Suche nach Wrack EgyptAir-Maschine geriet vor Absturz ins Taumeln

Was führte zum Absturz der EgyptAir-Maschine? Vor dem Absturz soll das Flugzeug extreme Drehungen ausgeführt haben. Suchtrupps haben im Mittelmeer mögliche Trümmerteile und Rettungswesten gesichtet.


Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos hat erste Details zum Absturz der EgyptAir-Maschine bekannt gegeben. Demnach war das Flugzeug um 2.37 Uhr auf 11.277 Meter Höhe unterwegs, als es ins Taumeln geriet. "Die Maschine befand sich zu diesem Zeitpunkt etwa zehn bis 15 Seemeilen im ägyptischen Flugraum", sagte Kammenos.

"Dann machte sie eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine Drehung von 360 Grad nach rechts." Das Flugzeug sei auf eine Höhe von 15.000 Fuß (rund 4570 Meter) gesunken. Um 2.45 Uhr verschwand die Maschine bei gutem Wetter vom Radar.

Diese Erkenntnisse könnten ein erster Hinweis darauf sein, dass an Bord der Maschine abrupt etwas Gravierendes geschah, das die Steuerung der Maschine - anders etwa als möglicherweise bei einem Triebwerksausfall - völlig unmöglich machte. Was die Maschine in die Tiefe stürzen ließ, ist unklar.

Ägyptens Luftfahrt-Minister Scherif Farthy sagte bei einer Pressekonferenz zunächst, zur Ursache des Absturzes wollte er sich nicht äußern: "Lasst uns aufhören, Mutmaßungen anzustellen." Er werde von einem "vermissten Flugzeug" sprechen, bis das Wrack gefunden sei. Farthy sagte später aber auch, ein Anschlag sei als Absturzursache wahrscheinlicher als ein technischer Fehler.

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EgyptAir-Maschine: Verschwunden über dem Mittelmeer

Griechenland, Ägypten und Frankreich suchen gemeinsam nach dem Wrack von Flug MS804. Die Aktion konzentriert sich auf ein Gebiet rund 240 Kilometer südlich der griechischen Insel Karpathos.

Laut griechischem Staatsfernsehen entdeckte ein Schiff südlich dieses Suchgebietes zwei große Objekte im Wasser, bei denen es sich möglicherweise um Trümmerteile des vermissten Flugzeugs handeln könnte. Zudem seien zwei Rettungswesten gesichtet worden, die offenbar zu einem Flugzeug gehörten.

Ägypten hat Militärflugzeuge und -schiffe entsandt, Griechenland schickte eine C-130 und eine EMB-145H los; eine weitere C-130 sowie die Fregatte Nikiforos Fokas sind unterwegs, ebenso wie ein Helikopter. Zudem stehen laut Kammenos ein U-Boot und F-16-Kampfjets auf Abruf bereit.

Frankreich stelle Ägypten Schiffe und Flugzeuge des Militärs zur Unterstützung der Suche zur Verfügung, sagte Außenminister Jean-Marc Ayrault. Paris stimme sich eng mit den Behörden in Ägypten und Griechenland ab.

Konkret hat Frankreich etwa ein Überwachungsflugzeug entsandt, das normalerweise nach Flüchtlingen auf dem Mittelmeer Ausschau hält. Die Maschine beteilige sich an der Suche unter ägyptischer Führung, sagte ein Militärsprecher. Das Portal Marine Traffic zeigt, wie zudem mindestens acht Handelsschiffe zum vermuteten Absturzort unterwegs sind.

An Bord des Flugzeugs waren 66 Menschen, davon 56 Passagiere; die meisten von ihnen kommen aus Ägypten (30) und Frankreich (15). Die weiteren Fluggäste stammen aus folgenden Ländern: Irak (2), Sudan (1), Tschad (1), Algerien (1), Portugal (1), Kanada (1), Großbritannien (1), Belgien (1), Kuwait (1), Saudi-Arabien (1).

Angehörige der Insassen werden an den Flughäfen in Paris und Kairo betreut. Die Maschine war auf dem Weg von Paris nach Kairo.

Die abgestürzte Maschine war seit 2003 in Betrieb und hatte seitdem 48.000 Flugstunden absolviert. Der Pilot verfügte laut EgyptAir über 6275 Stunden Flugerfahrung, davon 2101 in einem Airbus A320. Der Co-Pilot hatte 2766 Stunden Flugerfahrung.

ulz/AP/Reuters



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