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Eklat bei Christopher Street Day: Butler lehnt Preis ab

Sie ist Philosophin und legendäre Geschlechter-Theoretikerin: Judith Butler sollte beim Christopher Street Day in Berlin einen Preis für Zivilcourage bekommen. Doch die US-Amerikanerin verzichtete - die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell und oberflächlich.

Berlin - Erst hielt Grünen-Fraktionschefin Renate Künast eine Laudatio auf die linke Theoretikerin, die an der Universität im kalifornischen Berkeley lehrt. Dann kam die 54 Jahre alte Judith Butler selbst auf die Christopher-Street-Day-Bühne am Brandenburger Tor in Berlin. Innerhalb weniger Minuten legte die Philosophin dar, warum sie den Preis der Veranstalter nicht annehmen könne.

Die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell ausgerichtet und richte sich nicht genügend gegen Probleme wie Rassismus und doppelte Diskriminierung - etwa von Migranten, die homosexuell oder transsexuell empfinden.

Ausdrücklich Lob bekamen von Butler Gruppen, die eine Art alternativen Christopher Street Day jedes Jahr in Kreuzberg organisieren. In dieser Berliner Subkultur werde sich noch mit den großen Fragen von Krieg und Frieden und sexueller Identität in einer modernen Gesellschaft auseinandergesetzt. Der alternative, sogenannte Transgeniale CSD findet in diesem Jahr nicht parallel zum großen CSD statt, sondern am kommenden Samstag.

wit/dpa

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1. recht hat er/sie
Tastenhengst, 19.06.2010
Zitat von sysopSie ist Philosophin und legendäre Geschlechter-Theoretikerin: Judith Butler sollte beim Christopher Street Day in Berlin einen Preis für Zivilcourage bekommen. Doch die US-Amerikanerin verzichtete - die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell und oberflächlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,701729,00.html
Da hat sie recht. Zwar hat der CSD den gesellschaftlichen fortschritt gebracht, dass demonstrationen wieder von regierenden politikerInnen gemacht werden, so wie vor 1990, aber ansonsten ist der CSD sexualdialektisch stehengeblieben. Für doppeldiskriminierung und die noch immer tabuisierte diskriminierung von xylosexuellen (ttp://bluthilde.wordpress.com/2010/06/19/neue-sexuelle-orientierung-entdeckt) existiert bei den CSD-organisatorInnen kein problembewusstsein.
2. Ungezogen
PECE 19.06.2010
Das Frau Butler den Preis in dieser Weise abgelehnt hat, ist sehr bedauerlich. Ihre Kritik ist zwar in Teilen nachvollziehbar, die Art und Weise wie sie den Preis ablehnte spricht aber nicht für sie. Sie stieß nicht nur den Veranstaltern, auch den Teilnehmern des CSD vor den Kopf.
3. Hehehehehehehe....
haltetdendieb 19.06.2010
.....Butler wird wahrscheinlich die Aussage von Herrn Anelka für den Beginn des Befreiunngskampfes der unterdrückten Massen interpretieren. Den verblödeten "kommerzialisierten" Veranstaltern gönnen ich diesen FauxpasEklat! Jetzt haben nicht einmal mehr die Schwulen einen gemeinsamen Feind sondern fangen an sich gegenseitig zu bekämpfen! Schwulsein landet im Normalen Leben! Schööön!
4. Meine Hochachtung
gaycuffs, 20.06.2010
Endlich mal eine, die es auf den Punkt bringt. Oberflächlich und kommerziell sind genau die Prädikate, die heute noch von früheren CSDs übrig geblieben sind. Die Mehrheit der Leute, die da heute noch hingehen, wissen noch nicht mal wo die Christopher Street eigentlich ist, noch was da mal vorgefallen ist. Da aber mittlerweile jedes Nest seinen eigenen CSD hat (zumindest hier in Deutschland) ist der Sinn verloren gegangen. Meine Hochachtung gilt da auch den schwulen Gruppen in osteuropäischen Ländern, die trotz größter Widerstände und großen Gefahren versuchen mal einen CSD als politische Veranstaltung zu organisieren. Jedoch in unseren weichgespülten Breiten, wo man als Schwuler heute weitestgehend "frei" leben kann, ist es zu einer Party verkommen, auf der grell geschminkte und kreischende Tucken genau das präsentieren, was nicht die Mehrheit der Schwulen in diesem Land repräsentiert. Aber diese Modeerscheinung wird wie die Loveparades irgendwann ohnehin verschwinden. Mit jedem weiten Dorf-CSD und einen vollem Terminkalender im Sommer werden die einzelnen Veranstaltungen immer kleiner. Hoffentlich ist der Punkt bald erreicht.
5. Butlers folgerichtige Entscheidung
kjartan75 20.06.2010
Zitat von sysopSie ist Philosophin und legendäre Geschlechter-Theoretikerin: Judith Butler sollte beim Christopher Street Day in Berlin einen Preis für Zivilcourage bekommen. Doch die US-Amerikanerin verzichtete - die Veranstaltung sei ihr zu kommerziell und oberflächlich. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,701729,00.html
Super, meine Hochachtung vor dieser Entscheidung. Am Freitag hat Butler noch in der Volksbühne einen bemerkenswerten Vortrag über Queere Bündnisse und Antikriegspolitik gehalten und dort nochmals darauf hingewiesen, dass man auf die Straße gehen sollte und für eine bestimmte politische "queere" Haltung demonstrieren sollte. Konsequent und richtig ist, dass sie den Preis abgelehnt hat, weil der CSD mitnichten ein politisches Statement hatte. "Normal ist anders" - wow...welch ein Motto, die Organisatoren sollten sich überlegen, ob sie wirklich ihre Ziele auf die Rechte von Homosexuellen und Transgender eingrenzen wollen. (wie Butler auch sagt) "queer" sollte nicht als Identitätskategorie begriffen werden, sondern als politischer Begriff, der "queer" eben nicht als etwas feststehendes versteht. Politik findet nicht mehr wirklich statt beim CSD. Schade, wieder eine Chance verpasst, dieser Partyveranstaltung mehr Ernst zu verleihen und über die reinen Homo-Transgenderthemen hinaus zu gehen und über den Tellerrand zu schauen. Butlers Ablehnung sollte ein Signal sein. Die Organisatoren sollten im kommenden Jahr Konsequenzen ziehen.
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