Kopfstoß-Statue in Doha Katar stellt Zidane vom Platz

Der Kopfstoß Zinédine Zidanes im WM-Finale 2006, verewigt in einer Fünf-Meter-Statue: Nur ein paar Wochen stand dieses Kunstwerk an Dohas Strandpromenade - dann ließen es die Behörden in Katars Hauptstadt abmontieren. Offenbar gaben sie dem Druck konservativer Muslime nach.

AFP

Doha - Im Berliner Olympiastadion läuft am 9. Juli 2006 das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. In der Verlängerung steht es zwischen Italien und Frankreich 1:1, als es in der 110. Minute zu einem der denkwürdigsten Momente der WM-Geschichte kommt: Der Franzose Zinédine Zidane und Italiens Marco Materazzi laufen Seite an Seite über den Platz. Plötzlich dreht sich Zidane um und rammt seinen Kopf mit voller Wucht gegen Materazzis Brust, weil dieser zuvor Zidanes Familie beleidigt hatte.

Diesen Moment hat der französische Künstler Adel Abdessemed, geboren in Algerien, in einer fünf Meter hohen Statue festgehalten, genannt "Kopfstoß". Einige Tage stand das Kunstwerk an der Strandpromenade in Doha, der Hauptstadt Katars, WM-Gastgeber 2022.

Nun haben die Behörden in Doha angeordnet, das Kunstwerk aus Bronze zu entfernen. Sie sind offenbar der Meinung, die Szene sei es nicht wert, in der Öffentlichkeit gezeigt zu werden.

Offiziell wurde nicht begründet, warum die Statue verschwinden musste. Aber es liegt nahe, dass Beschwerden konservativer Muslime eine Rolle gespielt haben dürften. Die hatten kritisiert, das Kunstwerk fördere die Vergötterung des Fußballers. Andere Gegner argumentierten, das Kunstwerk fördere Gewalt, sei geschmacklos. Man solle Zidanes unsportliche Tat nicht auch noch durch die Ausstellung des Kunstwerks ehren.

Die Statue war zunächst im Centre Pompidou in Paris gezeigt worden, ehe Katars Museumsverwaltung sie kaufte. Das Kunstwerk war in Doha Anfang Oktober enthüllt worden.

Ein Kunstexperte der Museumsverwaltung hatte gesagt, die Statue sei so zeitlos wie Kunstwerke zur griechischen Mythologie. Die Statue glorifiziere menschliche Schwächen und zeige, dass auch Fußballer nur Menschen seien. Offenbar soll die Statue nun im Arabischen Museum für moderne Kunst ausgestellt werden.

Zidane und Materazzi haben inzwischen Frieden geschlossen. Der Franzose kann auf eine brillante Karriere zurückblicken, auch wenn seine Teamkollegen ohne ihn das Finale 2006 im Elfmeterschießen verloren. Zu seiner aktiven Zeit war Zidane einer der besten Spieler der Welt. 1998, 2000 und 2003 wurde er zum Weltfußballer des Jahres gewählt. Zudem war er zentraler Spieler des französischen Teams, das 1998 Weltmeister und 2000 Europameister wurde.

ulz/AP



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