Privater Drogenhund-Service: "Ich bin nur dafür da, Gewissheit zu bringen"

Drogenhund zum Mieten: Dope im Kinderzimmer Fotos
DROGENHUNDE.DE

Marihuana im Bettgestell, Kokain unterm Teppich: Für 95 Euro Honorar filzt Reiner Reuther mit seinem Spürhund Kinder- und Jugendzimmer auf Drogen. Schon bald will der 50-Jährige expandieren - im Gespräch sind Schulen und Discotheken.

SPIEGEL ONLINE: Herr Reuther, mit Ihrem Schäferhund Thor suchen Sie im Auftrag besorgter Eltern nach Drogen. Wie oft werden Sie da fündig?

Reuther: Eigentlich meistens - etwa in 85 Prozent der Fälle, bei denen uns Eltern anrufen. Zum größten Teil finden wir Marihuana, manchmal auch Kokain.

SPIEGEL ONLINE: Was sind denn die beliebtesten Drogenverstecke im Kinderzimmer?

Reuther: Bei einer Familie war das Dope im Bettgestell. Unterm Teppich oder in der Matratze ist auch öfter was. Wird der Hund fündig, markieren wir die Stelle und die Eltern können dort nachsehen.

SPIEGEL ONLINE: Und was macht Thor, wenn er Rauschgift gewittert hat? Bellt er?

Reuther: Thor ist ein sogenannter Passivhund. Der setzt sich hin und zeigt eventuell kurz mit der Pfote an. Kennt man vielleicht vom Flughafen, da funktioniert das ähnlich.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland sind Sie der erste private Anbieter für solche Schnüffeldienste. Was machen Sie anders als die Polizei?

Reuther: Wenn die Polizei Drogen findet, muss sie Anzeige erstatten. Wir dagegen können anonym arbeiten. Was die Eltern danach machen, ist ihr Problem.

SPIEGEL ONLINE: Sie kommen eigentlich aus der Gastronomie. Wie wird man da zum Experten für Drogensuche?

Reuther: Das war eigentlich Zufall. Ich habe Koch gelernt und betreibe ein kleines Hotel in Krefeld, aber Interesse an Tieren hatte ich schon immer. Schäferhunde bilde ich zum Beispiel seit 25 Jahren aus, als Hobby. Und da hörte ich nun von Suchhund-Anbietern in Amerika und in England, deren Firmen gut laufen.

SPIEGEL ONLINE: Wie läuft es denn bei Ihnen? Bekommen Sie viele Aufträge?

Reuther: Es hält sich im Rahmen. In Deutschland sind Drogen ein Tabuthema, im Ausland geht man damit offener um. Wir sind aber auch erst seit kurzem im Geschäft: Im Januar habe ich mit meiner Frau zusammen angefangen, seit Mai starten wir richtig durch. Erst musste sich ja der Hund einleben.

SPIEGEL ONLINE: Wo kommt Thor denn her?

Reuther: Von einer Polizeihundeschule in Texas. Ich war selber dort, habe eine Schulung gemacht und mit dem Hund Prüfungen abgelegt. Jetzt bin ich zertifizierter Hundeführer. Ich könnte zum Beispiel für die amerikanische Polizei arbeiten, das würde vor Gericht anerkannt werden.

SPIEGEL ONLINE: Mit 50 Jahren von Hotelier auf Hundeführer umzuschulen, klingt wie eine gewagte Entscheidung. Was ist denn Ihr Businessplan?

Reuther: Wir wollen bis Ende des Jahres schwarze Zahlen schreiben und dann bundesweit expandieren. Discotheken sind zum Beispiel ein Thema, da diskutieren wir gerade die Zusammenarbeit mit Sicherheitsunternehmen. Die machen Kontrollen an den Eingängen. Außerdem verhandeln wir mit Privatschulen und Internaten - wenn das soweit steht, brauche ich auch mehr Hunde.

SPIEGEL ONLINE: Sie wollen in Schulen nach Drogen suchen?

Reuther: Es gibt dort nun mal Rauschgiftprobleme, auch wenn das in der Öffentlichkeit gerne anders dargestellt wird. Um diesen Missbrauch einzudämmen, arbeiten wir gezielt oder präventiv.

SPIEGEL ONLINE: Wie sucht man denn präventiv nach Drogen?

Reuther: Wenn unser Auto mit Hänger und Werbung für drogenhunde.de auf dem Schulhof steht, dann passiert da schon so einiges. Dann wissen die Schüler, was los ist. Das ist wie in den Gefängnissen: Wenn da die Drogenhunde zur Kontrolle kommen, steigt der Wasserverbrauch der Toiletten sprunghaft an. Genauso ist es in den Schulen auch.

SPIEGEL ONLINE: Ernsthaft?

