"Emma" vs. Dirndlausschnitt-Bierdeckel Da braut sich was zusammen

Die Frauenzeitschrift "Emma" findet ein Dekolleté-Foto auf Bierdeckeln des Hofbräuhauses Traunstein "mega-out". Die Sache zieht Kreise. Das freut die Redaktion. Die Brauerei aber auch.

Hofbräuhaus Traunstein
Hofbräuhaus Traunstein

Hofbräuhaus Traunstein

Von , München


Es ist gefährlich mit dem Dirndlausschnitt. Mit dem angehobenen Dekolleté des alpenländischen Trachtgewandes. Man kann deswegen, wie der Bayer sagt, sakrisch neidappn. Also darüber derart stolpern, dass schon mal der Rücktritt aus politischen Ämtern angedacht wird.

So geschehen 2013 dem damaligen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Er hatte einer Journalistin mit Blick auf ihren Busen bescheinigt, sie könne "ein Dirndl auch ausfüllen". Der Spruch beherrschte tagelang die Schlagzeilen und heizte die Debatte über den schmalen Grat zwischen Kompliment und Sexismus an.

Jetzt befasst sich die Zeitschrift "Emma" mit dem Ausschnitt der Trachtenträgerin. Die Redaktion hat sich in der aktuellen Ausgabe für ihre Rubrik "Werber & Frauen" den Bierdeckel des Hofbräuhauses Traunstein vorgenommen. Den schmückt der vom Dirndl-Oberteil umrahmte Busen einer Biergartenbedienung vom Chiemsee. Davor: die Schaumkronen gut eingeschenkter Maßkrüge. "Was darf's sein?" schreibt die Brauerei darüber.

"Eine Werbung, die Frauen nicht als Ware präsentiert!"

Zweideutig? Offenbar nicht nur das. "Emma" findet den Papp-Untersetzer "mega out". "Was es sein darf? eine Werbung, die Frauen nicht als Ware präsentiert!" heißt es in der Rubrik der Mai/Juni-Ausgabe. Offenbar befürchtet man bei "Emma", jemand könnte statt der Maß die Frau ordern, zumindest aber ihre Brüste.

Es stellt sich eine Frage: Warum beschäftigt sich "Emma" jetzt mit dem Bierdeckel? Den gibt es schließlich schon seit 15 Jahren. Katharina Gaßner, die Marketingleiterin des Traunsteiner Hofbräuhauses, entwarf ihn einst für die Produktlinie des "Hellen" Traunsteiner Bieres. Gelegentlich, sagt Gaßner, habe sich eine Gleichstellungsstelle oder eine Urlauberin gemeldet - und das Busenfoto kritisiert. "Aber das waren Einzelne."

Jetzt habe jemand offenbar die "Emma"-Redaktion auf den Untersetzer aufmerksam gemacht. Die Berichterstattung in "Emma" und die Artikel darüber haben der Brauerei in jedem Fall viel Aufmerksamkeit gebracht, unter anderem berichtete der Bayerische Rundfunk.

Brauerei antwortet auf Facebook

Auf Anfrage des SPIEGEL teilte "Emma" mit, man sei beeindruckt, welche Wellen die Bierdeckel-Meldung ausgelöst habe. "So soll es sein." Eine Leserin, dem Namen nach zu urteilen eine echte Bayerin, habe die Redaktion auf die Sache gestoßen. "Ansonsten: Wir kennen zufällig das Bier aus Traunstein: Es schmeckt sehr gut! Und die Damen, die in bayerischen Bierhäusern die Maß schleppen - und da in der Regel viel mehr als zwei! - haben unsere ganze Hochachtung!"

Hofbräuhaus-Marketingchefin Gaßner hatte sich schon zuvor via Facebook an "Emma" gewandt. Es freue sie, "dass nach mehr als zehn Jahren auch ihr unseren Bierdeckel entdeckt habt", schrieb Gaßner. "Hättet ihr eines unserer Biere genossen, wäre euch unsere bayerisch-fröhliche Lebensart nicht entgangen." Der Bierdeckel zeige eine bayerische Bedienung, "seit jeher Inbegriff einer starken mutigen witzigen Frau".

