Eingefangene Kultkuh Yvonne wankt, schwankt und fällt

"Das war kein Yvonnchen, sondern Yvonne, die Kampfkuh": Er ist Meister der Betäubung per Blasrohr, doch beim derzeit wohl berühmtesten Tier Deutschlands musste Veterinär Henning Wiesner nachladen - die erste Dosis reichte nicht aus.

dapd

Stefanskirchen - Der erste Schuss trifft Yvonne aus zwölf Metern - aber das Betäubungsmittel wirkt nicht richtig. Nach einer Viertelstunde muss Tierarzt Henning Wiesner das Blasrohr noch einmal anlegen. Yvonne wankt, schwankt - und irgendwann fällt sie doch: Nach fast hundert Tagen in Freiheit in einem Waldgebiet im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn ist die flüchtige Kuh am Freitag auf einer Weide bei Stefanskirchen endlich gefangen worden.

Sie stand kaum im Hänger, da fuhren Mitarbeiter der deutsch-österreichischen Tierschutzinitiative Gut Aiderbichl Yvonne zu ihrem niederbayerischen Hof in Deggendorf. Dort soll die Kuh den Rest ihres Lebens verbringen. Die Mitarbeiter von Gut Aiderbichl sind froh, dass die Suche ein Ende hat. "Ich bin hoch zufrieden, dass es so gelaufen ist", sagt der Leiter des Suchtrupps, Hans Wintersteller, noch auf dem Weg nach Deggendorf.

Bereits am Dienstagabend war die Kuh an einer Weide in der Nähe von Stefanskirchen aufgetaucht, auf der mehrere Kälber standen. Pächter Konrad Galneder ließ sie schließlich auf die Weide, das Gut Aiderbichl wurde am Donnerstagnachmittag informiert. Wiesner, der ehemalige Direktor des Münchener Tierparks Hellabrunn, reiste am Abend an und betäubte das Tier am Freitagmorgen kurz nach der Morgendämmerung.

"Qualitäten eines spanischen Stiers"

Ganz ohne Schwierigkeiten ließ sich die Kuh vom Helfertrupp aber auch im benommenen Zustand nicht verladen. Sie wehrte sich, bäumte sich auf, lief gegen einen Traktor, an dem sie angebunden war. Erst etwa eine knappe halbe Stunde später gelang es, sie hinter dem Traktor her auf die angrenzende Wiese zu führen. Dort stand ein Hänger bereit. Einige Helfer schoben, einige zogen, bis Yvonne endlich in dem Transporter stand.

Selbst Ex-Tierpark-Chef Wiesner hat Yvonne mit ihrem Widerstand überrascht. "Das war kein Yvonnchen, sondern Yvonne, die Kampfkuh". Das Tier habe sich "sehr martialisch verhalten". Ein normales Hausrind hätte sich schon nach dem ersten Schuss bereitwillig wegführen lassen. Nicht Yvonne. "Sie hat die Qualitäten eines spanischen Stiers", sagte Wiesner. Nach der wochenlangen Suche habe sie voll unter Adrenalin gestanden. Runterkommen von ihrem Adrenalinkick soll Yvonne jetzt in auf dem Gnadenhof.

wit/dapd/dpa



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