Erdbeben in China: Fast 56.000 Tote - 5,5 Millionen Gebäude zerstört

Elf Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Südwestchina ist die Zahl der Toten auf fast 56.000 gestiegen. Zehntausende werden in der Provinz Sichuan noch vermisst. Jetzt will die Regierung per Lotterie Geld für die Katastrophenopfer sammeln.

Peking - Der Vizegouverneur der Erdbebenprovinz Sichuan, Li Chengyun, berichtete am heutigen Freitag, dass noch 25.000 Menschen vermisst würden. Auf die Frage, wer unter die Kategorie "Vermisste" falle, sagte ein Sprecher des für die Katastrophenhilfe zuständigen Verwaltungsministeriums in Peking: "Es kann bedeuten, dass wir die Leiche oder die Person nicht finden können." Mehr als 200.000 Freiwillige seien derzeit im Katastrophengebiet aktiv, berichtete der Vizegouverneur von Sichuan. Allein in seiner Provinz seien 55.239 Tote gezählt worden. In Nachbarprovinzen seien mindestens 577 Menschen ums Leben gekommen. "Wir brauchen Zelte und vorübergehende Unterkünfte", sagte Li Chengyun.

Etwa 5,5 Millionen Gebäude seien durch das Beben der Stärke 8,0 zerstört worden, sagte der Vizegouverneur. Nun seien 5,4 Millionen Menschen obdachlos. Der Wiederaufbau werde mindestens drei Jahre brauchen, so die Einschätzung von Li Chengyun.

Weil die Parteifunktionäre in der Stadt Dujiangyan in den ersten Tagen nach der Katastrophe offenbar nicht adäquat reagiert hatten, wurden jetzt vier der Verantwortlichen wegen Vernachlässigung ihrer Pflichten "bestraft", sagte der Vize-Gouverneur.

Deutsche Hilfe vor Ort

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, ist am heutigen Freitag ein mobiles Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf dem Flughafen der Provinzhauptstadt Chengdu eingetroffen. Das Hospital soll in aufgebaut werden. Es kann laut DRK 120 Patienten aufnehmen und insgesamt 250.000 Menschen medizinisch versorgen.

Ein deutsches Team aus Ärzten, Schwestern, Krankenhausmanagern und Technikern wird am Nachmittag in Chengdu erwartet, um das einheimische Personal kurzzeitig zu unterstützen. Aus Shanghai kommt ein 40-köpfiges Team des Huashan-Krankenhauses, dass mit den Deutschen in Dujiangyan zusammenarbeiten wird, berichtete Xinhua. Das mobile Hospital soll in China bleiben.

Regierung plant Lotterie zugunsten der Opfer

Um Geld für die Opfer des Erdbebens und den Wiederaufbau zu sammeln, hat die chinesische Regierung nun angekündigt, eine nationale Lotterie ins Leben zu rufen. Die Lotterie solle möglichst schnell im ganzen Land eingerichtet werden, sagte der Minister für zivile Angelegenheiten, Li Xueju, der "Peking Times" zufolge.

Alles gesammelte Geld solle den Erdbebenopfern und dem Wiederaufbau zugute kommen. Laut Li soll jede Familie, die einen Angehörigen verloren hat, so schnell wie möglich 5000 Yuan (rund 460 Euro) erhalten. Lotterien sind ein einträgliches Geschäft für die chinesischen Behörden. 2006 brachte der Verkauf von Losen ihnen umgerechnet rund 33 Milliarden Euro ein.

ala/dpa/AFP

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