Tweet mit Folgen: Autofahrerin brüstet sich mit Attacke gegen Radler

"Habe definitiv einen Radfahrer vom Rad gestoßen": Dieser Twitter-Eintrag hat einer jungen Britin jede Menge empörte Reaktionen eingebracht - und sogar berufliche Konsequenzen, auch die Polizei ermittelt. Nun spricht die 21-Jährige vom größten Fehler ihres Lebens.

Norwich - Ein paar Tage nach dem Vorfall spricht Emma Way von einem "spontanen, dummen Kommentar". Die 21-Jährige war am Sonntag mit dem Auto in Norfolk unterwegs - und prahlte anschließend mit ihrem wüsten Verhalten einem Radfahrer gegenüber auf Twitter. Die junge Britin schrieb, sie habe "definitiv einen Radfahrer vom Rad gestoßen".

"Ich habe Vorfahrt!", hieß es in dem Twitter-Eintrag weiter. Way rechtfertigte das damit, dass der Radfahrer angeblich keine Steuern für die Benutzung der Straße zahle. Der Kommentar enthielt zudem den Hashtag #Bloodycyclists (auf deutsch: verfluchte Radfahrer).

Pech für Emma Way: Die zuständige Polizeidienststelle in Norwich wurde auf die Nachricht aufmerksam. Die Ermittler legten ihr - ebenfalls über Twitter - nahe, sich selbst anzuzeigen. Diese Aufforderung verbreitete sich rasch im Netz, wurde Hunderte male retweetet. So konnte auch das mutmaßliche Opfer identifiziert werden. Toby Hockley, ein 29 Jahre alter Hobby-Radsportler, der an einem Rennen teilgenommen hatte.

Seine Version der Geschichte spielte sich laut BBC so ab: Plötzlich sei ihm auf einer engen Landstraße ein Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit entgegengekommen - auf der falschen Straßenseite. Ein Außenspiegel habe ihn berührt und er sei in einer Hecke gelandet. Hockley beschrieb die Situation als "Beinaheunfall". Er sei erstaunt gewesen, dass die Autofahrerin nicht angehalten habe.

Emma Way bezeichnete ihren Tweet im Interview mit der BBC als "größten Fehler ihres Lebens". Sie bestritt jedoch Hockleys Version des Vorfalls. "Er fuhr auf meiner Seite der Straße", sagte sie, "ich habe gespürt, dass sein Lenker meinen Außenspiegel berührt hat, und meine erste Reaktion war, zu bremsen, anzuhalten und in den Spiegel zu schauen." Der Radfahrer sei leicht ins Schwanken geraten, aber nicht gestürzt.

"Der Tweet war dumm und kindisch", sagte Way, und sie allein sei für die Reaktionen darauf verantwortlich. Aber die Medien hätte es schlimmer gemacht, als es tatsächlich gewesen sei. "Wenn ich einen schlimmen Unfall verursacht hätte, wäre ich stehengeblieben", so die 21-Jährige. "Falls ich ihn verletzt haben sollte, dann tut es mir leid."

Die Ermittlungen der Polizei laufen noch. Emma Way wurde von ihrem Arbeitgeber jedoch erst einmal beurlaubt. Solche Twitter-Nachrichten von Angestellten würden nicht geduldet, teilte das Steuerberater-Büro mit, in dem Way eine Ausbildung macht.

