Erdbeben in Indonesien Mindestens 82 Tote - Tausende Verletzte

Einstürzende Häuser und Panik auf den Straßen: Bei zwei schweren Erdbeben auf der indonesischen Insel Sumatra sind mindestens 82 Menschen ums Leben gekommen, Tausende wurden verletzt. Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen, viele Menschen werden noch unter Trümmern vermutet.


Jakarta - "Wir sind noch dabei, Opfer zu bergen, aber viele Straßen sind nicht befahrbar", sagte der Gouverneur von Westsumatra, Gamawan Fauzi. Tausende Häuser wurden zerstört oder beschädigt. Das Kinderhilfswerk UNICEF bereitete Notpakete mit Decken, Hygieneartikeln und Medikamenten vor.

Nach Angaben des Senders ChannelNewsAsia sind mehrere Kinder, deren Schule durch einen Erdstoß in Brand geraten war, ums Leben gekommen. Die Beben waren noch mehr als 400 Kilometer entfernt in Malaysia und Singapur zu spüren.

Mehrere tausend Menschen harrten aus Angst vor Nachbeben im Freien aus. "Sie haben Angst, in ihre Häuser zurückzukehren", sagte der Vorsteher der Sozialbehörde von Westsumatra, Kafrawi. Die Behörden würden die Nacht durcharbeiten, um Bedürftige in Notunterkünfte zu bringen. Strom- und Telefonleitungen sind unterbrochen, Straßen unpassierbar.

Tausende Menschen suchten ärztliche Hilfe auf, die Krankenhäuser waren überlaufen. Zehntausende Menschen waren am Vormittag nach dem ersten Erdstoß mit einer Stärke von 6,3 auf die Straßen gerannt. Genau zwei Stunden später bebte die Erde erneut, nun mit einer Stärke von 6,1. Das Epizentrum lag nördlich von Padang im dicht besiedelten Bezirk Batusangkar, rund 930 Kilometer nordwestlich der Haupstadt Jakarta.

Erdstöße waren noch 400 Kilometer entfernt zu spüren

Auch in der 800.000-Einwohner-Stadt Padang brach Panik aus. Aus einem Krankenhaus flüchteten Patienten, Ärzte und Krankenschwestern ins Freie. Schüler saßen vor einer Schule auf dem Bordstein und weinten. Die Stadt Solok mit 100.000 Einwohnern lag besonders nah am Epizentrum. Viele Familien kampierten auf Rasenflächen, berichtete der Projektleiter für Wiederaufbaumaßnahmen der Deutsch-Indonesischen Handelskammer, Michael Zöller.

Tausende Menschen spürten die Erdstöße auch mehr als 400 Kilometer entfernt in Singapur und Malaysia. Mehrere Hochhäuser wurden vorübergehend geräumt. Auch in der Deutschen Botschaft, die im 12. Stock des Singapore Landtower im Geschäftsdistrikt liegt, war das Erdbeben spürbar. Das Gebäude sollte zunächst geräumt werden, sagte ein Sprecher, ehe über Lautsprecher Entwarnung gegeben wurde.

Ständige Bewegung der Erdplatten

Indonesien liegt in einer stark erdbebengefährdeten Zone, dem Pazifischen Feuerring. Dieser Gürtel besteht größtenteils aus einer Reihe von Inselbögen wie den Aleuten, den Kurilen und dem indonesischen Archipel. Er verläuft von Chile über Nord-Alaska und Japan bis Südostasien und zu den Pazifischen Inseln. In der Region befinden sich rund vierzig Prozent aller noch aktiven Vulkane.

Entlang der Westküste des Archipels stoßen zudem die Indisch-Australische Platte und die Pazifische Platte aufeinander, dadurch ist die Region besonders erdbebengefährdet. Die Erdplatten sind in ständiger Bewegung. An einigen Stellen des Erdmantels sind sie nur wenige Kilometer dick. Durch Plattenverschiebungen werden Schwächezonen erzeugt, in denen der Aufstieg von flüssigem Magma begünstigt wird. Wenn die aufgestaute Energie austritt, folgen meist schwere Beben und Vulkanausbrüche.

20 schwere Beben jedes Jahr

Nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) wurden seit 1900 entlang des Rings im Jahresdurchschnitt knapp 20 Erdbeben mit einer Stärke von mehr als 7,0 auf der Richter-Skala gemessen. "Schwere Erdbeben wie dieses gibt es hier immer wieder - verheerend sind sie nur, wenn sie in dicht besiedelten Regionen Asiens auftreten", sagt der Erdbebenexperte Gary Gibson von der RMIT Universität in Melbourne. Leider aber liegen nach seinen Angaben einige der am dichtesten besiedelten Städte Asiens in besonders gefährdeten Gebieten.

Das verheerendste der großen Beben, von denen Indonesien in den vergangenen Jahren betroffen war, war das Seebeben am 26. Dezember 2004 mit einer Stärke von 9,3. Durch die anschließende Flutwelle wurden in Ländern rund um den Indischen Ozean 220.000 Menschen getötet, davon allein in der nordwestindonesischen Provinz Aceh mehr als 160.000. Im vergangenen Mai starben 5800 Menschen bei einem Beben auf der Hauptinsel Java; dort bebte zwei Monate später erneut die Erde, mehr als 600 Menschen wurden getötet.

jto/dpa/AFP/Reuters



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