Eis und Schnee Kaltstart ins Wochenende

Berlin meldet Rekordkälte, auf der Ostsee treibt Eis: Der Winter bestimmt den Dezemberanfang. In den kommenden Tagen soll sich die Wetterlage umstellen - es wird etwas wärmer, mehr Schnee könnte fallen.

DPA

Hamburg - Frost, Frost, Frost: Die Thermometer im ganzen Land zeigen derzeit eisige Temperaturen an. Mit extremen Tiefstwerten hat Deutschland von Donnerstag auf Freitag die kälteste Nacht dieser Wintersaison erlebt. Am meisten wurde im sächsischen Sohland an der Spree gebibbert - bei minus 22 Grad Celsius, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitag mitteilte.

In Berlin wurde laut dem privaten Wetterdienst Meteogroup mit minus 15,1 Grad die kälteste Nacht an einem 3. Dezember seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland gemeldet. Der bisherige Rekord habe bei minus 9,6 Grad im Jahr 1933 gelegen, sagte Meteorologe Thomas Kunze.

In Querfurt in Sachsen-Anhalt ist offenbar ein 62-Jähriger erfroren. Er wurde von einem Mann beim Schneeschaufeln gegen 04.20 Uhr vor einer Sparkasse in der Innenstadt entdeckt, teilte die Polizei mit. Zu diesem Zeitpunkt war er noch ansprechbar. Der Helfer nahm ihn mit ins Haus, leistete Erste Hilfe und rief den Notarzt. Doch der Mann starb trotz Reanimationsmaßnahmen. Da der Tote keine äußeren Verletzungen hat und es keine Anzeichen für ein Fremdverschulden gibt, geht die Polizei von einem Erfrierungstod aus.

ADAC meldet 19.716 Einsätze an einem Tag

Der strenge Winter beeinträchtigte weiter den Verkehr in Deutschland. Auf Straßen und Schienen kam es zwar immer noch vermehrt zu witterungsbedingten Behinderungen, die Lage hat sich im Vergleich zum Donnerstag aber entspannt. Frost und Schnee behinderten vor allem in Sachsen weiterhin den Zugverkehr. Viele Nah- und Fernverkehrsstrecken waren von Dauerfrost und Schneeverwehungen beeinträchtigt.

Auf den Straßen kam es wegen "typischer Winterprobleme" vermehrt zu Notrufen, laut ADAC häufen sich die Unfälle. Der Schneefall hatte auch am Freitag noch Einfluss auf den Straßenverkehr in NRW. Bis zum Mittag zählte die Polizei rund 150 Unfälle mit 18 Verletzten. Es entstand ein Schaden von etwa 500.000 Euro.

Starthilfe müssen die Pannenhelfer ebenfalls verstärkt geben: Auslöser sind schwache Autobatterien und Probleme der Fahrzeugelektrik und Zündsystemen. Weil so viele Autofahrer derzeit die Pannenhilfe in Anspruch nehmen, komme es zu teils mehrstündigen Wartezeiten. Bundesweit waren die Einsatzkräfte des ADAC zu Monatsbeginn 19.716 Mal an einem Tag im Einsatz, sagte der Regionalleiter Pannenhilfe Ost, Frank Buchholz. Der Jahresspitzenwert lag bei 23.181 Einsätzen am 4. Januar 2010.

In den salzarmen Boddengewässern an der Ostsee behindert Eis von bis zu sechs Zentimetern Stärke die Kleinschifffahrt. Besonders betroffen sei das Fahrgebiet zwischen Rügen und Hiddensee, sagte Jürgen Holfort vom Eisdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH). Der strenge Frost reichte bis in die Weinberge des Rheingaus - sehr zur Freude der dortigen Winzer, die bei dem Dauerfrost die Eisweinlese starten konnten.

Auch die europäischen Nachbarn frieren weiter: In Polen kostete die Kälte bislang schon 30 Menschen das Leben. Allein für die Nacht auf Freitag wurden ein Dutzend Todesfälle gemeldet.

Gute Skiverhältnisse im Sauerland und Schleswig-Holstein

Wintersportler und Spaziergänger können sich laut den Wetterdiensten zunächst noch auf optimale Verhältnisse einstellen: Trocken, kalt und teilweise sonnig soll es am Samstag werden, kündigte der DWD an. Am Sonntag ist aber Schnee oder möglicherweise Regen vorhergesagt.

"Die Wetterlage in Deutschland stellt sich am Wochenende komplett um", sagt Thomas Sävert, Meteorologe bei Meteomedia. "Tiefausläufer vom Nordatlantik greifen ab Samstagnachmittag auf Westdeutschland über. Der Frost schwächt sich ab und es ist mit erneutem Schneefall zu rechnen."