Reuther: Hier in Nordrhein-Westfalen haben wir Internate, die liegen bei 1500 Euro Schulgeld im Monat. Da verfügen die Kiddies schon über immens viel Taschengeld. An diesen Schulen ist es sinnvoll, präventiv aufzutreten - so, wie das in den USA bereits gemacht wird.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn Sie das Kinderzimmer von Lieschen Müller durchsuchen? Kommen Sie dann auch mit Reklame auf dem Auto?

Reuther: Da machen wir das natürlich diskret. Wir kommen mit dem Hund, der Hund findet vielleicht was, die Eltern können reagieren. Die müssen noch nicht mal verraten, dass der Hund da war. Die können zu ihrem Kind später sagen: Hör mal, wir haben dein Zimmer aufgeräumt, dabei haben wir das hier gefunden.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie diese Folgen ihrer Arbeit üblicherweise mit?

Reuther: Meistens nicht. Ich verweise nach solchen Besuchen immer an die Drogenberatung, damit die Kinder wieder auf den geraden Weg kommen. Die Leute dort sind psychologisch geschult. Ich bin nur dafür da, Gewissheit zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie eigentlich selber Kinder?

Reuther: Ja, einen 23-jährigen Sohn. Aber der ist Küchenchef. Und bei ihm ist der Hund noch nicht fündig geworden.

Das Interview führte Rainer Leurs

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insgesamt 85 Beiträge
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1. geht`s noch?
shatreng 27.07.2013
Zitat von sysopMarihuana im Bettgestell, Kokain unterm Teppich: Für 95 Euro Honorar filzt Reiner Reuther mit seinem Spürhund Kinder- und Jugendzimmer auf Drogen. Schon bald will der 50-Jährige expandieren - im Gespräch sind Schulen und Discotheken. Drogenhund zum Mieten: Reiner Reuther filzt Kinderzimmer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/drogenhund-zum-mieten-reiner-reuther-filzt-kinderzimmer-a-912824.html)
Wenn Eltern ihre Kinder mit Drogenhunden im Kinderzimmer überwachen, dann haben sie, mal unabhänig vom absoluten Vertrauensverlust und dem perfekten Beweiß, dass man in der Erziehung komplett versagt hat, einen absoluten Schaden. Nach so einer Aktion würde ich meine Eltern für immer verachten.
2. tolle Geschäftsidee...
asspirin 27.07.2013
...aber traurig, dass sich mit so etwas Geld machen lässt. Wer es nötig hat, seinem Nachwuchs mit solchen Mitteln nachzuspionieren, hat grundsätzlich die Begriffe "familiäre Nähe" und "Vertrauen" gründlich missverstanden.
3. Vertrauensbruch
habacuk 27.07.2013
Es ist ja schön für Herrn Reuther, dass er Hunde als Hobby hat aber dieses ganze geschäftsmodell ist abartig. Kinder und Jugendliche haben auh eine Privatssphäre. Die Idee mit einem drogenhind durch sogenannte Kinderzimmer zulaufen sehe ich als Eingriff in diese. Sich die USA heutzutage als Vorbild zunehmen finde ich schrecklich. Eltern sollten offen miz ihren Kindern reden anstelle heimliche Tests zu machen. In den meisten Fällen handelt es sich um cannabisprodukte: eine diskussion wie Gefährlich diese für kinder u d Jugendliche ist, ist fraglich. bei den meisten geht es roch über ein ausprobieren garnicht hinaus. was ich am schlimmsten finde ist dass, eltern die den drogenhund einsetzen einen massiven Vertrauensbruch in kauf nehmen anstatt mit diesen zu reden umgekehrt wollen Eltern ja auvh Ihren Kindern vertrauen können.Ausserdem: auch Jugendliche dürfen Geheimnissee haben.
4. Amerikanische Verhältnisse
milenaofficial 27.07.2013
Entschuldigung, aber wo kommen wir denn hin, wenn wir jetz schon an Schulen "private Wachdienste" einsetzen wollen, um mit Drogenspürhunden unsere Kinder zu durchsuchen? Das geht nun wirklich gar nicht. Wenn der Herr hier seine Prüfungen in Amerika abgelegt hat und auch vor amerikanischen Gerichten anerkannt wird, bitteschön. Soll er bitte nach Amerika gehn und seine Arbeit dort verrichten. Ich möchte jedenfalls nicht, dass mein Kind einer solchen Behandlung unterzogen werden soll, wenn es zum Schulunterricht geht. Die Stichworte sind nach wie vor: Prävention, Aufklärung, Legalisierung weicher Drogen und sinnvoller Umgang mit Genussmitteln. Dorgenspürhunde an Schulen, NEIN DANKE !!! Lasst solche Sachen in Amerika, wo sie hingehören.
5. @shatreng: Der Meinung kann ich mich nur anschließen
Kritikusus 27.07.2013
Ich als Reporter hätte gefragt was mit den gefunden Drogen passiert. Der Besitzt ist strafbar ! Jeder Bürger der Kenntnis von einer Straftat hat ist verpflichtet diese auch anzuzeigen. Stichwort Strafvereitelung.
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