Medienbericht Weitere Frauen erheben schwere Vorwürfe gegen Dieter Wedel

Mobbing, Demütigung, Vergewaltigung: Laut "Zeit" erheben vier weitere Frauen massive Anschuldigungen gegen Dieter Wedel.

Dieter Wedel
imago/ Eibner

Dieter Wedel


Vier Frauen haben in der "Zeit" neue, schwere Vorwürfe gegen den Fernsehregisseur Dieter Wedel erhoben. Diese reichen von Schikane, Gewalt und sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Wedel hat auf eine detaillierte Stellungnahme gegenüber der Wochenzeitung verzichtet und auf seinen angeschlagenen Gesundheitszustand verwiesen. Wedels Sprecherin hatte zu Wochenbeginn mitgeteilt, der Regisseur habe eine Herzattacke erlitten. Er befinde sich im Krankenhaus.

Laut dem neuen Bericht der "Zeit" soll Wedel die Schweizer Schauspielerin Esther Gemsch 1980 in seinem Hotelzimmer angegriffen und versucht haben, sie zu vergewaltigen. "Er setzte sich rittlings auf mich, packte meinen Kopf bei den Haaren und schlug ihn immer wieder aufs Bett, einmal auch an die Wand und dann einmal auf die Bettkante", wird Gemsch in der "Zeit" zitiert. Mit ihrem Halswirbel sei sie so hart auf die Bettkante geprallt, dass sie sich nicht mehr habe bewegen können. Wedel habe ihr außerdem mit ihrem Schal die Kehle abgeschnürt, sodass sie kaum noch Luft bekommen habe. Wegen ihrer Verletzungen musste Gemsch demnach den Dreh abbrechen, ihre Rolle wurde neu besetzt.

Gemschs Nachfolgerin, die Schauspielerin Ute Christensen, beschreibt in der "Zeit", wie sie 1981 während des Drehs von Wedel gemobbt und gedemütigt worden sei, nachdem sie eine Einladung auf sein Hotelzimmer ausgeschlagen habe. Christensen war damals im zweiten Monat schwanger. Wedel soll das nicht gewusst haben. Nach 40 Drehtagen hätten ihre Nerven dem Mobbing nicht länger standgehalten, sagt Christensen. Sie sei mit einem Nervenzusammenbruch und Unterleibsblutungen ins Krankenhaus gekommen. Dort verlor sie ihr ungeborenes Kind.

Zahlreiche Anschuldigungen sollen sich durch Archivdokumente belegen lassen

Eine weitere Schauspielerin berichtet anonym, Wedel habe sie 1975 mit seinem Auto in ein Waldstück gefahren und dort vergewaltigt. Die mittlerweile 74-Jährige versuchte nach eigenen Angaben vergeblich, ihn abzuwehren. "Er hat an meiner Kleidung gezerrt und sich zu mir rübergewälzt, bis sein Körper über meinem war. Irgendwann dachte ich: Der einzige Weg, das zu beenden, liegt darin, meinen Widerstand aufzugeben. Dann ist es schnell vorbei."

Neben den betroffenen Frauen äußert sich in der "Zeit" unter anderem der Charakterdarsteller Michael Mendl zu den Vorwürfen gegen Wedel. Zahlreiche Anschuldigungen lassen sich laut "Zeit" durch Dokumente aus Archiven belegen, andere durch Aussagen von Zeugen am Filmset, von Freunden und Angehörigen der Frauen. Sowohl Gemsch als auch Christensen hätten gegenüber der "Zeit" eidesstattliche Versicherungen abgegeben.

Schon vor drei Wochen hatten mehrere Frauen im "Zeit Magazin" ähnliche Vorwürfe gegen Dieter Wedel erhoben, die er allesamt zurückwies. Er habe nie irgendeiner Frau sexuelle Gewalt angetan. In einem der vorgeworfenen Fälle hat die Staatsanwaltschaft München I inzwischen Ermittlungen aufgenommen.

Wedel hatte in einer Stellungnahme mitgeteilt, er verabscheue jede Form von Gewalt, "gegen Frauen ebenso wie gegen Männer". Zudem behauptete er, vermeintliche Zeuginnen hätten versucht, ihn zu erpressen. Wedel sieht sich als Opfer einer medialen Vorverurteilung.

Am Montag trat der Regisseur von seinem Posten als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück.

asa



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