Mord an Volleyballstar Visser: Haftbefehl gegen zwei weitere Verdächtige

Mordfall Visser: Neue Haftbefehle, neue Spekulationen Fotos
DPA

Nach dem Doppelmord an der niederländischen Volleyballerin Ingrid Visser und ihrem Lebensgefährten hat die spanische Justiz zwei weitere Haftbefehle ausgesprochen. Derweil spekulieren spanische Medien weiter über das Motiv. Die Rede ist von Diamantenschmuggel.

Valencia/Murcia - Im Zusammenhang mit dem Mord an der niederländischen Volleyballerin Ingrid Visser und ihrem Lebensgefährten Lodewijk Severein hat die spanische Justiz Haftbefehle gegen zwei weitere Verdächtige erlassen. Bei den 47 und 60 Jahre alten Rumänen soll es sich um die mutmaßlichen Auftragskiller handeln, die das Paar umgebracht haben. Die beiden Männer verweigerten bei ihrer Vernehmung nach Informationen der Zeitung "Las Provincias" die Aussage und schwiegen zu den möglichen Drahtziehern des Verbrechens.

Einen Tag zuvor war bereits Haftbefehl gegen den Spanier Juan C. verhängt worden, den ehemaligen Geschäftsführer des Volleyballclubs CAV Murcia, für den Visser zwei Saisons spielte. Die Ermittler vermuten, dass der 36-Jährige die beiden Rumänen angeheuert haben könnte. Ob C. der Drahtzieher ist, ist noch unklar. Die Polizei prüft demnach, ob noch weitere Hintermänner bei dem Verbrechen eine Rolle spielten.

Näheres zu den Vorwürfen gegen die drei Männer wurde nicht bekannt. Die zuständige Untersuchungsrichterin in Valencia erklärte die Ermittlungen für vertraulich. Doch an die spanische Presse sickerten offenbar trotzdem neue Details durch.

Die Zeitungen "Levante-EMV" und "Las Provincias" berichten unter Berufung auf Ermittlerkreise, die Polizei sei den drei Verdächtigen durch eine Freundin C.s auf die Spur gekommen. Demnach habe eine Bekannte des Ex-Managers die beiden Niederländer auf seine Bitte hin abgeholt und in das abgelegene Landhaus in Molina de Segura gefahren, wo sie auf C. und die zwei Rumänen trafen. Sie habe das Landhaus dann wieder verlassen. Das Paar verließ das Gebäude jedoch nicht mehr lebend.

Diamantenhandel zwischen Afrika und Amsterdam?

Zwei Tage später soll C. seine Bekannte erneut um einen Gefallen gebeten haben. Den Berichten zufolge fragte er per SMS, ob sie eine Kreissäge und Säcke mit ungelöschtem Kalk besorgen könne - ein ätzendes Material. Die Frau habe abgelehnt. Als sie von Vissers und Severeins Verschwinden erfuhr, alarmierte sie die Polizei. Später habe C. dann die Beamten zu dem Zitronenhain in der Ortschaft Alquerias geführt, wo die zerstückelten Leichen der Niederländer verscharrt worden waren.

Offenbar hatten die mutmaßlichen Täter versucht, die Identifizierung ihrer Opfer unmöglich zu machen. Der niederländische Sender RTL Nieuws berichtet auf seiner Internetseite, dass die Identifizierung der Leichen sich verzögert. Laut Polizei sind die Hautproben der Toten unbrauchbar, die Ermittler schickten nun Proben des Knochengewebes in ein Labor nach Madrid.

Währenddessen überschlagen sich die spanischen Medien mit Spekulationen zum Motiv der Täter. Die Regionalzeitung "La Verdad" will erfahren haben, dass der Verdächtige C. versucht haben soll, die Verantwortung für den Doppelmord dem ehemaligen Besitzer des CAV Murcia zuzuschieben, dem Immobilienunternehmer Evedasto Lifante. Demnach soll Severein zusammen mit Lifante in unsaubere Geschäfte verwickelt gewesen sein. Unter anderem soll es dabei um den Handel mit Diamanten zwischen Zentralafrika und Amsterdam gegangen sein.

Lifante bestritt bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz, irgendetwas mit dem Fall zu tun gehabt zu haben, und drohte C. mit einer Verleumdungsklage. Stattdessen sagte er, er habe C. im vorigen Jahr angezeigt, weil dieser versucht habe, seinen Steinbruch mit gefälschten Papieren zu verkaufen.

Die Polizei hatte zunächst vermutet, dass Severein zusammen mit dem Inhaftierten C. geschäftliche Projekte finanzierte. Dabei habe der Niederländer seinem spanischen Geschäftspartner eine sehr hohe Geldsumme geliehen, die er zurückverlangt habe.

Visser soll schwanger gewesen sein

Die Ermittler bestätigten zuletzt keine dieser Versionen und sprachen lediglich von "geschäftlichen Differenzen". Derzeit versuchen die Ermittler anhand der E-Mail-Kontakte der Opfer herauszufinden, welchen Geschäften die Niederländer im südostspanischen Murcia nachgegangen waren. Aus Justizkreisen hieß es zudem, dass das zuständige Gericht in Valencia die Leitung der Ermittlungen an die Justiz in Murcia abgeben will. Die Untersuchungen waren zunächst von Valencia aus geleitet worden, weil die Verdächtigen dort ihren Wohnsitz haben.

Die 35-jährige Visser und ihr 22 Jahre älterer Freund waren Mitte Mai nach Murcia gereist, um sich in einer Klinik für künstliche Befruchtung untersuchen zu lassen. Dies jedenfalls hatte Visser ihren Angehörigen gesagt. Mehrere spanische Medien berichteten zudem, dass Visser bereits schwanger war.

Der niederländische Verband Nevobo beschloss unterdessen, dass im Juni alle niederländischen Volleyball-Nationalmannschaften und auch das Beach-Team Holland mit Trauerflor spielen werden. Bei Heimspielen soll außerdem eine Schweigeminute abgehalten werden.

gam/dpa

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