Drama am Kitzsteinhorn Erste Opfer geborgen

Mindestens 159 Menschen sind bei der Seilbahnkatastrophe am Kitzsteinhorn in Österreich qualvoll erstickt und verbrannt. Viele von ihnen flüchteten offenbar bergauf in den Tod. Die ersten Opfer wurden inzwischen geborgen und ins gerichtsmedizinische Institut nach Salzburg geflogen.


Der Eingang des Tunnels. 155 Menschen kamen bei der Seilbahnkatastrophe ums Leben
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Der Eingang des Tunnels. 155 Menschen kamen bei der Seilbahnkatastrophe ums Leben

Wien/Kaprun/München - 29 Leichen seien inzwischen aus der völlig ausgebrannten Bahn im Tunnel geborgen worden. Wegen der enormen Hitze beim Unglück ist eine sichere Identifizierung nur mit einer genetischen Analyse möglich. Die 80 Mann vom österreichischen Bundesheer, von der Feuerwehr und Gerichtsmedizin hatten die ganze Nacht im Schichtbetrieb gearbeitet. Sie standen unter extremer Anspannung und mussten immer wieder von Psychologen betreut werden. Die Bergungskräfte kämpften im Stollen zudem mit extremer Kälte. Nach unbestätigten Berichten soll es in der Nacht auch einen Wassereinbruch gegeben haben.

Die Zahl der Toten wird unterdessen mit 159 angegeben. Dazu kommen noch drei Opfer, die in der Station des Zuges an Rauchvergiftungen gestorben seien, berichtete die Einsatzleitung. 18 Menschen überlebten die Flammenhölle verletzt. Unter den Opfern sind nach den Erkenntnissen der Behörden neben 42 Deutschen auch Österreicher, Japaner und Amerikaner. Allein in Bayern wurde um 27 Opfer getrauert, sieben tote Kinder im Alter von etwa 10 Jahren stammen aus dem Chiemgau.

Fahrer konnte nur noch den Brand melden

Die Bergungsmannschaften wollten sich von oben durch den 3,2 Kilometer langen Tunnel zu dem zerstörten Wagen im unteren Teil vorarbeiten, in dem am Samstagmorgen kurz nach 9 Uhr das Feuer ausgebrochen war. Bis dahin hatte der vollbesetzte Zug zum Gletscher gerade 600 Meter im Tunnel zurückgelegt. Das Feuer im hinteren Teil des Wagens breitete sich rasend schnell aus. Der Fahrer konnte nur noch den Brand melden, dann brach der Kontakt ab.

Den giftigen Rauchwolken fielen sogar in der drei Kilometer entfernten Bergstation drei Menschen zum Opfer. Die Überlebenden der Katastrophe rannten offenbar geistesgegenwärtig in Richtung Tal, während viele Opfer vor den Flammen nach oben flüchteten.

Die Ursache der Katastrophe gab den Experten auch am Sonntag Rätsel auf. 26 Jahre lang fuhr die Standseilbahn unfallfrei rund 13 Millionen Wintersportler in das beliebte ganzjährige Ski-Gebiet etwa 100 Kilometer südwestlich von Salzburg. Die erst 1994 in Dienst gestellten Züge in futuristischem Design bestehen aus nicht brennbaren Materialien und haben keinen eigenen Motor, erläuterten Experten. Der deutsche Seilbahn-Fachmann Heinz Dieter Schmoll sagte, Standseilbahnen seien die ältesten und sichersten Personenseilbahnen. Seit dem Ersten Weltkrieg habe es keinen einzigen größeren Unfall gegeben.

Letzte Überprüfung im Juni 1997

Spekulationen über in der Unglücksbahn transportierten Treibstoff schlossen die österreichischen Experten als Auslöser des Feuers aus. Es gab zudem Vermutungen, Passagiere könnten Feuerwerkskörper zu einem Snowboard-Fest auf dem Gletscher mitgenommen haben.

Fachleute der Österreichischen Eisenbahnen (ÖBB) sollen nun das Unglück rekonstruieren. Die Bahn war zuletzt im Juni 1997 technisch überprüft worden. Die Anlage sei erst vor kurzem gewartet worden, versicherten die Betreiber.

Für besorgte Angehörige von Winterurlaubern sind in Österreich und Deutschland Notrufnummern eingerichtet worden, die pausenlos belegt waren. Der österreichische Fernsehsender ORF stellte unter der Adresse www.orf.at eine Liste der Urlauber ins Internet, die am Samstag gesund in ihre Unterkünfte zurückgekehrt waren. Psychologen halfen den Angehörigen vor Ort, mit dem Unfassbaren fertig zu werden.

Zwei Tage Staatstrauer

Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel kam am Sonntagnachmittag zur Unglücksstelle. Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen in Österreich ein. Bereits am Samstag hatten Bundespräsident Johannes Rau, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer ihr Entsetzen über das Unglück ausgedrückt. Österreich ordnete eine zweitägige Staatstrauer an. Das Ganzjahres- Skigebiet am Kitzsteinhorn im Salzburger Land soll mindestens bis Freitag geschlossen bleiben.



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