Doppelgänger Warum Graf und Agassi nicht zusammenpassen

Auf den ersten Blick sind sie Stars - und doch nicht zu beneiden: Doppelgänger. Schließlich kann es auch nerven, nicht einfach mal man selbst sein zu können. SPIEGEL-ONLINE-Leser berichten, wie es ist, immer nur Madonna II. zu sein. Und warum Andre und Steffi privat getrennte Wege gehen.

Von Brenda Strohmaier


Hamburg - Irgendwann fing der Investmentbanker Rolf Mitter an, sich über seine amerikanischen Kolleginnen zu wundern, die von Zeit zu Zeit in der Firmenfiliale in München zu Besuch kamen. "Einige Damen schauten mich so intensiv an, wie es nicht den Gepflogenheiten der Bank entsprach", berichtet der 46-Jährige. Seine Münchner Kolleginnen fingen schon an, ihn deswegen zu hänseln.

Erst nach einem Jahr Starren weihte ihn eine Amerikanerin ein: Er sehe aus wie ein Zwillingsbruder des Hollywoodstars Kevin Spacey. Das war Mitter bislang nicht aufgefallen. "Ich wusste gar nicht, wer das ist. Der ist ja hier nicht so bekannt", sagt er. Inzwischen findet der Finanzexperte sein Doppelleben praktisch: "Jetzt ist es einfacher, mich jemandem am Telefon oder per Mail zu beschreiben."

Allerdings schöpft Spacey II. bei weitem das Potential nicht aus, das seine Erscheinung mit sich bringt. Weder hat er sich bislang auf Filmpartys geschmuggelt, noch in Promiclubs gefeiert. "Ich bin ja nicht wie diese falschen Paris Hiltons", sagt er. Von ihnen muss es nur so wimmeln: Erst kürzlich war zu lesen, dass die echte Paris Hilton am Türsteher eines exklusiven Clubs in Los Angeles wegen einer Doppelgängerin scheiterte. Paris sei schon drin, hieß es.

Zum Kostümwettbewerb ohne Kostüm

Es kann also ein Geschenk des Schicksals sein, einer Berühmtheit zu ähneln. Die SPIEGEL-ONLINE-Leser, die sich bei uns gemeldet haben, berichten vor allem Angenehmes. "Für mich ist das eigentlich immer amüsant", erzählt der Programmierer und Hobbyfußballer Benni Wolf. Er sieht dem just vom HSV zu Leverkusen gewechselten Profi-Stürmer Sergej Barbarez so ähnlich, dass er mal einen Kostümwettbewerb gewann, bei dem man als Promi erscheinen sollte. Er siegte sogar ganz ohne Verkleidung.

Andere nutzen die Ähnlichkeit, um ein paar Euro dazu zu verdienen - etwa Christof Weingärtner alias Tennisprofi Andre Agassi. Weingärtner, der gar nicht Tennis spielen kann, wurde dieser Zuverdienst ganz plötzlich zuteil. "Die Ähnlichkeit fiel erst auf, als Agassi sich die Haare abschneiden ließ." Und so konnte Weingärtner bei einer Agentur anheuern, die ihn mit einer Doppelgängerin von Steffi Graf zusammenbrachte.

Allerdings nur beruflich - "privat sind wir sehr unterschiedlich, da haben wir ganz andere Lebensentwürfe", sagt Weingärtner, der bei Wiesbaden lebt und als PR-Berater arbeitet. Die falsche Steffi sieht das genauso: "Wir sind gar nicht unser Typ." Sie heißt im wahren Leben Irina Bormann und betreibt bei Dresden einen Verleih für Umstands- und Babymode. Dafür haben die beiden bei ihren Auftritten als Paar viel Spaß. "Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, werden wir schon oft mit Agassi und Graf verwechselt", erzählt Weingärtner. Nach der Doppelgänger-Arbeit hat er einen Trick, sich wieder in einen unbekannten Normalo zu verwandeln: "Ich zieh' einfach meine Brille auf."

Als Madonna nach Ägypten

Andere Profi-Doubles haben es nicht so leicht, sie selbst zu sein. Zum Beispiel die in London lebende deutsche Sängerin Evelyne Brink, die nicht nur so ähnlich aussieht wie Madonna, sondern auch noch so singt. Sie tritt sowohl als Madonna als auch mit ihrem eigenen Programm auf. Diva Eve nennt sie sich dann, und die hat es mit einer eigenen Karriere ganz schön schwer gegen die Popdiva Madonna. "Als Diva Eve mache ich eigentlich ganz andere Musik als Madonna - eher so jazziges Easy Listening." Und doch erinnert sie so sehr an den Superstar, dass manchmal aus dem Publikum Wünsche nach Madonna-Songs laut werden.

"Die Vorteile überwiegen trotzdem", sagt Brink. Immerhin bringt ihr ein Madonna-Auftritt ein paar hundert Pfund ein, manchmal gar eine interessante Reise. So wurde sie nach Ägypten eingeladen, um dort mit ihrem Lookalike-Programm aufzutreten. Und im Café bekommt sie schon mal eine heiße Schokolade umsonst, weil der Angestellte Madonna-Fan ist. "Menschen sind sehr hilfsbereit, wenn sie das Gefühl haben, einen schon zu kennen", hat sie erfahren.

Manchmal kann Doppelgängersein allerdings auch richtig anstrengen, etwa, wenn man verblüffend an Oliver Bierhoff erinnert: "Gerade als der 1996 das Golden Goal gegen Tschechien geschossen hatte, wurde das nervig", erzählt Tim Felgner, seines Zeichens Verkaufsleiter einer Druckerei in Mettmann und an Fußball nicht sonderlich interessiert. "Dauernd hat man mich darauf angesprochen." Eine Weile hatte er seine Ruhe. Jetzt, da der Ex-Fußballer durch seinen Job als Manager der Nationalmannschaft wieder präsenter ist, wird Felgner zu seinem Leidwesen wieder häufiger an die Ähnlichkeit erinnert. Einen Trost gibt es: "Ich habe Glück gehabt. Der Bierhoff sieht doch ganz ordentlich aus. Ich hätte ja auch einer wie Jerry Lewis werden können."



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