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Olympia-Ruderin: Ministerium wusste von Drygallas rechtem Umfeld

Der Schweriner Landesregierung ist seit längerem bekannt, dass die Ruderin Nadja Drygalla Kontakt in die Nazi-Szene haben soll. Nach "intensiven Personalgesprächen" 2011 habe die damalige Polizeianwärterin um ihre Entlassung gebeten, teilte das Innenministerium mit.

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Ruderin Drygalla: Aufregung im deutschen Olympia-Kader

Hamburg - Das für den Sport zuständige Schweriner Innenministerium hat eigenen Angaben zufolge schon 2011 von dem angeblichen rechtsextremen Umfeld der Olympia-Ruderin Nadja Drygalla gewusst. Als bekannt geworden sei, dass "auch Personen zum Bekanntenkreis von Nadja Drygalla gehören, die der offen agierenden rechtsextremistischen Szene zugehörig sind", seien mit der damaligen Polizeianwärterin "intensive Personalgespräche" geführt worden. Daraufhin habe Drygalla Ende September 2011 um ihre Entlassung aus dem Vorbereitungsdienst gebeten.

Öffentlich bekannt wurde der Fall am Donnerstag, als er die Olympischen Spiele erreichte: Nach Berichten über eine angebliche Beziehung mit einem Mann aus der Nazi-Szene reiste Drygalla vorzeitig aus dem deutschen Quartier ab.

Sie habe keine Belastung für die deutsche Mannschaft entstehen lassen wollen, sagte Michael Vesper, Chef de Mission des deutschen Olympiateams. Vesper hatte zuvor ein rund anderthalbstündiges Gespräch mit Drygalla geführt. Darin habe sie sich zweifelsfrei von rechtem Gedankengut distanziert, sagte er auf einer Pressekonferenz am Vormittag.

Für die Entsendung von Olympia-Teilnehmern sei nicht das Ministerium zuständig, sondern der jeweilige Sportverband, sagte Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU). Widersprüchliche Aussagen gibt es zur Frage, was mit den Informationen aus dem Innenministerium geschah. Sie seien damals unmittelbar an den Landessportbund und den Ruderverband von Mecklenburg-Vorpommern weitergereicht worden, sagte Sprecher Michael Teich.

Rudolf Borchert, Präsidiumsmitglied des Landessportbundes, wies diese Darstellung zurück. "Darüber habe ich nie etwas erfahren, auch in der letzten Präsidiumssitzung wurde bei uns nicht drüber gesprochen", sagte der sportpolitische Sprecher der Landes-SPD. Der Landesruderverband war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

Zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sind die Informationen angeblich nie vorgedrungen. Man habe erst am Donnerstag von den Gerüchten gehört, sagte Vesper. "Zwar ist richtig, dass nicht das Innenministerium, sondern der Sport die Sportler für Olympia nominiert; er kann dabei aber nur solche Erkenntnisse berücksichtigen, über die er von den zuständigen Stellen informiert wird", so Vesper. "Es wäre hilfreich gewesen, wenn das Innenministerium uns über seine Gespräche und seine Erkenntnisse zu Nadja Drygalla informiert hätte."

"Sippenhaft gibt es in einem Rechtsstaat nicht"

Die Linken-Politikerin Petra Pau kritisierte die Funktionäre. Die Gerüchte um das Umfeld der Ruderin seien weder neu noch unbekannt, teilte sie mit. Dessen ungeachtet sei die Athletin "sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und ins deutsche Vorzeige-Team berufen" worden, kritisierte Pau. Dies sei "oberfaul".

Er werde nach den Spielen noch im August ein Gespräch mit Drygalla führen, kündigte Siegfried Kaidel an, der Präsident des Deutschen Ruderverbandes (DRV). "Wir werden mit ihr in Ruhe sprechen, wenn wir wieder zu Hause sind", sagte Kaidel. "Wenn sich bestätigt, dass sie nichts damit zu tun hat, warum soll sie nicht weitermachen? Es gab für uns nie Anzeichen, dass an den Vorwürfen etwas dran sein könnte."

Drygalla selbst hat sich bisher nicht geäußert. Erkenntnisse über eine eigene rechtsextreme Gesinnung der Athletin - unabhängig von ihrer angeblichen Beziehung - gibt es derzeit nicht. Er habe keinen Zweifel, dass sie "auf dem Boden des Grundgesetzes und der olympischen Werte" stehe, sagte Vesper am Vormittag.

Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warnte vor einer Vorverurteilung. "Sippenhaft gibt es natürlich in einem Rechtsstaat nicht", sagte er. Jetzt müsse zunächst geprüft werden, was Drygalla "persönlich vorzuwerfen ist, ob sie persönlich zu diesem Gedankengut steht, ob sie sich aktiv für die NPD einsetzt". Der angebliche Freund Drygallas trat im vergangenen Jahr für die rechtsextreme NPD zur Landtagswahl an.

Frühere Kenntnis über die angebliche Beziehung Drygallas wies Sellering zurück. Von den Verbindungen der Ruderin sei er überrascht "wie alle anderen auch".

hut/AFP/dapd/dpa/sid

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
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1. ein rechtes Sommerloch
e-cdg 03.08.2012
Zitat von sysoppicture alliance Der Schweriner Landesregierung ist seit längerem bekannt, dass die Ruderin Nadja Drygalla Kontakt in die Nazi-Szene haben soll. Nach "intensiven Personalgesprächen" 2011 habe die damalige Polizeianwärterin um ihre Entlassung gebeten, teilte das Innenministerium mit. Drygalla: Innenministerium wusste von angeblichem Nazi-Umfeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,848128,00.html)
In China ist ein Sack Reis umgefallen. Gute Nacht, Deutschland!
2.
lalale 03.08.2012
Zitat von e-cdgIn China ist ein Sack Reis umgefallen. Gute Nacht, Deutschland!
das eine ehemalige polizeianwärterin die deutschland repräsentativ bei olympia vertritt kontakte in die rechtsextremistische szene haben könnte und eventuell ja vielleicht selbst deren gesinnung teilen könnte(!), wird nach der geschichte mit der NSU und den ku klux klan-polizisten aus BAWÜ als sack reis bewertet?!? gute nacht deutschland!
3. NoNazis
doc.han 03.08.2012
Nazisde als Olympia-Athletin auf Staatskosten? Das war 1936 moeglich, heute nicht mehr. Weg mit der Braut! Und weg mit den rechtsblinden Olympia-Funktionaeren!!
4. Bravo!
a.vomberg 03.08.2012
Aber sollte man ihr nicht auch noch den Führerschein entziehen und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel verbieten? Bei so einer kann man ja nie wissen, wo sie hinfährt.
5. Frage:
defortune 03.08.2012
Zitat von e-cdgIn China ist ein Sack Reis umgefallen. Gute Nacht, Deutschland!
wes Geistes Kind ist man, wenn man für seine (rechte) Gesinnung eine Laufbahn als verbeamtete Polizistin aufgibt?
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Nadja Drygalla - Biografie
Nadja Drygalla wurde am 31. März 1989 in Rostock geboren und lebt auch heute in der Hansestadt. Drygalla ist Mitglied im Olympischen Ruderclub Rostock von 1956. Sie rudert seit ihrer Kindheit.
Ausbildung
Sie erlangte die mittlere Reife und absolvierte in einem Hotel erfolgreich eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau.

2008 begann sie eine weitere Ausbildung zur Polizistin. Sie gehörte der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern an und konnte weiterhin im Olympischen Ruderclub Rostock trainieren.
Polizeidienst
Ende September 2011 beendete sie vorzeitig und auf eigenen Wunsch ihren Vorbereitungsdienst an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. Sie ist damit keine Polizistin mehr.
Sportliche Erfolge
Bei den Weltmeisterschaften der unter 19-Jährigen holte Drygalla im Jahr 2006 eine Bronzemedaille und im Jahr 2007 eine Silbermedaille.

Bei den deutschen Meisterschaften 2011 kam sie im Vierer ohne und im Achter auf den ersten Platz.

Drygalla gehörte in diesem Jahr zum deutschen Team für Olympia. Damit erfüllte sich ein großer Wunsch der Ruderin. Vor rund vier Jahren sagte sie in einem Interview: "Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London 2012 wäre wahrlich ein Traum."
Nazi-Verdacht
Am 2. August 2012 reiste Drygalla vorzeitig aus dem Olympischen Dorf ab. Grund sind Gerüchte, dass sie mit Michael Fischer liiert sein soll - der 24-Jährige wird der rechtsextremen Szene zugeordnet, bei der Landtagswahl 2011 war er im Wahlkreis Rostock IV Direktkandidat der NPD. Nach Angaben der Partei ist Fischer im Mai 2012 ausgetreten.

dapd (Quellen: Weltruderverband, Rüsselsheimer Ruder-Klub 08, Innenministerium Mecklenburg-Vorpommern, Polizei-Journal der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern)
London 2012: Die Twitter-Reporter


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