

Auf der Website der Festspiele wurde am Abend eine Stellungnahme des Wedel-Anwalts Michael Philippi veröffentlicht: Wedel werde durch die Veröffentlichung der Verdächtigungen einem "massiven öffentlichen Pranger" ausgesetzt. Der Anwalt verweist auf Wedels eidesstattliche Versicherung, wonach die Vorwürfe "unzutreffend und nicht gerechtfertigt" seien. Er, Wedel, habe zu keinem Zeitpunkt diesen oder anderen Frauen in irgendeiner Form Gewalt angetan.

Wedel bedauere, dass er Schauspielerinnen und Schauspieler "insbesondere am Set manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt hat".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Wedel sei seit 2003 Intendant der Nibelungen-Festspiele. Sein Engagement dort endete 2014.

ulz/hut



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