London - Die Entführung eines griechischen Supertankers markiert nach Ansicht der Tankschifffahrts-Vereinigung Intertanko eine signifikante Veränderung des Piratenproblems im Indischen Ozean. Diese "Krise" könne die zentralen Schifffahrtswege gefährden, teilte die Vereinigung an diesem Mittwoch in London mit.
Bewaffnete Piraten hatten die "Irene SL" 360 Kilometer vor der Küste Omans in ihre Gewalt gebracht. Der 333-Meter-Supertanker mit 25 Besatzungsmitgliedern hat Rohöl im Wert von etwa 200 Millionen Dollar an Bord. Er war auf dem Weg in den Golf von Mexiko. Die griechische Reederei Enesel teilte mit, derzeit gebe es keinen Kontakt mit dem Schiff. Wohin der Tanker nun steuert, ist unklar.
Laut Intertanko hat die "Irene SL" zwei Millionen Barrel Öl (270.265 Tonnen) geladen. Das sind etwa 20 Prozent des täglichen Rohölimports der USA.
"Die Piraterie-Situation gerät im gesamten Indischen Ozean außer Kontrolle", sagte Joe Angelo von Intertanko der Nachrichtenagentur Reuters. Wenn Piraterie im Indischen Ozean ungehindert weitergehe, werde der Ölnachschub in die USA und den Rest der Welt erheblich gestört.
Der Schifffahrtsindustrie zufolge passieren mehr als 40 Prozent der weltweiten Öltransporte zu Wasser den Golf von Aden und den Indischen Ozean. Dort besteht große Gefahr der Angriffe von Piraten, die zunehmend gut ausgestattet sind. Eine Sprecherin der internationalen Anti-Piraterie-Taskforce sagte, dass Piraten Mutterschiffe nutzen und manche Angriffe bis zu 1600 Kilometer von der somalischen Küste entfernt stattfinden.
Tanker für Piraten besonders attraktiv
Die Piraten verdienen durch Lösegelder Millionen Dollar. Tankschiffe sind für sie wegen des Öls an Bord besonders lukrativ. Trotz erhöhter Präsenz schaffen es die Seestreitkräfte mehrerer Länder nicht, die Angriffe zu unterbinden - die Distanzen sind einfach zu groß.
Trotz eines internationalen Marineeinsatzes gegen Piraterie am Horn von Afrika sind in den vergangenen Monaten wieder zahlreiche Schiffe gekapert worden. So hatten somalische Piraten erst am Dienstag einen italienischen Öltanker im Indischen Ozean in ihre Gewalt gebracht.
Vor zwei Wochen kaperten Piraten die " Beluga Nomination" einer deutschen Reederei und verschleppten das Schiff vor die somalische Küste. Ende Dezember war ein deutscher Chemietanker nach fast acht Monaten in der Gewalt von Piraten freigekommen - gegen ein Lösegeld von 5,5 Millionen Dollar.
Nach Angaben des Außenministeriums in Seoul wurde ein südkoreanisches Schiff mit insgesamt 43 Besatzungsmitgliedern am Mittwoch von Piraten freigelassen. Die "Keummi 305" fuhr von Somalia aus in Richtung internationaler Gewässer. Das Schiff wurde vor vier Monaten vor der kenianischen Insel Lamu entführt. Über eine mögliche Lösegeldzahlung wurde zunächst nichts bekannt.
ulz/dpa/Reuters/AP
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