Ehemaliger SS-Offizier NS-Kriegsverbrecher Priebke ist tot

Er war der älteste noch lebende NS-Kriegsverbrecher: Erich Priebke ist im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben. Der frühere SS-Offizier war wegen eines Massakers im März 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke 2007: 100-jährig in Rom gestorben
DPA

NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke 2007: 100-jährig in Rom gestorben


Rom - Der verurteilte frühere SS-Hauptsturmführer Erich Priebke ist tot. Der in Italien lebende NS-Kriegsverbrecher sei am Freitag im Alter von 100 Jahren in Rom gestorben, berichten unter anderem die italienische Zeitung "La Repubblica" sowie die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf seinen Anwalt Paolo Giachini.

Priebke hatte in Rom unter Hausarrest gestanden, nachdem er 1998 in Italien wegen eines Massakers im März 1944 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Er war an Erschießungen von 335 Zivilisten bei den Ardeatinischen Höhlen, einem Steinbruchgelände in der Nähe von Rom, beteiligt. Die Hinrichtungen waren eines der schwersten Nazi-Massaker während des Zweiten Weltkriegs in Italien. Unter den Opfern waren 75 Juden. Wegen seines schlechten Gesundheitszustands war er jedoch aus dem Militärgefängnis entlassen worden.

Vor seiner Verurteilung hatte Priebke jahrelang unter seinem echten Namen in einem Badeort in Argentinien gelebt. Er wurde erst entdeckt, als ein amerikanischer Journalist ihn im Rahmen seiner Recherchen zur Nazi-Zeit entdeckte.

Priebke hatte wegen seiner Verbrechen nie Reue gezeigt. Von der Nazi-Ideologie nahm er nichts zurück, zum Massenmord im Steinbruch kommentierte er lediglich: "Ich war nur ein einfacher Hauptmann, der einem Befehl gehorchte."

Das Wiesenthal-Zentrum in Israel hat angesichts von Priebkes Tod verstärkte Ermittlungen gegen noch lebende Nazi-Kriegsverbrecher gefordert. "Das hohe Alter, das Priebke erreichte, erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die noch lebenden Täter jetzt wirklich zu verfolgen", sagte sagte Efraim Zuroff, Direktor der israelischen Abteilung des Zentrums. Viele der Nazi-Verbrecher erfreuten sich selbst in hohem Alter noch einer robusten Gesundheit. Sie könnten und müssten deshalb vor Gericht gestellt werden.

gam/AFP/dpa



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