Das bedeutet für Ausflüge am Wochenende:

  • Gefährlich wird es laut Meteomedia vor allem in der Eifel, im Bergischen Land und im Sauerland. "Dort werden in der Nacht zu Sonntag mehr als 10 Zentimeter Neuschnee erwartet und es kann sehr rutschig werden", so Wetterexperte Sävert.
  • Im Osten und Süden Deutschlands soll es am Samstag größtenteils trocken bleiben, teilweise komme auch die Sonne raus. Trotzdem bleibe es dort weiterhin frostig. "In der Nacht zu Sonntag zieht ein Tief von Westen heran. Der Schneefall breitet sich in den Osten aus und erstreckt sich über die gesamte Nordhälfte Deutschlands", sagt Sävert. "Der Süden bleibt davon vorerst verschont."
  • Der strenge Frost sei zwar erst mal vorbei, aber Entwarnung gibt der Wetterdienst Meteomedia noch nicht. Eine besondere Gefahr für Autofahrer am Wochenende sei vor allem in den Tiefenlagen von NRW und im westlichen Niedersachen zu erwarten. "Wenn es wärmer wird und regnet, die Böden aber noch gefroren sind, dann haben wir es dort mit extremer Glätte zu tun", so Sävert.
  • Neben den Alpen herrschen auch zum offiziellen Start der Skisaison im Sauerland auf den Loipen und Pisten beste Schneeverhältnisse. Durch die Schneefälle der vergangenen Tage und zusätzliche Beschneiungsanlagen lägen in den Skigebieten bis zu 50 Zentimeter Schnee, sagte der Vorsitzende der Wintersport-Arena Sauerland, Michael Beckmann. Einen Besucheransturm erwartet er zum Wochenende dennoch nicht. Mit der jetzigen Schneemenge sei der Skibetrieb über Weihnachten gesichert, sagte Beckmann.
  • Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt Spaziergänger und Wintersportler, gleich an den ersten frostigen Tagen zugefrorene Seen zu betreten. Zum Schlittschuhlaufen seien die Eisdecken meist noch zu dünn.

Nächste Woche wird sich die Lage voraussichtlich weiter entspannen. In der Nacht zum Montag sorgt mildere Luft laut DWD wieder für wärmere Temperaturen: um null Grad am Tag und bis minus drei Grad in der Nacht werden erwartet.

bac/dpa/dapd/AP



insgesamt 28 Beiträge
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cabotine, 03.12.2010
1. Finde den Fehler ;)
Auch die europäischen Nachbarn frieren weiter: In Polen kostete die Kälte bislang schon 30 Menschen das Leben. Allein für die Nacht auf Freitag wurde ein Dutzend Todesfälle gemeldet, am Donnerstag waren in der Hauptstadt Prag zwei Männer leblos auf der Straße gefunden worden.
Kranken-pfleger 03.12.2010
2. 100 Watt
Mein Verzicht auf 100 Watt Glühbirnen war also erfolgreich. Klimawandel gestoppt.
karmamarga 03.12.2010
3. Es gab aus dem Klimawandel immer zwei Szenarien
Zitat von sysopBerlin meldet Rekordkälte, auf der Ostsee treibt Eis: Der Winter bestimmt den Dezemberanfang. Am Wochenende soll sich die Wetterlage umstellen - es wird etwas wärmer, mehr Schnee könnte fallen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,732773,00.html
eine neue Eiszeit oder eine Erwärmung. Die Erde kann sich wohl noch nicht so ganz entscheiden, jedenfalls lokal, wie sie der Natur ihr Glück wieder geben kann, indem das Krebsgeschwür von ihrer Oberfläche entfernt wird: durch Wärme oder Kälte.
Berlin1261 03.12.2010
4. Warschau, Prag oder doch anders?
Zitat von cabotineAuch die europäischen Nachbarn frieren weiter: In Polen kostete die Kälte bislang schon 30 Menschen das Leben. Allein für die Nacht auf Freitag wurde ein Dutzend Todesfälle gemeldet, am Donnerstag waren in der Hauptstadt Prag zwei Männer leblos auf der Straße gefunden worden.
Tja die paar Hauptstädte unserer europäischen Nachbarn sollte man schon kennen, selbst beim SpOn.
senfdazu 03.12.2010
5. Ich werde dann mal.......
Zitat von Kranken-pflegerMein Verzicht auf 100 Watt Glühbirnen war also erfolgreich. Klimawandel gestoppt.
mit meinem V6 3,2 spazieren fahren, damit der Sommer warm bleibt.....
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