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31. Mai 2012, 16:07 Uhr

Leinenzwang in New Mexiko

Hundstage

Er mag: an der Tankstelle rumliegen, bisschen rumschnüffeln, seine Hütte. Er hasst: Leinen. Jetzt hat Findelhund Blue ein Problem. Der Australische Treibhund soll nicht mehr frei leben dürfen, sagen die Städter aus New Mexiko. Seine Anwältin arbeitet bereits an einem Plädoyer.

Hamburg - Blue hat kein Zuhause, er will auch keins. Was er aber hat: Ersparnisse in Höhe von 1800 Dollar, eine Facebook-Seite und eine klimatisierte Hütte. Welcher Hund kann das schon von sich behaupten?

Ach ja, Blue hat auch eine Anwältin. Sie arbeitet daran, ihrem Mandanten eine Ausnahmegenehmigung zu besorgen. Wer als Australischer Treibhund auf die Welt kam, mag keine Leinen. Wie sonst sollte Blue sein freies Leben weiterführen, im Städtchen Elephant Butte im Süden des US-Bundesstaates New Mexiko? Dort wurde er vor zehn Jahren als Welpe ausgesetzt, seitdem lebt er auf der Straße.

Janice Conner, Besitzerin des örtlichen Warenhauses, hat nicht wenig Schuld daran, dass Blue überhaupt zum Problemfall für Elephant Butte wurde. Vor ihrem Laden lebte Blue immer wieder, Conner kümmerte sich um den Hund, fütterte ihn und so lebten sie lange und friedlich nebeneinander her. Dann begannen die Probleme.

Eine Frau beschwerte sich über Blue. Der Hund laufe ihrem Hund und ihr auf dem Gehweg nach. Dann wurde Conners Mann beobachtet, wie er ohne Leine mit Blue spazierenging, er wurde vorgeladen. So gelangte der Fall zu Hilary Noskin, sie ist Anwältin und ihr gehört ein gutes Stück Land in der Gegend.

Noskin hat sich in den Hundefall, nun ja, verbissen. Sie hat Blues Mandat umsonst übernommen, sagt sie, es geht ihr ums Prinzip: Blue soll vom Leinenzwang befreit werden. "Er ist einer meiner liebsten Klienten", sagt Noskin, "ein süßer, süßer Hund. An ihm ist nichts Bösartiges. Manche sagen, er knurrt. Das kann ich gar nicht glauben."

Alan Briley wiederum liegen die Interessen der nahe gelegenen Stadt Albuquerque am Herzen, er vertritt sie im Streit Hund gegen Stadt. Die Beschwerden über Blue sind da: Er schnappt, er knurrt. Und fast wäre er überfahren worden. Punkt.

Die Nachbarn haben jetzt die Spendendose herumgehen lassen, 1800 Dollar sind so zusammengekommen. Davon will Janice Conner, Blues Ziehmutter, die Anwaltskosten und Arztrechnungen bezahlen. Einige der Nachbarn haben in die Hände gespuckt und Blue eine Hütte gebaut, mit einer Klimaanlage für die warmen Tage und einem Öfchen für den Winter. Dazu kommen noch die 1100 Unterschriften von den Menschen aus der Gegend.

"Alle lieben diesen Hund. Leute, die sich keinen leisten können, kommen mit ihren Kindern zum Spielen vorbei. Ich kenne keinen anderen Hund, der an Thanksgiving vier Futterkörbe geschenkt bekommen hätte", sagt Conner.

Blue soll der bleiben, der er ist. Er war schon da, bevor aus Elephant Butte eine Stadt wurde, sagt Conner. Die Menschen eint ein Wunsch, glaubt sie: "Wir wollen doch nur, dass die Stadt ihm als ihr Repräsentant eine Ausnahmeregelung erteilt."

Am 13. Juni entscheidet sich Blues Schicksal. Seine Unterstützer hoffen, dann endlich eine Lösung für ihn zu finden.

jbr

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