Trumps Besuch beim Papst Dem Fremden so nah

Donald Trump und Papst Franziskus kennen einander noch nicht, haben aber schon schlecht übereinander geredet. Mittwoch früh treffen sich die Männer erstmals persönlich. Es dürfte nett werden.

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Mittwoch früh, wenn alles nach Plan geht, wird um 8.20 Uhr eine Autokolonne durch einen Seiteneingang in den kleinsten Staat der Welt, Vatikanstadt, rollen.

Dort, mitten in Rom, werden Sicherheitsleute mit dunklen Sonnenbrillen und Knöpfen in den Ohren aus den Wagen springen, sich kurz umsehen und dann Donald Trump die Tür öffnen. Denn der hat einen Termin beim Chef des Zwergstaates.

Gemeinsam mit Gattin Melania und zwei, drei Hilfskräften wird der US-Präsident laut Zeitplan um 8.30 Uhr Papst Franziskus kennenlernen. Rom ist nach Saudi-Arabien und Israel dritte Station auf Trumps erster Auslandsreise als Präsident.

Er und der Papst hatten schon miteinander zu tun, aber nur aus der Ferne. Franziskus, Oberhaupt von über einer Milliarden Katholiken weltweit, hatte Trumps Plan zum Bau einer gigantischen Mauer zwischen Mexiko und den USA massiv kritisiert. Auf dem Rückflug von einem Besuch in Mexiko sagte er vor Reportern: "Eine Person, die nur daran denkt Mauern zu bauen, wo immer sie auch sein mögen, und nicht daran denkt, Brücken zu bauen, ist kein Christ." Trump, damals noch mitten im Wahlkampf, keilte zurück: Die Aussagen des Papstes seien "schändlich".

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Trump beim Papst: Gäste aus Washington

Für das erste persönliche Zusammentreffen der beiden erwarten, erhoffen oder befürchten viele nun einen ähnlichen Schlagabtausch. Vermutlich werden sie enttäuscht sein.

Auch wenn Franziskus wie Trump immer für Überraschungen gut ist, spricht vorab alles dafür, dass beide Gemeinsamkeiten suchen werden. Der Amerikaner wird den Palast seines Gastgebers ganz prima finden. Viel Prunk und Gold, wie in Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Florida. Die 128 Zimmer-Hütte und die Vintage-Residenz des Papstes - da gibt es doch Anknüpfungspunkte.

Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Beide sind entschieden gegen die Abtreibung. Und die strittige Mauer ist derzeit sowieso kein Thema, weil die Mexikaner nicht bereit sind zu zahlen und die knausrigen Kassenwarte im Washingtoner Parlament sich auch zieren. Also verzögert sich der Mauerbau und der Papst muss nicht schimpfen.

Der will ja sowieso viel lieber "über Gemeinsamkeiten sprechen", hat er gesagt, und "Schritt für Schritt" voranschreiten. Falls der Besucher da nicht ohnehin längst abgeschaltet hat - Berichte über Trumps kurze Aufmerksamkeitsspanne gibt es schon länger, unter anderem vom Ghostwriter seines Buches "The Art of the Deal".

Stimmgewaltige Botschafterin

Vielleicht könnte sich der Papst die Aufmerksamkeit des Präsidenten durch gemeinsames Singen sichern. Vorausgesetzt, Callista Gingrich ist dabei. Die soll nämlich US-Botschafterin im Franziskus-Reich werden. Das hat Trump kurz vor seiner Vatikan-Visite enthüllt.

Gingrich hat schon vor zwei Päpsten gesungen: Als Mitglied des Chors an der Basilika des Nationalen Schreins der Unbefleckten Empfängnis in Washington trat sie 2005 zu Ehren Johannes Paul II. auf. Drei Jahre später sang sie auch für Papst Benedikt XVI. während seines USA-Besuchs.

Gingrich, von Freunden Cally Lou genannt, hieß mit Nachnamen Bisek. Sie lebte etliche Jahre "in Sünde", wie es katholische Puristen nennen würden - nämlich in Liaison mit dem anderweitig verheirateten Republikaner-Promi und Ex-Sprecher des US-Repräsentantenhauses Newt Gingrich. Nachdem sie Mrs. Gingrich geworden war, dauerte es noch ein paar Jährchen, bis der Südstaaten-Baptist Newt zum richtigen, also römisch-katholischen Glauben wechselte. Was kann der Vatikan mehr aus den USA erwarten?

