Dresdner Kofferbombe Verdächtiger gesteht die Tat

Bei dem mutmaßlichen Kofferbombenleger von Dresden handelt es sich um einen hoch verschuldeten Finanz- und Immobilienmakler aus Sachsen. Der Polizei zufolge wollte er die Deutsche Bank um 120 Millionen Euro erpressen. Er soll die Tat inzwischen gestanden haben.




6. Juni 2003: Die Polizei vor dem Hauptbahnhof in Dresden
AP

6. Juni 2003: Die Polizei vor dem Hauptbahnhof in Dresden

Dresden - Am Sonntag hatte das Landeskriminalamt den 62-Jährigen aus der Nähe von Ellefeld im Vogtland festgenommen. Eine Speichelprobe des Mannes sei identisch mit einer am Koffer gefundenen DNS-Probe, teilte Andreas Feron, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, am Montag mit.

Der hoch verschuldeten Finanz- und Immobilienmakler habe "nach Vorlage der erdrückenden Beweislage" gestanden, die Bombe gebaut und am 6. Juni in einem Trolley-Koffer auf einem Bahnsteig des Dresdner Hauptbahnhofes abgelegt zu haben. Der Täter habe damit die Deutsche Bank in Frankfurt am Main erpressen wollen. Den Ermittlungen zufolge forderte der Mann in mehreren Erpresserschreiben rund 120 Millionen Euro und drohte, andernfalls eine weitere Bombe gegen die Bank einzusetzen.

Am Wochenende hätten Beamte des Mobilen Einsatzkommandos mehrere Wohnungen und Geschäftsräume in Sachsen und Hessen durchsucht und dabei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, erklärte Feron. Dazu gehörten Sprengstoff, Sprengschnüre, Zünder, Waffen und diverse Bauteile. Der Beschuldigte sollte noch am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Ziel der Erpressung: Die Deutsche Bank in Frankfurt am Main
DPA

Ziel der Erpressung: Die Deutsche Bank in Frankfurt am Main

Einen rechtsextremistischen oder terroristischen Hintergrund schließen die Ermittler aus. Jedoch halte man ein linksextremistisches Motiv für möglich. Gegen den Verdächtigen liegt bereits seit Freitag ein Haftbefehl wegen Vorbereitung eines Explosionsverbrechens vor.

Ende vergangener Woche hatten erste Testergebnisse aus Probesprengungen die tödliche Wirkung der Dresdner Kofferbombe belegt: Nach Angaben des LKA hätte der Sprengsatz bei einer Detonation auf dem Dresdner Hauptbahnhof viele Menschen das Leben gekostet. Bei den Sprengungen wurden einzelne Bauteile des Gepäckstücks zur Explosion gebracht.

Neben den rund 1,6 Kilogramm Sprengstoff hatten sich in dem Koffer zudem rund sechs Kilogramm Schottersteine, Sprengschnüre, zwei Sprengzünder, ein Schnellkochtopf, ein Kabel, mehrere Gläser mit Nitroverdünnung sowie Teile eines Weckers befunden. Noch in diesem Jahr soll ein originalgetreuer Nachbau der Kofferbombe gesprengt werden.



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