Eisenach Das grausige Ende einer Flugschau

Mehrere Tausend Menschen feierten in Kindel bei Eisenach. Am Ende des Nachmittags bietet der kleine Sportflughafen ein Bild der Verwüstung. Eine Kleinmaschine rast in einen Imbiss und tötet eine Verkäuferin. Mehrere Menschen werden zum Teil schwer verletzt.


Erfurt - Die Maschine rollte los. Doch schon nach wenigen Minuten wussten die Ansager der Flugschau, dass ein Unglück passieren würde. "Start abbrechen, Start abbrechen", hallte es durch den Lautsprecher. So zumindest erinnert sich ein Reporter der "Thüringer Allgemeinen Zeitung". Wenig später geriet das Flugzeug ins Trudeln. "Es hob noch kurz einige Meter vom Boden ab, kam aber nicht mehr auf Höhe und raste dann völlig außer Kontrolle in den Zuckerwatte-Stand", so eine weitere Augenzeugin, die Betreiberin der Flughafengaststätte, Cornelia Stötzer.

Die rund 5.000 Zuschauer auf dem Sportflugplatz "Kindel" bei Eisenach hatten sich eigentlich auf eine Löschaktion des gelben Agrarflugzeugs gefreut. Am Ende des Nachmittags herrschte ein Bild der Verwüstung. "Die Menschen stehen alle da, schweigen, halten sich die Hände vors Gesicht", so der Reporter der Zeitung kurz nach dem Unglück im MDR.

Eine der beiden Verkäuferinnen im Imbiss, eine 45-Jährige, starb noch am Unfallort. Insgesamt wurden drei Menschen nach Angaben der Polizei schwer verletzt, unter ihnen der Pilot. "Der Pilot musste aus dem Flugzeug herausgeschnitten werden", sagte eine Sprecherin. Sieben weitere Menschen seien leicht verletzt worden, unter ihnen zwei Kinder im Alter von neun und 14 Jahren. Fünf Zuschauer hätten einen Schock erlitten. Alle Verletzten seien in die umliegenden Krankenhäuser gebracht worden.

Nach Berichten von Augenzeugen sollte die Propeller-Maschine um 15.54 Uhr starten. "Beim Start sah es dann so aus, als sei plötzlich ein Reifen geplatzt", sagte die Betreiberin der Flughafengaststätte, Cornelia Stötzer. Das Flugzeug sei ins Schleudern geraten. Danach raste es in eine Imbissbude. Die Opfer standen nach Behördenangaben an dieser Bude am Rand des Sportflugplatzes. Die Maschine sei ein Flugzeug- Oldtimer, der zu DDR-Zeiten als Agrarmaschine zum Einsatz kam. Dem Programm des Flugplatzfestes zufolge sollte der Pilot die besonderen Fähigkeiten eines Agrarflugzeuges demonstrieren.

Die auf zwei Tage angesetzte Flugschau wurde abgesagt. Das Luftfahrtbundesamt wurde eingeschaltet; die Polizei in Gotha leitete Ermittlungen zur Unglücksursache ein. Agrarmaschinen des Typs Z 37 wurden in der DDR zum Düngen eingesetzt.

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) reagierte mit Betroffenheit auf die Unglücksnachricht. "Er verfolgt den Fortgang der Ereignisse und bedankt sich bei allen freiwilligen Helfern, die sofort Hilfestellung gegeben haben", sagte ein Sprecher des Regierungschefs.

sev/dpa/Material der Homepage des MDR



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