Erdbeben in China "Ich habe noch nie so eine Erschütterung gespürt"

Mehr als 380 Opfer soll das Erdbeben in China gefordert haben. Es war das schwerste seit Jahren. Hilfe ist unterwegs, doch nun drohen schwere Regenfälle.

REUTERS

Peking - Es war das schwerste Erdbeben seit Jahren in Chinas Südwesten. Nach neuen Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur sind mindestens 381 Menschen ums Leben gekommen. Zuvor war von mindestens 175 Todesopfern bei dem Erdstoß in der Provinz Yunnan die Rede gewesen.

Die Anwohnerin Ma Liya sagte: "Ich habe noch nie so eine starke Erschütterung gespürt." Die Straßen sähen wie nach einem Bombenangriff aus. Das neugebaute, zwei Stockwerke hohe Haus ihres Nachbarn sei einfach zusammengefallen - es blieben nur Ruinen. Sie sei sehr besorgt um die Familie ihres Cousins, die einige Kilometer entfernt genau in der Region des Epizentrums lebe.

Ein Anwohner Ludians sagte: "Ich habe in meiner Wohnung im fünften Stock einen kräftigen Stoß gespürt. Kleinere Gegenstände sind von den Regalen gefallen." Viele Menschen in dem Ort seien auf die Straße gelaufen. Polizisten, Feuerwehrleute und Spezialkräfte mit Suchhunden auch aus anderen Regionen wurden mobilisiert. "Es sind einfach zu viele Gebäude zerstört worden. Wir sammeln noch immer Informationen über Verletzte und Tote", sagte ein Dorfvorsteher der Agentur Xinhua.

Zehntausende Häuser zerstört oder beschädigt

Tausende von Häusern, darunter auch eine Schule, stürzten bei dem Beben ein; es war auch in den Nachbarprovinzen Guizhou und Sichuan zu spüren. Die Regierung transportierte Tausende von Zelten, Betten und Kleidungsstücke in das Katastrophengebiet.

Das Beben zerstörte zahlreiche Straßen. "Die blockierten Straßen und Platzregen haben einige Unglücksorte abgeschnitten. Die Rettungsfahrzeuge kommen dort nicht hin", sagte ein Parteifunktionär aus der Stadt Zhaotong der Agentur Xinhua. Weitere schwere Regenfälle könnten die Lage in den kommenden Tagen noch verschlimmern.

Mindestens 12.000 Gebäude wurden laut Xinhua zerstört. Weitere 30.000 Häuser wurden beschädigt. In den sieben Dörfern von Ludian leben rund 267.000 Menschen. Die gesamte Region um die Stadt Zhaotong kommt auf etwa sieben Millionen Einwohner. Chinas Erdbebenwarte registrierte 44 Nachbeben von der Stärke 5 und stärker. Der geologische Dienst der USA bezifferte das Beben mit 6,1.

Vereinte Nationen bieten Unterstützung an

Staats- und Parteichef Xi Jinping wies die Rettungsmannschaften laut Xinhua an, alle Anstrengungen zu unternehmen, um Menschenleben zu retten. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bot China Hilfe an: "Die Vereinten Nationen stehen bereit, um alle humanitären Einsätze zu unterstützen und die internationale Hilfe zu mobilisieren." Er drückte der Regierung in Peking und den Hinterbliebenen der Opfer sein Beileid aus.

Im September 2012 waren bei einem Beben der Stärke 5,7 in der Gemeinde 80 Menschen ums Leben gekommen. Die betroffene Bergregion liegt im Nordosten von Yunnan an der Grenze zur Nachbarprovinz Sichuan. In diesem Teil Chinas gibt es immer wieder Erdbeben. 2008 kamen bei einem Beben in Sichuan fast 70.000 Menschen ums Leben.

Weltweit treten jährlich zwischen 1500 und 2000 Erdbeben mit Stärken über 5,0 auf. Mit einer Stärke höher als 8,0 bebt die Erde durchschnittlich einmal pro Jahr. Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile.

isa/dpa/AFP/Reuters

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PriseSalz 04.08.2014
1. 6,1?
Mir tun die Toten und Obdachlosen wirklich leid. Auch ist mir klar das Erdbeben nicht gleich Erdbeben ist, es gibt relativ schwache Erdbeben die große Verwüstungen anrichten können, und es hängt auch davon ab ob die betroffene Gegend stark oder schwach besiedelt ist. Aber trotzdem: Ich habe in Costa Rica mehrere Erdbeben erlebt, das stärkste mit 7.4 (rund 25 Tote), andere um die 6.5. Keine Toten, wenige Häuser beschädigt, und wenn dann meist nur Risse. Warum? Weil hier sehr erdbebensicher gebaut wird. Selbst billige Sozialbauten (Haus mit 3 Schlafzimmern durchaus für 15.000 EUR) fallen nicht so schnell zusammen.
druck_im_topf 04.08.2014
2. @PriseSalz
Es gibt noch einen wesentlichen Grund, warum "schwache" Erdbeben manchmal enorme Verwüstungen anrichten können: die Tiefe in der das Erdbeben stattfindet. Man muß nicht immer über liderliche Bauweise schimpfen. Schönen Tag noch!
druck_im_topf 04.08.2014
3. Nachtrag zu 6,1
Ich vergaß noch zu erwähnen, dass neben der Tiefe des Erdbebens auch der Untergrund einen wesentlichen Beitrag zu den Zerstörungen liefert. Dämpfende Untergründe/Böden sind natürlich geeigneter Zerstörungen zu vermeiden!
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