Drogen-Affäre Friedman legt alle Ämter nieder

TV-Moderator Michel Friedman hat einen Strafbefehl in Höhe von 17.000 Euro wegen Kokainbesitzes gegen ihn akzeptiert. Nach einem Monat des Schweigens räumte Friedman öffentlich ein, Fehler begangen zu haben. Dann legte er sein Amt als Vizepräsident des Zentralrats der Juden nieder.


Friedman: "Ohne Wenn und Aber, ich habe einen Fehler gemacht"
AP

Friedman: "Ohne Wenn und Aber, ich habe einen Fehler gemacht"

Frankfurt am Main - Friedmans Anwalt Eckart Hild gab am Dienstag in Frankfurt am Main bekannt, sein Mandant habe den Strafbefehl von 150 Tagessätzen in Höhe von insgesamt 17.400 Euro akzeptiert. Damit ist Friedman vorbestraft.

Friedman selbst sagte am Dienstag in Frankfurt: "Klipp und klar, ohne Wenn und Aber, ich habe einen Fehler gemacht." Er müsse akzeptieren, dass er mit den Maßstäben gemessen werde, die er in seiner politischen und journalistischen Arbeit auch an andere angelegt habe. "Den Freunden, die mir in dieser schweren Krise geholfen haben, möchte ich besonders danken. Sie wissen, wie tief ich bereue, was mich straucheln ließ." Er entschuldigte sich ausdrücklich bei seiner Lebensgefährtin Bärbel Schäfer, der "Frau, die ich von tiefem Herzen liebe und mit der ich meine Zukunft gestalten will und die von alldem so erfahren hat wie die Öffentlichkeit: Bei ihr möchte ich mich persönlich - auch in aller Öffentlichkeit - ausdrücklich entschuldigen."

"Menschen machen Fehler, Menschen irren sich. Auch ich habe Fehler gemacht. Auch ich habe mich geirrt", sagte Friedman. "Das soll nicht mein Verhalten relativieren oder verharmlosen. Ich sage es nur, weil auch ich nur ein Mensch bin." Friedman sagte weiter: "Ich entschuldige mich von ganzem Herzen für alles, was ich gemacht habe. Aber ich bitte Sie, nicht zu vergessen, dass das nicht mein ganzes Leben war. Dass das nicht der ganze Michel Friedman ist. Ich bitte Sie um eine zweite Chance."

Schäfer, Friedman: "Sie wissen, wie tief ich bereue, was mich straucheln ließ"
DDP

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Gegen Friedman wurde in den vergangenen Wochen wegen des Verdachts des illegalen Drogenbesitzes ermittelt, nachdem im Juni in seinen Privat- und Kanzleiräumen in Frankfurt am Main drei Päckchen mit Kokainresten gefunden worden waren.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte Friedmans Anwalt Eckart C. Hild der Berliner Staatsanwaltschaft zuvor mitgeteilt, er werde gegen den vergangene Woche zugestellten Strafbefehl keinen Einspruch einlegen. Mit dem Verzicht auf Einspruch akzeptierte der Anwalt auch die Anschuldigungen der Fahnder, die wegen Kokainbesitzes gegen den 47-Jährigen ermittelt hatten.

Mit der Akzeptanz des Strafbefehls haben Friedman und sein Anwalt zumindest ein schnelles Ende des Verfahrens erreicht - und damit einen peinlichen öffentlichen Prozess vermieden, in dem möglicherweise ukrainische Prostituierte als Belastungszeugen aufgetreten wären.

Talkmaster Friedman: Hessischer Rundfunk hat noch nicht über Fortsetzung entschieden
DDP

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Am 11. Juni hatte die Berliner Staatsanwaltschaft die Privaträume des Moderators und seine Kanzlei in Frankfurt am Main durchsuchen lassen. Friedman war durch eine Telefonüberwachung ins Visier der Ermittler geraten, die einer Bande von Menschenhändlern auf der Spur war. Ukrainische Prostituierte gaben im Zuge dieser Ermittlungen an, Friedman habe in ihrem Beisein in einem Berliner Hotel Kokain konsumiert und ihnen die Drogen angeboten.

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, bewertete den Rücktritt seines Stellvertreters als "verantwortungsvolles Handeln". "Es spricht für Friedman, dass er sich seiner Verantwortung gestellt hat gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland", sagte Spiegel der Nachrichtenagentur dpa. Dem Judentum in Deutschland und auch in Europa habe Friedman "jahrzehntelang mit großem Sachverstand und Engagement gedient", betonte Spiegel.

Der Hessische Rundfunk hat nach eigenen Angaben noch nicht über die Fortsetzung der beiden von Friedman moderierten Sendungen entschieden. "Wir wollen mit Friedman darüber noch ein Gespräch führen", sagte eine Sprecherin des Senders. Wegen der Sommerpause gibt es zur Zeit keine aktuellen Folgen von "Vorsicht Friedman!" (Hessischer Rundfunk) und "Friedman" (ARD).

Friedman hat außer dem Amt des Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland öffentlich gewählte Ämter als Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, der Speyer-und der Geschwister-Korn-und-Gerstenmann-Stiftung in Frankfurt, ist stellvertretender Aufsichtsrat des Friedrichstadtpalasts, Mitglied des ZDF-Fernsehrats und der Atlantik-Brücke sowie stellvertretender Aufsichtsrat der Transatlantik-Quandt-Stiftung.



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