Eine solche Kellnerin frage Gäste natürlich: "Was darf's sein?"



insgesamt 37 Beiträge
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lesheinen 24.05.2017
1.
Die Dirndl tragenden Damen wissen, was sie tun. Auch die Dame auf dem Bierdeckel wusste es, als sie für das Bild Modell stand. Nun steht der Bierseidel meist mittig auf dem Deckel, verdeckt diesen, mithin auch den Ausschnitt. Natürlich ist die optische Verbindung zwischen Bierschaum und Busen sehr deutlich. Na und? Vollbildaufnahmen mit offenherzigen, sich vornüber beugenden, an die zehn Seidel mit sich schleppenden Bedienungen sind aber genauso "anregend" und werden nicht angeprangert. Was will "Emma" also? Ein Schmarren.
cosmopolitan75 24.05.2017
2. Mir sind...
... Dirndl lieber als dicke Mädchen in Leggins. Und wieder mal erreichen die HüterInnen der political correctness mit ihren Maßregelungen genau das Gegenteil dessen, was sie beabsichtigen. Einen Glückwunsch an die Brauerei und ihr Marketing!
petrapanther 24.05.2017
3.
Meine Güte, Werbung wie aus den 50er Jahren - und diese Hinterwäldler sind auch noch stolz darauf! Na gut, gönnen wir ihnen ihre fünf Minuten im Rampenlicht, danach verschwinden sie samt Dirndl, Masskrug und ewiggestrigem Weltbild wieder in der wohlverdienten Bedeutungslosigkeit. Bayrisches Bier schmeckt ohnehin nicht.
Hyacinth 24.05.2017
4. Kein Problem
Eine Dirndlträgerin muss das abkönnen, sonst sollte sie sich anders kleiden. Wer im Dirndl oder im Minirock kokettiert, will Blicke auf sich ziehen! Was allerdings nicht heißt, dass wie auch immer geartete Sprüche akzeptabel wären, die abzüglich sind. Die Werbung, die zum Bier eines Hofbräuhauses passt, finde ich ganz und gar nicht unangemessen.
reflexxion 24.05.2017
5. dieser Deckel ist mega-in; Emma hingegen total out
Was ist denn schon dabei, das Bild ist harmloser als das Vorabendprogramm in der ARD oder dem ZDF. Das ständige gleichzeitige überbewerten von Frauen im Feminismus und abwerten durch die falschen Schutzforderungen der Emanzen nervt zur Zeit unheimlich. Woher kommt diese Welle an sexueller Dummheit (Dämlichkeit wäre sich auch wieder falsch gewählt)? Haben Frauen nichts besseres zu tun als zum einen Gleichbehandlung dabei aber gleichzeitig auch Bevorzugung zu fordern? Hallo, liebe Damen - das ist eine Wiederspruch in sich. Ich war mal in einer UMschulung vom Arbeitsamt (das dieß da noch so) 24 männliche Teilnehmer und eine Frau mit Hochschulabschluß. Natürlich war sie eindeutig die Beste im Kurs, muss man neidlos anerkennen - aber dann kam es: sie nahm eine Stelle im öffentlichen Dienst an, die sie über die Frauenquote bekam. Haben Frauen so wenig Selbstwertgefühl wenn cie nicht darauf pochen wegen ihrer überragenden Fähigkeiten genommen zu werden? Was lernt man aus so was? Ich habe daraus gelernt das viele Frauen an der vorhandenen Situation wohl eine Mitschuld haben. Wer sagt er sei genauso oder sogar besser leistungsfähig als Männer, der muss auf Frauenquten bewusst verzichten. Das kann doch nicht so schwer sein. Aber bis jetzt hat sich in jeder Diskussion mit Frauen ergeben, das sie das Problem nicht verstehen (wollen). Ist da vielleicht doch ein Mangel an logischem Denkvermögen genetisch bedingt vorhanden???
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