Heilen statt streiten

Vielleicht eine ähnliche Wandlung im Hause Trump. Melania Trump schrieb dem Papst, es sei für sie eine große Ehre, ihn zu treffen. Warum sollte es ihr nicht gelingen, ihren Donald (Presbyterianer, also irgendwie evangelisch) ebenso in den richtigen Schoß der Mutter zu bringen, wie es Callista mit ihrem Newt gelang?

Von den sechs zentralen Themen, über die Trump und Franziskus ihre Meinungen austauschen sollen, spricht kaum jemand: Migration, Klimawandel, Armutsbekämpfung, Religionsfreiheit, Lebensschutz und Christenverfolgung. Diese Liste haben Diplomaten beider Seiten in tage- und nächtelangen Sitzungen ausgearbeitet.

Aber wer außer ihnen glaubt, dass Trump über dergleichen reden mag? Und der Papst? Der in einer hochkomplexen Welt, wie er sagt, nicht kritisieren, nicht provozieren, sondern heilen will. Für den trockenen Problemstoff haben beide doch Personal, derlei Themen müssen sie nun wirklich nicht selber miteinander besprechen!

Es sei denn, sie wollen alle überraschen.

insgesamt 51 Beiträge
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privateer.freibeuter 23.05.2017
1. Schaumschlägerei
Der Franziskus, der das Schlamassel von Südamerika her kennt, wird gute Miene zum bösen Spiel machen, ein paar gesalbte Worte reden und froh sein, wenn dieser Quatschkopf so schnell wie möglich wieder abzieht, in der Hoffnung, dass sich das ganze Affentheater in sich selbst auflöst, irgendwie, und sich der Trump mit seinem ganzen Clan zersetzt und bald Geschichte sein wird.
Luna-lucia 23.05.2017
2. Es dürfte nett werden
der Papst glaubt an seinen Gott, und Trump an sein Amerika. Wo wird man sich wie - geistig? treffen? Der Papst wird seinen Gott und dessen Willen verteidigen, und Mr. Trump die Notwendigkeit neue, und bessere Waffen zu benötigen. Lol, zur Verteidigung der westlichen Welt, mit ihren Idealen. Das muss doch bitte selbst ein Papst verstehen! Der hat ja schließlich auch seine "Schweizer Garden" im Vatikan zu seinem Schutz stationiert!
sikasuu 23.05.2017
3.
Mal was ganz neues für DT! ER hat Audienz bei kemanden, der wenigstens formal höhersteht aus Mr Persildent:-)) Bin mal gespannt ob das auch "ein Heißluft-Fototermin" wird. oder ob der "Papst" bei diesem Treff Klartext redet. . Über Lieferungen an die "Schweizer Garde" werden sie ja wohl nicht reden. DT macht ja keinen Einzelhandel sondern vertickt nur "en gro" . Nach dem "Amazing Days" undet ausschließlich "guten Freunden" di sich ja "alle lieb haben" in Nah-Ost beginnt wohl der Arbeitsteil mit ernsthaften Menschen hier in Old-Europa.
westerwäller 23.05.2017
4. Wie in Israel wird es wieder ...
... nur "Schöne Bilder, leere Worte" geben ... Aber: Man will sich ja nicht beschweren ... Bei Siggi Gabriel gab´s "Keine Bilder, keine Worte" und das war auch nicht viel besser ..
nach-mir-die-springflut 23.05.2017
5. Drei Religionen
Besuche in Saudi-Arabien, Israel und dem Vatikan. Keine politische Rundreise, eine religiöse. Was sagt Goethes Mephisto zur Theologie? Der sagt: "Ich wünschte nicht, Euch irre zu führen. Was diese Wissenschaft betrifft, Es ist so schwer, den falschen Weg zu meiden, Es liegt in ihr so viel verborgnes Gift, Und von der Arzenei ist's kaum zu unterscheiden. Am besten ist's auch hier, wenn Ihr nur einen hört, Und auf des Meisters Worte schwört. Im ganzen – haltet Euch an Worte! Dann geht Ihr durch die sichre Pforte Zum Tempel der Gewißheit ein." http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3664/7
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