Sorgerechtsstreit in England: Paar verliert Pflegekinder wegen Parteimitgliedschaft
Einem englischen Ehepaar werden drei Pflegekinder entzogen, die Jugendbehörde hat wegen der Mitgliedschaft der Eheleute in einer rechtspopulistischen Partei Bedenken. Das Paar fühlt sich stigmatisiert, die Kommune verteidigt die Entscheidung - der Fall wird zum Politikum.
London - Das Paar aus South Yorkshire nimmt seit sieben Jahren Pflegekinder auf, etwa ein Dutzend hat es schon betreut. Zuletzt lebten drei Kinder bei den Eheleuten - bis die Jugendbehörde der Stadt Rotheram die Kinder aus der Familie nahm. Als Begründung hieß es, die Kinder "nicht-weißer, nicht-britischer Herkunft" seien bei den Pflegeeltern nicht in einem für sie optimalen kulturellen Umfeld gewesen. Man habe Bedenken in Bezug auf die Ansichten des Paares über Einwanderung und Multikulturalismus gehabt.
Konkret: Der Mann und die Frau sind Mitglieder der UK Independence Party (Ukip). Diese will unter anderem die Einwanderung begrenzen und fordert den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Das Paar sagte dem "Daily Telegraph", Sozialarbeiter hätten sie beschuldigt, einer "rassistischen Partei" anzugehören.
"Ich war entgeistert", zitiert die Zeitung die Frau. Sie habe die Behördenmitarbeiter gefragt, was die Parteimitgliedschaft mit der Entscheidung zu tun habe. Einer habe geantwortet, die Ukip betreibe rassistische Politik. Die Pflegemutter verteidigt sich: "Diese Kinder wurden geliebt. Sie wurden nicht anders behandelt als unsere eigenen Kinder. Wir hätten die Kinder nicht aufgenommen, wenn wir Rassisten wären."
Alle Pflegekinder in der Familie waren laut "Guardian" Angehörige ethnischer Minderheiten. Das Paar fürchtet, stigmatisiert zu werden und den Status als Pflegeeltern zu verlieren.
Die Leiterin der Jugendbehörde sagte, die Kinder seien als Notfälle in der Familie untergebracht worden. Die Pflegschaft sei ohnehin nicht langfristig angelegt gewesen. In der Vergangenheit sei die Stadt von einem Richter wegen mangelnder Rücksichtnahme auf kulturelle und ethnische Bedürfnisse der Kinder kritisiert worden. Diese Faktoren "müssen bei der Unterbringung von Pflegekindern berücksichtigt werden". An der Behandlung der Kinder durch das Ehepaar habe die Kommune nichts auszusetzen.
Ob die Parteizugehörigkeit der entscheidende oder gar einzige Grund für das Ende der Pflegschaft war, ist unklar. Dennoch ist der Fall längst zum Politikum geworden. Ukip-Parteiführer Nigel Farage forderte die Jugendbehörde in Rotheram auf, genau darzulegen, wie es zu der Entscheidung kam. Er wies in einer Erklärung Vorwürfe einer rassistischen Politik zurück, das sei ein "politisches Vorurteil der schlimmsten Sorte".
Die Labour Party forderte den von Parteifreunden dominieren Stadtrat laut "Guardian" auf, die Angelegenheit zu untersuchen. Labour-Chef Ed Miliband sagte, Ukip-Mitglied zu sein, dürfe kein Hindernis für Pflegeeltern sein.
Die Ukip liegt in der Wählergunst derzeit laut Umfragen bei neun Prozent. Laut "Telegraph" wurde sie zunächst als Ein-Thema-Partei angesehen. Inzwischen sei sie aber in der politischen Mitte angekommen. Im englischen Unterhaus sitzt kein Vertreter der Partei, im Oberhaus hat sie drei Mitglieder - ehemalige Tories. Zwölf Ukip-Abgeordnete sitzen zudem im Europäischen Parlament.
ulz/dpa
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