Entlaufene Kuh "Yvonne" narrt ihre Jäger

Seit Wochen läuft "Yvonne" in einem bayerischen Waldgebiet umher, an der vorbeiführenden Landstraße müssen Autofahrer Tempo 30 fahren statt 100. Nun droht dem Tier der Abschuss. Tierschützer wollen die Kuh retten.

Kuh "Yvonne" Mitte Juli: Geschwindigkeit auf Streckenabschnitt reduziert
DPA/ Josef Enzinger

Kuh "Yvonne" Mitte Juli: Geschwindigkeit auf Streckenabschnitt reduziert


Hamburg - Die Kuh, die im bayerischen Landkreis Mühldorf für Aufregung sorgt, kostete zuletzt etwa 700 Euro. Diese Summe haben Tierschützer von Gut Aiderbichl für das Tier bezahlt, das einem Landwirt Ende Mai entlaufen ist - und seitdem als "wilde Kuh" in einem Waldgebiet herumstreunt. "Sie bereitet uns ganz schön Kopfzerbrechen", sagt eine Aiderbichl-Sprecherin.

Die Tierschützer wollen die Kuh einfangen und auf ihren Hof bringen, bevor sie wegen einer möglichen Gefährdung des Straßenverkehrs erschossen werden könnte. Doch trotz aller Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, das Tier zu schnappen. "Yvonne" wurde die Kuh inzwischen getauft.

Aus Sicherheitsgründen hat das Landratsamt Mühldorf in einem mehrere hundert Meter langen Straßenabschnitt bereits das Tempo reduziert: Zunächst auf 70 Kilometer pro Stunde, dann auf 50 und schließlich auf 30. Normalerweise ist auf der Staatsstraße von Zangberg nach Oberbergkirchen Tempo 100 erlaubt.

Als "Yvonne" am Freitag kurz vor einem Polizeiauto über die Straße lief, reagierte das Landratsamt erneut: Die Kuh wurde zum Abschuss freigegeben. Mit Betäubungspfeilen und scharfer Munition sind zwei Männer auf der Suche nach dem Tier. Die erste Option sei es, das Tier zu betäuben, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes. Sollte jedoch eine Gefährdung des Straßenverkehrs oder von Menschen bestehen, darf die Kuh erschossen werden.

Um einem drohenden Abschuss zuvorzukommen, sucht Gut Aiderbichl mit mehreren Mitarbeitern nach "Yvonne". Sie nutzen auch ein Quad, ein Geländefahrzeug mit vier Rädern. Sogar drei Jäger wurden angeheuert, um die Kuh einzufangen.

Gut Aiderbichl versteht sich als Gnadenhof, als Zufluchtsort für Tiere, die aus Notsituationen gerettet wurden. Nach Angaben von Gründer Michael Aufhauser gehören dazu insgesamt rund 400 Rinder, davon etwa 100 entlaufene. In der Regel gelänge es, die Tiere zu fangen. "Wir sind guter Dinge", sagt Aufhauser, "dass wir auch Yvonne kriegen."

hut



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