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Drogentod im Kinderzimmer: US-Teenager riskieren mit "Cheese" ihr Leben

Der Rausch kommt für nur zwei Dollar. Immer häufiger sterben in den USA Jugendliche an der neuen Modedroge "Cheese". Vor allem Schüler konsumieren den Heroin-Verschnitt, der aus Mexiko eingeschmuggelt wird. Neben dem billigen Preis lockt die Kinder, dass das Pulver nicht gespritzt werden muss.

Dallas - Die Tragödie brach ohne jede Vorwarnung in das Leben von Cindy Hill ein. An einem Januarmorgen im texanischen Dallas wollte sie ihren 17-jährigen Sohn Garrett wecken, der am Vorabend mit Freunden ausgegangen war. Doch Garrett rührte sich nicht. Er lag tot auf dem Schlafsofa, gestorben an einem billigen Heroin-Verschnitt namens "Cheese". Das hoch gefährliche Rauschgift wird aus dem nahen Mexiko über die Grenze geschmuggelt und vor allem von Schülern konsumiert.

"Cheese": Die Droge wird eingewickelt in Schulheftseiten verkauft
AP / Dallas Independent School Districe Police Dept.

"Cheese": Die Droge wird eingewickelt in Schulheftseiten verkauft

Mehr als 20 Teenager sind in den letzten zwei Jahren in Texas daran gestorben. Die meisten hatten zuvor nie mit Drogen zu tun. "Ich habe mit Garrett so oft über Drogen gesprochen", erinnert sich Cindy Hill. "Es war ein Schock zu erfahren, dass er Heroin genommen hat."

"Cheese" sei eine ganz besonders verheerende Droge, weil sie vor allem Kinder und Jugendliche anspricht, sagt Ermittler Jeremy Liebbe von der Schulpolizei in Dallas. Der jüngste bekannte Konsument sei ein Neunjähriger, das jüngste Todesopfer sei nur 15 Jahre alt geworden. "Viele dieser Kids haben zuvor weder eine Zigarette geraucht noch Alkohol getrunken", sagt Liebbe.

Was die Droge so verlockend macht, ist zum einen der Preis. Eine Portion kostet nur zwei Dollar. Das können sich auch Schüler leisten. Zum anderen muss "Cheese" anders als Heroin nicht mit der Nadel gespritzt werden. Vor der Nadel schrecken Teenager zurück, sagte Liebbe. "Cheese" wird einfach durch die Nase geschnupft.

Den meisten jungen Konsumenten sei gar nicht bewusst, was sie sich eigentlich durch die Nase ziehen, sagt Liebbe. "Cheese" ist ein Verschnitt aus Heroin und leicht erhältlichen Schmerz- und Beruhigungsmitteln. In den Köpfen der Nutzer rufen die Wirkstoffe Euphorie, Lethargie und Orientierungslosigkeit hervor. Im Körper können sie eine Katastrophe anrichten: Die beruhigenden Substanzen verstärken sich gegenseitig und können dazu führen, dass ganz einfach das Herz stehenbleibt.

Der Tod tritt meistens im Schlaf ein, nachdem die jungen Leute den Giftstoff gemeinsam auf Partys genommen haben - so wie Garrett Hill. Gruppenzwang ist wohl das wichtigste Motiv für den Konsum.

Drogenhunde im Klassenzimmer

Die Schulbehörden gehen verstärkt gegen das Rauschgift vor. Drogenhunde schnüffeln unangemeldet durch Klassenzimmer in Dallas. Schüler werden über die Gefahren aufgeklärt. Lehrer werden geschult, bei den jungen Leuten nach Hinweisen auf "Cheese"-Konsum zu achten. "Es ist nicht so, dass wir untätig herumsitzen", sagt der Sprecher der Schulbehörde, Jon Dahlander. Das Problem sei aber schwer zu lösen: Die Schmuggler verkaufen den Stoff gezielt an junge Leute, die ihn dann in die Schulen schmuggeln und dort weiterverkaufen - typischerweise eingewickelt in ausgerissenen Seiten aus dem Schulheft, oft noch beschrieben mit alten Hausaufgaben.

Weil manche Eltern den Drogenkonsum des Kindes verschweigen, richtet sich die Aufklärungsarbeit auch an die Familien - besonders an arme Einwandererfamilien aus Lateinamerika, deren Kinder überproportional oft gefährliche Drogen nehmen. "Die Eltern haben Angst, dass die Behörden ihnen die jüngeren Kinder wegnehmen, wenn herauskommt, dass ihr 15-Jähriger abhängig ist", sagt Sozialarbeiter Carlos Quintanilla. Er befürchtet, dass gerade in den derzeitigen Sommerferien "das Potential für eine Katastrophe sehr groß" sei. Es fehle vielfach an Aufsicht durch die Eltern und an Freizeitmöglichkeiten - umso größer erscheine für manchen die Verlockung durch "Cheese".

Jason Trahan, AFP

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