Doppelbetten für die Bundeswehr Struck will Sex in Kasernen erlauben

Erst kämpfen, dann kuscheln: Nach einer geplanten Richtlinie des Verteidigungsministeriums sollen Partnerschaften auf dem Kasernengelände künftig erlaubt werden.

Von Roman Heflik


Bundeswehr-Soldatin, Kameraden: Sex-Verbot galt auch nach Dienstschluss
DPA

Bundeswehr-Soldatin, Kameraden: Sex-Verbot galt auch nach Dienstschluss

Berlin - Mit dem neuen Erlass wolle man ein Stück "gesellschaftliche Normalität" herstellen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber SPIEGEL ONLINE. Bislang wird das militärische Intimleben noch durch den Erlass "Sexuelles Verhalten von und zwischen Soldaten" aus dem Jahr 2002 geregelt. "Sexuelle Betätigung" ist nach einer Anlage zur Zentralen Dienstvorschrift 14/3 "innerhalb militärischer Liegenschaften" auch dann verboten, wenn sie nach Dienstschluss stattfindet.

Wer mehr als bloß Kameradschaft sucht, muss dafür bislang die Kaserne verlassen, sonst riskiert er ein Disziplinarverfahren. Selbst Ehepartner, die beide für die Bundeswehr am selben Standort Dienst tun, müssen innerhalb des Stacheldrahtzaunes Enthaltsamkeit üben: Auch ihnen untersagt der Erlass, in einer gemeinsamen Stube zu übernachten.

Was zur Wahrung von Disziplin und Ordnung in der Truppe dienen sollte, stieß jedoch bei den Soldaten und den Soldatinnen der Bundeswehr auf scharfe Kritik: Der Beschluss sei schlicht und einfach "lebensfremd". Der Erlass führe im Ausland de facto zu einem generellen Verbot sexueller Betätigungen: Bei Auslandseinsätzen müssen sich die Soldaten nämlich ständig innerhalb des Militärcamps aufhalten. Heutzutage, wo die deutsche Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt werden muss, ist für Soldaten also Sauregurkenzeit angesagt.

Mittlerweile sind die Einwände auch bis zur Hardthöhe durchgedrungen: "Die bisherige Praxis ist tatsächlich etwas weltfremd", gab der Ministeriumsvertreter zu. "Mit dem geplanten Erlass soll erreicht werden, dass bestehende Partnerschaften auch im Einsatz aufrechterhalten werden können."

Seitdem Frauen auch zur kämpfenden Truppe dürften, sei ihre Zahl auf 9300 gestiegen, sagte der Sprecher. Inzwischen gebe es unter Bundeswehrangehörigen bereits die ersten Ehepaare. Wegen der rechtlichen Gleichstellung würden neben Ehegemeinschaften auch feste Partnerschaften unter den neuen Erlass fallen.

Künftig sollen die Vorgesetzten zwischen Dienstschluss und Zapfenstreich nicht mehr einschreiten, wenn es zwischen ihren Untergebenen funkt. Außerdem müssten sie dann dafür sorgen, dass für Paare geeignete Unterkünfte zur Verfügung stehen, sagte der Sprecher.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.