Geschmackloser Trend in den USA Halloween-Hit Ebola

In den USA und Großbritannien macht sich ein makaberer Trend breit: Bei Halloween-Partys gilt der Ebola-Schutzanzug als Kostüm der Saison.

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Alle fürchten sich vor Ebola. Warum sich zu Halloween nicht entsprechend kostümieren - oder gleich eine ganze Party zu diesem Thema feiern? Manchem Verkleidungswilligen in den USA und Großbritannien scheint das Makabere an diesem Gedanken nicht aufzufallen. Im Gegenteil: Kostüme mit Ebola-Bezug sind dort der Trend.

Allerhand Anbieter - auch in Deutschland - haben sich bei ihren Halloween-Angeboten von der Krankheit inspirieren lassen. So werden unter anderem Schutzanzüge in vielerlei Varianten angeboten, Zombie-Outfits sowie Arzt- und Krankenschwesteruniformen zum Thema. Was soll man dazu sagen? Das ist geschmacklos. Aber zumindest das Boulevardblatt "New York Post" ist begeistert und heizt den Trend noch kräftig an. An die vielen Opfer der Krankheit in Afrika scheint dabei niemand wirklich zu denken.

Mann in Ebola-Kostüm in New York: Umstrittener Trend zu Halloween
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Mann in Ebola-Kostüm in New York: Umstrittener Trend zu Halloween

Die Zeitung bezeichnete den Disease Suit, den Krankheitsanzug, auf ihrem Cover vom 14. Oktober gar als "heißes Kostüm". Die Headline neben dem Bild: "Sick or Treat" - ein Wortspiel, das an das englische "Trick or Treat" ("Süßes oder Saures") angelehnt ist, jenem Spruch, mit dem Kinder in den USA an Halloween von Tür zu Tür ziehen und um Süßigkeiten bitten.

Absperrband und Giftmülltonnen

"Time" und andere US-amerikanische Medien diskutieren seitdem darüber, ob solche Verkleidungen nur "verfrüht" oder ganz und gar verwerflich sind. Eine Entscheidung, die mancher offensichtlich längst für sich getroffen hat: Auf Twitter beispielsweise lassen sich etliche Schnappschüsse von Ebola-Outfits finden - von Tanzenden in Schutzanzügen über um den Körper geschlungene Nachbildungen des Virus aus Plüsch oder verknoteten Luftballons bis zu aufgemaltem Nasenbluten und blutverschmierter Kleidung.

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Ein besonders deutliches Zeichen hat James Faulk gesetzt, ein Hausbesitzer aus Dallas im US-Bundesstaat Texas. Er hat sich zu Halloween nicht nur einen weißen Schutzanzug zugelegt, sondern gleich seinen ganzen Vorgarten im Zeichen von Ebola dekoriert, Absperrband und diverse Giftmülltonnen inklusive.

"Was ist die furchterregendste Sache? Ebola", sagte er der "Dallas Morning News" zur Begründung. Damit die Ausstattung seines Grundstücks möglichst echt aussieht, hat Faulk Fotos echter Beispiele studiert. Das ist ihm offenbar gelungen: Die Polizei habe schon bei ihm geklopft, um sich bestätigen zu lassen, dass es sich wirklich nur um eine Dekoration handelt. Als Nächstes möchte Faulk sich für sein Ebola-Haus ein "Quarantäne"-Leuchtschild zulegen, sagte er der Zeitung.

Gartendeko und Mottoparty zur Krankheit

Er habe selbst zwar schon erkannt, dass sein Projekt etwas außer Kontrolle gerate. Aber er könne einfach nicht damit aufhören. Zwar hätten ihm viele Menschen gesagt, es sei noch zu früh für solchen Firlefanz, sagt Faulk. Aber es sei schließlich Halloween: "Gewinnt dem Ganzen ein Lächeln ab und habt Spaß."

Das hat sich offenbar auch eine Veranstaltungsagentur in London gedacht. Laut der britischen Zeitung "Telegraph" will sie am kommenden Wochenende in der Disco The Scotch of St. James eine Feier zur Krankheit abhalten. Das Motto: "Saturday Night Ebola Fever".

Ebola-Haus in Dallas: Besitzer James Faulk findet die Dekoration lustig
AP

Ebola-Haus in Dallas: Besitzer James Faulk findet die Dekoration lustig

Die Organisatoren schreiben laut der Zeitung einen strikten Dresscode vor. Die mehr als 800 geladenen Gäste müssten sich passend zum Thema verkleiden, sonst kämen sie nicht hinein. Der Klub, dem spätestens jetzt klarwerden dürfte, das nicht jeder über ein solches Motto lachen kann, bestreitet jetzt allerdings, die Party so geplant zu haben.

Eine missverständliche Formulierung

Der Flyer, auf dem der Schriftzug "Saturday Night Ebola Fever" steht - Ebola in einer an Horrorfilmtitel erinnernden Schrift - sei nur missverständlich formuliert, erklärt Lauren Campbell von The Scotch of St. James.

Das Motto sei ausdrücklich nicht Ebola, sagte Campbell zu SPIEGEL ONLINE. "Das Thema der Party ist Saturday Night Fever, also Siebzigerjahre-Disco." Ebola sei nur der Grund für die Party: Die Organisatoren, eine Event-Agentur, wollten mit der Feier Spenden sammeln, um den Kampf gegen eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu unterstützen.

Angesichts der harschen Kritik an der Veranstaltung, die jetzt aufgekommen sei, sagte Campbell, diskutiere man derzeit aber mit den Organisatoren, wie man am besten weiter verfährt. Das nächste Motto suchen Agentur und Klub sich sicher etwas vorsichtiger aus.

emt



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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Pandoron 26.10.2014
1. Da stellt sich die Frage
Was ist geschmackloser? Die bewertende Artikelüberschrift oder der Versuch, der Situation mit Humor statt Panik zu begegnen. Ich finde einen natürlich schon ernsten aber durchaus auch mitunter humorvollen Umgang mit der Ebola-Situation sinnvoller, als die Panikmache, welche aktuell überall um sich greift.
denny-crane 26.10.2014
2. Ja mein Gott....
man kann es auch übertreiben. Natürlich ist Ebola schlimm, dennoch finde ich es nicht schlimm, wenn man mit einem Schutzanzug auf ne Halloween-Party geht. Ich stecke beruflich jede Woche in einem, wegen einem Keim, der bei uns nach wie vor völlig unterschätz wird und jedes Jahr bis zu 50000 Menschen das Leben kostet.....MRSA. Also locker bleiben.....
Delos99 26.10.2014
3.
Sarkasmus war schon immer ein probates Mittel, um mit einer unkontrollierbaren Situation umzugehen. Nichts anderes passiert hier. Und "unkontrollierbar" ist ja nicht die Seuche, sondern der Wahn der US-Behörden!
schlamassel_hoch_12 26.10.2014
4. muss man sein Schicksal herausfordern?
Mir fiel da ganz spontan "Die Maske des Roten Todes" von Edgar Allen Poe ein. Passt ziemlich gut zur gegenwärtigen allgemeinen Lage (Party bald zu Ende) und speziellen Situation (Ebola), finde ich.
alafesh 26.10.2014
5.
Wie kommen Sie darauf, die Verkleidungswilligen hätten das Makabre an dieser Sache nicht erkannt? Es ist doch genau umgekehrt: Genau WEIL sie es als makaber erkannt haben, ist das Kostüm so nachgefragt. Blind ist in diesem Fall der Autor des Artikels. Wie schon ein Mitforist an anderer Stelle so schön schrieb: Geschmack ist eben Geschmacksache.
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