wit

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insgesamt 43 Beiträge
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1.
BüroCowboy 24.05.2013
Zitat von sysop"Habe definitiv einen Radfahrer vom Rad gestoßen": Dieser Twitter-Eintrag hat einer jungen Britin jede Menge empörte Reaktionen eingebracht - und sogar berufliche Konsequenzen, auch die Polizei ermittelt. Nun spricht die 21-Jährige vom größten Fehler ihres Lebens. England: Britin brüstet sich via Twitter mit Attacke gegen Radfahrer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/england-britin-bruestet-sich-via-twitter-mit-attacke-gegen-radfahrer-a-901723.html)
Der Vorfall erinnert mich an das nachfolgende Youtube Video und betont in diesem Zusammenhang recht deutlich die Macht des Internets. FP07KJN Road Rage Assault on Cyclist - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=JepRJC1DVCM)
2. Gleich gehts los
Connor Larkin 24.05.2013
Zitat von sysop"Habe definitiv einen Radfahrer vom Rad gestoßen": Dieser Twitter-Eintrag hat einer jungen Britin jede Menge empörte Reaktionen eingebracht - und sogar berufliche Konsequenzen, auch die Polizei ermittelt. Nun spricht die 21-Jährige vom größten Fehler ihres Lebens. England: Britin brüstet sich via Twitter mit Attacke gegen Radfahrer - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/england-britin-bruestet-sich-via-twitter-mit-attacke-gegen-radfahrer-a-901723.html)
Die radikalen Autofahrer werden jetzt gleich hier applaudieren und sich auf ihr Gott gegebenes Recht auf alleinige Straßenbenutzung pochen. Die militanten Radfahrer werden ein Fahrverbot auf Lebenszeit für die Autofahrerin fordern. Leider wird ja auch in D nicht mehr auf andere Verkehrsteilnehmer Rücksicht genommen. Jeder sieht sich alleine im Recht. Ich selber bin Rad- und Autofahrer und wunder mich immer wieder über das Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer. Es gibt ein paar so einfache Regeln für das zusammenleben. Als Autofahrer beim Vorbeifahren an Radfahrern oder Fußgängern 1- 1,5 m Abstand halten. Als Radfahrer nicht zu zweit neben einander oder in der Mitte der Fahrbahn. Wobei man immer beachten sollte ein Radfahrer sollte zu seiner eigenen Sicherheit 0,5 - 1 m Abstand zum Fahrbanrand halten. Innerorts muss er das verkehrsrechtlich sogar, denn wenn er zu nahe am Bordstein fährt und einen Fußgänger der an die Bordsteinkante tritt tuschiert, ist er Schuld.
3.
Kassian 24.05.2013
Obgleich das Verhalten der Fahrerin nicht akzeptabel war (bei Unfällen hält man einfach an, egal wer Schuld war) muss ich sagen das es mir inzwischen massiv missfällt das jeder Tweet bzw. jedes Facebook-Posting im Leben gegen einen verwendet wird bzw. werden kann. Ich frage mich wirklich wie unsere Gesellschaft, z.b. der Arbeitgeber der jungen Frau auf die Idee kommt das dieser Tweet ihn auch nur periphär tangiert (bitte komme mir niemand mit Unternehmenswerten/kultur/leitbild) und die Dame nun berufliche Konsequenzen fürchten muss für einen Vorfall der sich offenbar in ihrer Freizeit ereignet hat. Aus genau diesem Grund habe ich z.b. keinen Facebook Account, man weiß eben nie wer alles mitliest, zudem ist das Prinzip mit "Freunden" mir suspekt. Unsere Gesellschaft sollte sich dringend wieder darauf besinnen das nicht alles was jemand von sich gibt in allen Lebenslagen gegen diesen verwendet werden kann. Natürlich kann man anmerken das die Frau selber verantwortlich ist wenn sie solche Dinge ins Internet stellt, doch wer kann in der heutigen Zeit wirklich 100%ig sagen das nur das online ist was auch online sein soll/darf? Der Seelenstrip der online gepflegt wird ist meiner Ansicht nach erschreckend.
4. Rennräder & Radwege
kerckhofs 24.05.2013
Wenn ich mit dem Rad fahre,bin ich dankbar für jeden Radweg. Aber ich kriege jedes Mal eine Hasskappe, wenn ich Rennradfahrer sehe, die diese eben nicht benutzen und mich als Autofahrer behindern und einen Hinweis auf den vorhandenen Radweg allenfalls mit einem Stinkefinger quittieren. Sollte es sich bei dem geschliderten Vorfall um einen Raffahrer dieser Kategorie handeln, hält sich mein Mitleid in Grenzen...
5. Zustimmung
Connor Larkin 24.05.2013
Zitat von KassianObgleich das Verhalten der Fahrerin nicht akzeptabel war (bei Unfällen hält man einfach an, egal wer Schuld war) muss ich sagen das es mir inzwischen massiv missfällt das jeder Tweet bzw. jedes Facebook-Posting im Leben gegen einen verwendet wird bzw. werden kann.
Da gebe ich Ihnen Recht. Der Tweet zeigt zwar schön wie dumm diese junge Frau sein muss. Er zeigt zudem wie wenig die junge Generation auf ihre Privatsphere achtet. Was aber auch sehr schön zu erkennen ist, ist wie gefährlich ein Klarnamenzwang im Netz wäre. Was ich privat von mir gebe geht meinen Arbeitgeber nur dann was an, wenn ich über ihn rede. Ich twittere unter Pseudonym genauso wie ich hier unter einen Pseudonym schreibe und selbst mein Facebook Account ist unter falschem Namen. Ich nutze aber Facebook auch nicht als soziales Netzwerk, dafür würde ich dann wohl meinen richtigen Namen nehmen. Aber dann muss man halt genau schauen was man so von sich gibt.
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