Entgleiste Pendlerbahn Dutzende Tote bei Zugunglück in Buenos Aires

Opfer lagen zwischen Metall und Glasscherben: Bei einem Unglück in Argentiniens Hauptstadt sind Dutzende Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden. Ein voll besetzter Pendlerzug fuhr offenbar zu schnell in einen Bahnhof ein und rammte einen Prellbock.

REUTERS

Buenos Aires - Bei einem Zugunglück in Buenos Aires sind mindestens 550 Menschen verletzt und Dutzende getötet worden. Dies teilte das Verkehrsministerium in der argentinischen Hauptstadt mit. Zunächst war von rund 340 Verletzten die Rede gewesen. Medienberichten zufolge entgleiste am Morgen ein mit 2000 Personen voll besetzter Zug und rammte einen Bahnsteig im Bahnhof Once.

"Manche Leute sind immer noch eingeklemmt, manche sind am Leben, es könnte aber auch Tote gegeben haben, sagte Verkehrsminister Juan Pablo Schiavi direkt nach dem Unglück. Wenige Stunden später war es traurige Gewissheit: ein Polizeisprecher teilte mit, 49 Menschen seien gestorben.

Der Zug war offenbar zu schnell in den Bahnhof eingefahren und hatte den Prellbock am Ende der Gleise mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Kilometern in der Stunde gerammt. Dadurch sei die Lokomotive zusammengequetscht worden und die Wagen hätten sich bis zu sechs Meter ineinander verschoben.

Überlebende berichteten, viele Leute seien in Trümmern aus Metall und Glas gefangen. Die Fenster seien zersprungen, als die Dächer durch die Wucht des Aufpralls von den Waggons abgetrennt worden seien.

"Ich fiel, stürzte auf andere Menschen"

"Es war zu sehen, dass der Zug nicht bremsen konnte und dann aufschlug", sagte eine Frau, die an Bord des Zuges war, laut der Online-Ausgabe der argentinischen Tageszeitung "La Nacion". "Ich fiel, stürzte auf andere Menschen", sagte sie dem Blatt zufolge. "Die ersten drei Waggons wurden einer über den anderen geschoben", so die Passagierin. "Ich bin ein ziemlich aufgeregt. Menschen sind eingeschlossen, die Türen ließen sich nicht öffnen und wir mussten durch die Fenster klettern."

Der Zug war den Angaben zufolge überbelegt. Leute standen zwischen den Sitzen und wurden beim Aufprall umhergeschleudert. Diejenigen mit leichteren Blessuren, etwa Prellungen, warteten, bis Hubschrauber und mehr als ein Dutzend Krankenwagen die Schwerverletzten ins Krankenhaus brachten.

"Diese Lokomotive hat erst gestern die Werkstatt verlassen und die Bremsen funktionierten gut. Nach unserer Kenntnis klappte das Bremsen an vorangegangenen Bahnhöfen problemlos", sagte ein Sprecher der Bahngewerkschaft. Der Lokführer sei im Krankenhaus und habe noch nicht befragt werden können. Die Züge des betroffenen Unternehmens stammen aus den 60er Jahren.

Erst im September hatte es ein schweres Zugunglück im Westen der argentinischen Hauptstadt gegeben, als im morgendlichen Berufsverkehr zwei Züge und ein Bus kollidierten. Elf Menschen wurden dabei getötet und mehr als 200 verletzt. Bei einem weiteren Zugunglück im Dezember wurden in einem Vorort von Buenos Aires 17 Menschen verletzt. Beim schwersten Zugunglück in der Geschichte des Landes starben 1970 insgesamt 200 Menschen.

ulz/AFP/AP/dpa



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