Deckname "Jens Peter" Bauherr der East Side Gallery war IM der Stasi

Den Verdacht gab es schon lange, nun ist er bestätigt: Maik Uwe Hinkel, umstrittener Bauherr von Luxuswohnungen an der Berliner East Side Gallery, arbeitete seit 1982 als Spitzel der Staatssicherheit. Er selbst hatte dies bislang bestritten.

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Hamburg - Das Projekt, mit dem Maik Uwe Hinkel gutes Geld verdienen wollte, stand unter schlechten Vorzeichen: Ausgerechnet auf dem Gelände der East Side Gallery, dem längsten noch erhaltenen Abschnitt der Berliner Mauer, ausgerechnet auf dem ehemaligen Todesstreifen, plante Hinkel Luxuswohnungen zu errichten. Die Berliner sehen den Bau von Luxusimmobilien ohnehin kritisch, das Vorhaben an der East Side Gallery aber begriffen sie als Affront.

Im Frühjahr ließ Maik Uwe Hinkel Betonteile der Berliner Mauer entfernen - und sprach von einer temporären Maßnahme. Für seine Kritiker aber war klar: Die Mauer wurde entfernt, um Yuppies den Weg zu ihren künftigen Lofts zu ermöglichen; die Geschichte musste dem Geschäft weichen. Und Hinkel galt als personifiziertes Feindbild.

Seit dem Frühjahr berichtete der SPIEGEL über eine mögliche Stasi-Vergangenheit Hinkels: Mehrere Weggefährten hatten sich gemeldet und aus ihren eigenen Stasi-Akten entnommen, dass Hinkel offenbar unter dem Decknamen "Jens Peter" über Arbeitskollegen, Freunde und Nachbarn berichtet hatte. Hinkels Anwalt Carsten Wegner bestritt vehement, dass sein Mandant IM "Jens Peter" gewesen sei und die Berichte abgeliefert habe. Man versuchte vor Gericht, die Herausgabe von Hinkels Stasi-Akten zu verhindern - vergeblich.

IM "Jens Peter" war vor allem in der Studentengemeinde aktiv

Nun hat die Stasi-Unterlagenbehörde die entsprechenden Dokumente veröffentlicht. Aus ihnen geht laut der "Superillu" hervor, dass Hinkel in den achtziger Jahren Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi war. Mit Verweis auf die Unterlagen berichtet die Zeitschrift, Hinkel alias "Jens Peter" habe insbesondere die katholische Studentengemeinde von Zwickau ausspioniert.

Der evangelische Pfarrer Edmund Käbisch, der die Stasi-Aktivitäten in Zwickau aufarbeitet, bezeichnete die Arbeit von IM "Jens Peter" als ungewöhnlich: "Er war laut Akten ein Spitzen-IM, der darauf geschult wurde, schwierige Aufträge und Observationen durchzuführen", sagte er dem SPIEGEL bereits im April. Die Stasi habe "Jens Peter" systematisch in Kirchengruppen eingeschleust. In Hinkels Stasi-Akte heißt es laut "Superillu", "Jens Peter" habe "zuverlässig und ehrlich" mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet.

Dem SPIEGEL liegen drei unterschiedliche sogenannte Operative Vorgänge (OV) der Zwickauer Kreisdienststelle des Ministeriums vor, an denen IM "Jens Peter" beteiligt war. In allen drei Fällen waren sich die Bespitzelten sicher, dass die Informationen nur von Hinkel stammen konnten.

Hinkel besorgte den Schlafzimmerschlüssel seines Nachbarn

So auch Harald Schmutzler, der wie Hinkel 1984 in der Brahmsstraße 2 in Zwickau wohnte. 65 Berichte des IM "Jens Peter" fand Schmutzler nach der Wende in seiner Stasi-Akte. "Ich brauchte mir von der Stasi-Unterlagenbehörde nicht einmal den Klarnamen entschlüsseln zu lassen, so eindeutig sind die von ihm handschriftlich unterzeichneten Dokumente." Die nun veröffentlichten Stasi-Akten belegen laut "Superillu", dass Hinkel der Staatssicherheit den Schlüssel zu Schmutzlers Schlafzimmer besorgte.

Hinkel hat bestritten, für die Stasi gearbeitet zu haben. Vielmehr gab er vor dem Berliner Verwaltungsgericht an, er habe als Doppelagent gearbeitet : für einen ausländischen Geheimdienst und für das Bundesamt für Verfassungsschutz. Deckname jeweils: "Jens Peter". Mit dieser Argumentation versuchte er vor Gericht, die Herausgabe seiner Stasi-Akten zu verhindern. Wegen seiner Tätigkeit für die anderen Geheimdienste seien seine Stasi-Akten wie eine Verschlusssache zu behandeln. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.

han

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