Entführungsdrama Osthoff auf dem Weg nach Deutschland

Die wochenlangen Bemühungen der Bundesregierung waren erfolgreich: Die entführte Susanne Osthoff ist frei und hat den Irak nach SPIEGEL-Informationen bereits verlassen.


Kairo/Berlin - Susanne Osthoff bestieg noch in der Nacht ein Flugzeug. Nach wie vor ist unklar, ob Lösegeld bei der Freilassung im Spiel gewesen ist.

"Wir sind glücklich, jetzt können wir wieder zu Menschen werden", teilte Robert Osthoff, der Bruder der Freigelassenen, über den Nachrichtensender n-tv mit. Die vergangenen Wochen seien ein "Wahnsinn" gewesen. Seine Schwester sei in Sicherheit. Ihr ginge es den Umständen entsprechend gut. Er sei dankbar, in seiner Familie herrsche große Freude.

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Susanne Osthoff: Drei Wochen in Geiselhaft

"Wir zünden jetzt Kerzen an, wir beten, und dann wollen wir vielleicht endlich wieder unsere Ruhe haben. Ich bin froh, ich bin glücklich, das kann ich nur sagen", sagte Robert Osthoff. "Wenn Sie Kinder haben, dann beten Sie für Ihre Kinder, das sage ich Ihnen", sagte der hörbar bewegte Osthoff. Er betonte, seine Schwester Anja und seine Mutter hätten sich jetzt "eine Auszeit" genommen. Trotzdem sagte Osthoffs Mutter Ingrid Hala später: "Man glaubt nicht, dass es sowas Positives auch mal gibt". Sie habe die gute Nachricht erhalten, nachdem sie bei Freunden zum Kaffee gewesen sei.

Außenminister Franz-Walter Steinmeier bestätigte kurz nach 19 Uhr die Freilassung. Osthoff sei seit Sonntag in sicherer Obhut, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Die 43-jährige Archäologin sei in guter körperlicher Verfassung. Die Entführer hätten angekündigt, auch Osthoffs irakischen Fahrer freizulassen.

Im Namen der gesamten Bundesregierung wolle er all jenen Dank sagen, die zu dem glücklichen Ende der Entführung beigetragen hätten. Steinmeier erinnerte zugleich an all jene Menschen, die noch immer in der Gewalt von Geiselnehmern im Irak seien. Weitere Einzelheiten über die Freilassung wollte Steinmeier nicht nennen. "Heute nicht", sagte der Außenminister.

Osthoff war am 25. November zusammen mit ihrem Fahrer von Unbekannten im Nordirak verschleppt worden. Die Entführer hatten in einer Videoaufzeichnung ein Ende der Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Irak verlangt. Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten sich intensiv um die Freilassung der Geiseln bemüht.

Osthoffs Schwester Anja hatte sich am Mittwoch mit einem eindringlichen Appell an die Deutschen gewandt und sie zur Solidarität mit der Geisel aufgerufen. Rund 300 Menschen nahmen am Mittwochabend an einer Mahnwache für Osthoff teil. Zuvor hatten sich zahlreiche deutsche Prominente in öffentlichen Appellen an die Entführer gerichtet und Osthoffs Freilassung gefordert.



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